Peter Thiel erhält Springer-Award trotz Kritik an Palantir und Trump-Nähe
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer aus Deutschland stammende Unternehmer Peter Thiel soll am 24. September in Berlin mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet werden.
Springer-Chef verteidigt die Wahl
Für Mathias Döpfner ist Thiel der „wahrscheinlich mit Abstand einflussreichste Deutsche unserer Zeit“. Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer sagte der Deutschen Presse-Agentur, Thiel habe als Gründer, Investor und Mitgründer des Softwareunternehmens Palantir außergewöhnlich viel Innovation gestaltet.
Döpfner bezeichnete Thiel zudem als „besonders mutigen Widerspruchsgeist“ und sieht in Palantir eine „Schutzmacht der Demokratie“. Die Auszeichnung ist umstritten, weil Thiel als politisch rechtskonservativer Vordenker gilt und Donald Trump bereits 2016 unterstützt hatte.
Erfolg mit Paypal, Facebook und Palantir
Der 1967 in Frankfurt am Main geborene Thiel zog als Kind mit seiner Familie in die USA. Er studierte Philosophie und Rechtswissenschaften an der Stanford University, baute Paypal mit auf, investierte früh in Facebook und gründete Palantir mit.
Palantir entwickelt Software zur Datenanalyse, die unter anderem von Geheimdiensten, Militär und Polizei genutzt wird. In Deutschland setzen Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg auf das Analysetool „Gotham“.
Streit über Polizeisoftware
Der Einsatz von Palantir bei deutschen Sicherheitsbehörden ist umstritten. Kritiker verweisen auf die Abhängigkeit von einem US-Konzern und auf die Frage, wie sicher sensible Polizeidaten verarbeitet werden.
Thiels politischer Einfluss geht über Palantir hinaus. Er unterstützte Trump bei dessen erster Präsidentschaftskandidatur und baute über Jahre ein weitreichendes Netzwerk in Wirtschaft und Politik auf. Dazu gehört auch die von ihm mitgegründete Dialog Society, an deren Treffen unter anderem Regierungsvertreter und Führungskräfte aus dem Silicon Valley teilgenommen haben.
Kontroverse Aussagen und abgesagte Veranstaltung
Für Kritik sorgt außerdem ein Essay Thiels aus dem Jahr 2009, in dem er Zweifel an der Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie äußerte. Döpfner hält ihn dennoch für einen der „inspirierendsten und interessantesten Denker“.
Auch religiöse und apokalyptische Vorstellungen Thiels rückten zuletzt stärker in den Fokus. Eine geplante öffentliche Diskussion mit ihm bei den Wiener Festwochen wurde nach Kritik und Absagen beteiligter Künstler gestrichen.
Protest im Springer-Gebäude
Im Berliner Springer-Gebäude protestierten Beschäftigte oder Außenstehende mit aufgehängten Zetteln gegen die Ehrung. Nach Angaben Döpfners ist bis heute unklar, wer dafür verantwortlich war.
Thiel soll bei der Preisverleihung sprechen und Fragen beantworten. Der nicht dotierte Axel Springer Award ging zuvor unter anderem an Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk und Tim Berners-Lee.
Auszeichnung mit politischer Signalwirkung
Der Axel Springer Award würdigt nach Angaben des Medienhauses Unternehmer, die Märkte in herausragender Weise verändern. Mit Peter Thiel zeichnet Springer diesmal nicht nur einen erfolgreichen Technologieinvestor aus, sondern eine Figur, deren wirtschaftlicher Einfluss eng mit politischen Debatten über Freiheit, Demokratie und staatliche Macht verbunden ist.
Thiels Bedeutung reicht über seine Unternehmensgründungen hinaus. Seine frühen Investitionen in Facebook, die Mitgründung von Palantir und seine Unterstützung Donald Trumps haben ihn zu einem wichtigen Netzwerker zwischen Silicon Valley, US-Politik und konservativen Bewegungen gemacht. Dadurch erhält die Preisvergabe eine zusätzliche politische Dimension, auch wenn Springer sie vor allem mit unternehmerischer Leistung begründet.
Palantir als deutscher Bezugspunkt
Für Deutschland ist besonders Palantir relevant. Mehrere Länder nutzen die Software Gotham zur Analyse polizeilicher Daten. Die Debatte dreht sich dabei um den möglichen Nutzen bei der Verbrechensbekämpfung ebenso wie um Datenschutz, demokratische Kontrolle und die Abhängigkeit von einem US-Technologiekonzern.
Döpfners Beschreibung Palantirs als „Schutzmacht der Demokratie“ steht damit einer grundsätzlichen europäischen Frage gegenüber: Wie weit dürfen Sicherheitsbehörden datengetriebene Systeme privater Anbieter einsetzen, ohne Transparenz und Kontrolle zu verlieren? Die Preisverleihung am 24. September dürfte diese Auseinandersetzung über Technologie, politische Verantwortung und die Grenzen wirtschaftlicher Macht in Berlin weiter bündeln.
