Pflege-Gehälter: 47 Prozent Steigerung seit 2015 – Lücke zu Industrie schließt
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den vergangenen Jahren hat sich das Lohnniveau in sozialen Berufen deutlich nach oben entwickelt. Aktuellen Auswertungen der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit zufolge stiegen die Entgelte in diesem Sektor im Zehnjahresvergleich wesentlich stärker als in klassischen Industriezweigen. Damit verringert sich der Abstand zu technischen Berufen, wenngleich regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede weiterhin bestehen.
Starke Zuwächse in der Pflege und Erziehung
Für das Jahr 2025 weist die Bundesagentur für Arbeit für vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in sozialen Berufen in Baden-Württemberg ein Median-Bruttomonatsentgelt von 4.191 Euro aus. Dies entspricht einer Steigerung von 33 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Besonders deutlich fielen die Zuwächse in den Bereichen Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege aus. Hier lag das Medianentgelt im Jahr 2025 bei 4.414 Euro, was einem Plus von 44 Prozent gegenüber 2015 entspricht.
Noch stärker war die Entwicklung in den Pflegeberufen. Dort stieg das mittlere Bruttogehalt seit 2015 um 47 Prozent auf 4.732 Euro im Jahr 2025. Zum Vergleich: In der Maschinenbau- und Betriebstechnik lag das Entgelt 2025 zwar mit 4.833 Euro absolut gesehen höher, verzeichnete mit einem Plus von 25 Prozent seit 2015 jedoch ein deutlich geringeres Wachstum. Ähnliches zeigte sich in der Metallbearbeitung, wo die Gehälter um 22 Prozent auf 4.607 Euro stiegen.
Bundesweiter Trend und regionales Gefälle
Im gesamten Bundesgebiet lag das Mediangehalt im Jahr 2025 bei 4.217 Euro. Dies stellt eine Erhöhung um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024 dar. Dabei bleibt ein deutliches Gefälle zwischen den Regionen sichtbar.
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Während in Westdeutschland ein Median von 4.315 Euro erreicht wurde (plus 4,81 Prozent), lag dieser in Ostdeutschland bei 3.761 Euro (plus 6,27 Prozent).
Im Bundesländervergleich verzeichnete Hamburg mit 4.768 Euro die höchsten Gehälter, gefolgt von Baden-Württemberg mit 4.546 Euro und Hessen mit 4.530 Euro. Am unteren Ende der Skala finden sich Mecklenburg-Vorpommern mit 3.497 Euro, Thüringen mit 3.508 Euro und Sachsen-Anhalt mit 3.563 Euro.
Dennoch holt der Osten auf: Die größten prozentualen Steigerungen wurden in Sachsen-Anhalt mit 6,26 Prozent, Berlin mit 6,22 Prozent und Brandenburg mit 6,20 Prozent gemessen.
Besonderheiten beim Gender-Pay-Gap
Eine auffällige Entwicklung zeigt sich bei der geschlechtsspezifischen Lohnlücke. In Ostdeutschland hat sich der sogenannte Gender-Pay-Gap im Jahr 2025 umgekehrt: Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienten dort im Median 3.855 Euro und damit 144 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen, die auf 3.711 Euro kamen. Den größten Vorsprung für Frauen verzeichnete Brandenburg mit einer Differenz von 210 Euro.
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In Westdeutschland stellt sich die Situation anders dar. Hier verdienten Männer im Median 4.457 Euro, während Frauen auf 4.059 Euro kamen. Für das gesamte Bundesgebiet ergibt sich daraus ein mittleres Einkommen von 4.328 Euro für Männer und 4.019 Euro für Frauen, was einer Differenz von 309 Euro entspricht.
Lokale Einblicke am Beispiel Hessen
Die Gehaltsstrukturen lassen sich auch auf Ebene der Landkreise differenziert betrachten. Im hessischen Landkreis Remsfeld waren zum Stichtag am 31. Dezember 2025 insgesamt 3.594 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Pflege tätig, was einem Zuwachs von 3,2 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Das mittlere Bruttomonatsentgelt in der Pflege lag dort bei 4.069,02 Euro und übertraf damit den branchenübergreifenden Durchschnitt des Landkreises von 3.875,20 Euro.
