Pflege, Dresden

Pflege in Dresden: 13 Bachelor-Absolventen starten neues Traineeprogramm

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das zwölfmonatige Modell verbindet Bachelorqualifikation mit direkter Patientenversorgung und eröffnet langfristig einen Weg zur APN-Rolle.

Uniklinik Dresden startet Traineeprogramm für akademische Pflegekräfte
Ein moderner, heller Klinikflur eines Universitätsklinikums in einer sterilen und architektonisch klaren Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden startet im Oktober 2026 ein spezialisiertes Traineeprogramm für Pflegefachpersonen mit einem Bachelorabschluss. Damit reagiert das Klinikum auf die steigenden Anforderungen in der klinischen Versorgung und die zunehmende Akademisierung innerhalb des Berufsstandes.

Das Programm bildet die erste Stufe eines neuen Laufbahnmodells, das mittelfristig eine Brücke zur spezialisierten klinischen Tätigkeit schlagen soll.

Akademisierung der Pflege im klinischen Alltag

Zum Auftakt des Projekts im Oktober 2026 durchlaufen zunächst 13 Pflegende das auf zwölf Monate angelegte Programm. Ein wesentliches Merkmal der Initiative ist die Bindung der akademisch qualifizierten Fachkräfte an die direkte Patientenversorgung. Nach Abschluss des Traineeprogramms sollen die Teilnehmenden weiterhin unmittelbar am Krankenbett tätig sein, jedoch mit erweiterten Kompetenzen aus ihrem Studium.

Das Projekt „Laufbahnmodell klinische Pflege“ wird intern als eine der zentralen Weichenstellungen für die strukturelle Weiterentwicklung und Transformation des Hauses betrachtet.

Laut Katrin Korn-Mattern, der Leiterin der Pflegewissenschaften und stellvertretenden Pflegedirektorin, handele es sich um ein maßgebliches Transformationsprojekt. Perspektivisch sieht das Modell vor, dass Absolventen durch ein anschließendes Masterstudium die Qualifikation zur Advanced Practice Nurse (APN) erlangen können.

Erste Ansätze für solche spezialisierten Rollen sind am Standort bereits vorhanden: In der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie wird eine bestehende APN-Stelle genutzt, um die Evaluation eines Programms zur schnelleren Genesung nach Darm- und Leberoperationen zu begleiten.

Diese Entwicklung folgt einem bundesweiten Trend, den auch der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken Deutschlands (VPU) unterstützt. Dieser hatte bereits im Frühjahr 2026 eine Rahmenempfehlung für APN-Positionen in deutschen Krankenhäusern veröffentlicht.

Fachkräftemangel erfordert neue Bildungsansätze

Die Bemühungen in Dresden stehen vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Personalmangels. Die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit beobachtet zwar ein steigendes Interesse an Pflegeausbildungsplätzen, weist jedoch gleichzeitig auf ein strukturelles Problem hin.

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Die personelle Notlage in der stationären und ambulanten Versorgung nehme aufgrund der demografischen Entwicklung und der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge weiter zu. Experten fordern daher eine Entlastung von Bürokratie sowie den verstärkten Einsatz digitaler Hilfsmittel.

Auch in anderen Regionen wird massiv in die Ausbildung investiert. Das Sana Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Hameln wurde für seine digitalen Konzepte, wie den Einsatz von iPads und Lernvideos, mit der Niedersächsischen Auszeichnung für besonders verlässliche Ausbildung 2026 gewürdigt.

In der Medizinischen Schule Uckermark in Prenzlau starten zum Schuljahr 100 angehende Pflegefachkräfte, wobei die dortige Ausbildung der Altenpflegehilfe im Oktober 2026 letztmals angeboten und ab 2027 durch die Pflegefachassistenz ersetzt wird.

Markt für digitale Weiterbildung in Bewegung

Die Notwendigkeit zur effizienten Qualifizierung spiegelt sich auch in Unternehmensentscheidungen wider. Die Thieme Gruppe plant im November 2026 die Übernahme der digitalen Bildungsplattform Relias Learning von der Bertelsmann Education Group. Mit diesem Schritt wollen die Unternehmen ihre Angebote bündeln, um künftig rund eine Million der bundesweit 1,8 Millionen Pflegefachpersonen mit digitalen Lerninhalten zu erreichen.

Gleichzeitig investieren akademische Institutionen in modernste Infrastruktur. Die Hochschule Campus Wien eröffnete ein rund 3.000 Quadratmeter großes Simulationszentrum, das interprofessionelles Training für zehn verschiedene Gesundheitsstudiengänge ermöglicht.

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Trotz dieser Initiativen bleibt die Fachkräftesicherung eine Herausforderung. Im nordrhein-westfälischen Kreis Soest findet am 6. Oktober 2026 eine Fachtagung zur Personalgewinnung statt. Dort weisen Organisatoren darauf hin, dass die Zahl der Pflegebedürftigen stetig steige, während das Angebot an Nachwuchskräften stagniere.

Daten des Statistischen Bundesamtes unterstreichen zudem die Bedeutung von Zuwanderung: Im Jahr 2025 verfügten bereits 33 Prozent der in der Pflege Beschäftigten über eine Einwanderungsgeschichte.

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