Pflege-Finanzlage: 95% der großen Kliniken in Schieflage
31.05.2026 - 19:48:51 | boerse-global.deDer Fokus liegt nicht nur auf Finanzen, sondern auch auf Prävention. Aktuelle Studien zeigen jedoch: Die Branche kämpft mit Personalmangel und wirtschaftlicher Instabilität.
Internationale Fachkräfte als Lösung?
Um die prognostizierte Personallücke zu schließen, setzen erste Träger auf Rekrutierung im Ausland. In Brandenburg arbeiten seit April fünf indische Pflegeassistentinnen in einem Seniorenheim am Schwielowsee. Das Pilotprojekt „German Nursing Certificate“ startete bereits im Herbst 2024 und sieht eine einjährige Phase bis zur Vollqualifikation vor.
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Der Bedarf ist enorm: Für Brandenburg wird bis 2030 eine Lücke von 3.000 Fachkräften erwartet, bis 2040 sogar 6.000. Auch Bottrop machte am 28. Mai mit einem Aktionstag für internationale Pflegekräfte auf sich aufmerksam. Ziel ist eine nachhaltige Willkommenskultur.
Doch Experten wie Anneke Riehl von der Barmer Schleswig-Holstein warnen: Zuwanderung allein reicht nicht. Bis 2035 rechnet man bundesweit mit 5,6 Millionen Pflegebedürftigen.
Sinnstiftend, aber wenig anerkannt
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) befragte im März und April Pflegekräfte. Das Ergebnis: 83 Prozent empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend. Doch nur 3 Prozent sehen die gesellschaftliche Anerkennung als ausreichend. Viele kritisieren zudem die mangelnde Einbindung in Entscheidungsprozesse.
Es gibt aber auch positive Signale. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Pflegeauszubildenden von 14.457 (2020) auf 16.937 (2024). Gründe sind die generalistische Ausbildung und die hohe Arbeitsplatzsicherheit.
Kliniken in finanzieller Schieflage
Die wirtschaftliche Situation vieler Einrichtungen bleibt kritisch. Das Konjunkturbarometer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vom April zeigt: 74 Prozent der Kliniken bewerten ihre Finanzlage als unbefriedigend. In Häusern mit mehr als 600 Betten sind es sogar 95 Prozent. Die Liquidität reicht im Schnitt nur noch für sechs Wochen.
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Auch bei spezialisierten Therapien wird die Lage schwieriger. In Mönchengladbach berichten Therapeuten von Wartezeiten zwischen neun und zwölf Monaten. Eine Honorarkürzung von 4,5 Prozent und hohe Kosten für Kassensitze erschweren zudem die Niederlassung neuer Fachkräfte.
Reformpläne und steigende Kosten
Ministerin Warken betont: „Der Schwerpunkt muss darauf liegen, Pflegebedürftigkeit durch Prävention hinauszuzögern.“ Heimbetreiber wie Diakonie und Caritas zeigen sich jedoch besorgt. Sie befürchten, dass strengere Kriterien bei den Pflegegraden die Versorgungsqualität verschlechtern. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile für Angehörige.
Ein DAK-Report vom November 2025 zeigt: 70 Prozent der Bürger sehen die hohen Kosten als größtes Problem des Pflegesystems. Ab dem 1. Juli steigen zudem die Pflegemindestlöhne. Das Pflegegeld bleibt bis 2028 auf aktuellem Niveau. Für viele greift dann die „Hilfe zur Pflege“ – sofern das Einkommen die Grenze von 1.126 Euro zuzüglich Miete unterschreitet.
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