PFAS-Verbot kommt: EU setzt 18-Monate-Übergangsfrist für Industrie
04.06.2026 - 08:10:11 | boerse-global.deDie petrochemische Industrie setzt zunehmend auf Kreislaufwirtschaft – doch verunreinigte Kunststofföle gefährden Anlagen. Ein neues Verfahren verspricht Abhilfe.
Fluor im Visier: Schnellere Kontrolle für Pyrolyseöle
Das Unternehmen Analytik Jena hat eine neue Methode zur Überwachung von Fluorwerten in Pyrolyseölen entwickelt. Die Technik nutzt die Hochauflösende Kontinuumsquellen-Molekülabsorptionsspektrometrie (HR-CS-MAS) in Kombination mit pyrohydrolytischer Verbrennung. Ziel ist der Nachweis von Fluor, das als Katalysatorgift wirkt und Korrosion in Raffinerieanlagen verursacht.
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Mit Geräten wie dem ICprep und dem contrAA 800 G bietet das Verfahren eine schnellere und zuverlässigere Alternative zur herkömmlichen Verbrennungs-Ionenchromatographie (CIC). Das ist besonders relevant, weil die Industrie verstärkt kunststoffbasierte Pyrolyseöle (WPPO) als alternative Rohstoffe einsetzt.
Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Die globalen Raffineriemärkte stehen unter Druck. Im Mai 2026 fielen die chinesischen Rohölimporte auf ein Zehnjahrestief von rund 6,45 Millionen Barrel pro Tag – ein deutlicher Rückgang gegenüber 8,1 Millionen Barrel im April. Raffinerien greifen auf ihre kommerziellen Lagerbestände zurück, um Verluste und die schwache Inlandsnachfrage abzufedern. Verbesserte Analysetools für alternative Einsatzstoffe gelten als kritischer Faktor, um in solchen Marktschwankungen handlungsfähig zu bleiben.
Sicherere Produktion: Weg vom hochgiftigen Fluorwasserstoff
Neben der besseren Überwachung arbeiten Forscher an sichereren Herstellungsverfahren für fluorhaltige Chemikalien. Ein neuer Reaktionsweg erlaubt die Produktion von Fluorchemikalien direkt aus Flussspat – und umgeht damit den hochgefährlichen Fluorwasserstoff (HF).
Das Verfahren arbeitet bei 80 Grad Celsius in wässrigem Medium mit Oxalsäure sowie Borsäure oder Siliziumdioxid. Dabei entstehen Tetrafluoroborsäure oder Hexafluorkieselsäure, die als Reagenzien für die Synthese von Fluoraromaten dienen – Grundstoffe für Pharma- und Agrarchemie. Ziel ist es, die Risiken bei Lagerung und Handhabung von HF in industriellen Anlagen zu eliminieren.
Die Industrie forscht zudem an fluorierten Bausteinen wie 2,2'-Bis(trifluormethyl)benzidin für Hochleistungspolyimide. Diese Materialien bieten verbesserte thermische Stabilität und niedrige Dielektrizitätskonstanten – ideal für flexible Elektronik, Sensoren und Luftfahrtanwendungen. Auch 6-FDA (Hexafluorisopropylidendiphthalsäureanhydrid) kommt in der Solarzellen-Verkapselung zum Einsatz, um die Effizienz und optische Klarheit zu steigern.
Strengere PFAS-Regulierung: Europa zieht die Zügel an
Der Fokus auf Fluorsicherheit wird durch die sich verschärfende Regulierung in Europa zusätzlich angetrieben. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat ein breites Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) empfohlen. Eine endgültige Bewertung soll noch 2026 bei der EU-Kommission eingehen, ein Gesetzesvorschlag wird für 2027 erwartet.
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Der vorgeschlagene Rahmen sieht Übergangsfristen vor: 18 Monate für allgemeine Anwendungen, bis zu 12 Jahre für kritische Bereiche wie Medizintechnik und Halbleiterfertigung.
Um die künftigen Anforderungen zu erfüllen, werden die Nachweismethoden immer effizienter. Forscher der University of Kansas veröffentlichten ein neues Verfahren zum PFAS-Nachweis in Trinkwasser. Durch die Kombination von Fast-Flow-Festphasenextraktion (SPE) mit UPLC-MS/MS verkürzte sich die Probenkonzentrationszeit von rund 100 Minuten auf sechs bis acht Minuten. Die Methode erfasst Stoffe unterhalb der von der US-Umweltbehörde EPA festgelegten Schwelle von 4 ppt (parts per trillion) und soll die Testkosten senken – derzeit liegen sie zwischen 400 und 500 Euro pro Probe.
Kontinuierliche Überwachung: Neue Plattform für den Anlagenbetrieb
Die Sicherheit in Raffinerien und Chemieanlagen wird durch neue Plattformen zur kontinuierlichen Hardware-Überwachung gestärkt. Emerson hat die Synchros-Plattform vorgestellt – ein drahtloses Überwachungssystem, das manuelle Inspektionen digitalisiert. Der erste Rollout umfasst Temperaturmonitore für Pumpen, Wärmetauscher und Dampfsysteme.
Weitere Sicherheitsentwicklungen im Juni 2026:
- Aluminium-Schmelzqualität: Das Fraunhofer IZFP präsentierte das System „AloX“, das mit Ultraschall nichtmetallische Einschlüsse in Aluminiumschmelzen erkennt.
- Flüssigchromatographie: Phenomenex brachte die Endrix Long Life LC-Säulen auf den Markt, die stabile Leistung bei komplexen Proben in klinischen und Umweltlaboren liefern sollen.
- Lüftungsüberwachung: Oppermann Regelgeräte zeigt den KRM-X-Kanalrauchmelder auf der Feuertrutz-Messe in Nürnberg (24./25. Juni 2026), der Kaltrauchpartikel erfasst und die Ausbreitung von Rauch über Lüftungssysteme verhindern soll.
Diese technologischen Neuerungen fallen in eine Zeit massiver Dekarbonisierungsanstrengungen der Industrie. BASF bereitet sich am Standort Ludwigshafen auf die Installation einer Hochleistungs-Wärmepumpe vor. Die Lieferung des 11-stufigen Verdichtersystems, das die CO?-Emissionen bei der Ameisensäureproduktion um bis zu 100.000 Tonnen jährlich reduzieren soll, beginnt Mitte 2026.
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