PET-Recycling, Enzym

PET-Recycling: Leipziger Enzym ermöglicht industrielle Verwertung

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 21:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Leipziger Enzym PHL7 zerlegt PET im Testreaktor rasch und hitzestabil. ESTER-Biotech bereitet die Skalierung in einer Pilotanlage vor.

Universität Leipzig optimiert PHL7 für industrielles PET-Recycling
Industrieller Bioreaktor in einem hellen Labor zur Kunststoffverwertung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben einen entscheidenden Fortschritt bei der nachhaltigen Verwertung von Kunststoffen erzielt. Durch die Optimierung des Enzyms PHL7 ist es dem Forschungsteam gelungen, den biologischen Abbau von Polyethylenterephthalat (PET) so effizient zu gestalten, dass ein Einsatz unter industriellen Bedingungen unmittelbar bevorsteht.

Die entsprechenden Forschungsergebnisse wurden bereits im Mai im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht und bilden nun die Grundlage für eine großtechnische Umsetzung durch ein regionales Start-up.

Effizienzsteigerung durch optimierte Biokatalysatoren

Das Enzym PHL7, das ursprünglich auf dem Leipziger Südfriedhof entdeckt wurde, gilt als Schlüssel für ein geschlossenes Kreislaufsystem in der Kunststoffwirtschaft. In den vergangenen Monaten haben Forscher der Universität Leipzig dieses Enzym gezielt für den industriellen Einsatz weiterentwickelt.

Ein wesentlicher technischer Vorteil der Neuentwicklung liegt in der Robustheit des Prozesses: Das optimierte Enzym bleibt bei Temperaturen von mehr als 95 °C stabil. Zudem entfällt die Notwendigkeit für aufwendig aufbereitetes Laborglas oder spezialisierte Lösungsmittel, da die chemische Reaktion in gewöhnlichem Leitungswasser abläuft.

In aktuellen Testreihen konnte die Leistungsfähigkeit des Verfahrens bereits unter Beweis gestellt werden. Ein Reaktor mit einem Fassungsvermögen von 100 Litern ist in der Lage, rund 20 kg PET innerhalb von lediglich sechs Stunden vollständig zu zersetzen.

Diese Geschwindigkeit und die Widerstandsfähigkeit des Enzyms gegenüber thermischen Belastungen markieren einen signifikanten Fortschritt gegenüber bisherigen biotechnologischen Ansätzen, die oft an mangelnder Geschwindigkeit oder zu hohen Anforderungen an die Prozessumgebung scheiterten.

ESTER-Biotech plant Skalierung in den industriellen Maßstab

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Die Universität Leipzig hat mit dem Enzym PHL7 einen Durchbruch erzielt: PET wird in sechs Stunden vollständig zersetzt – bei über 95 °C und in Leitungswasser. Für Verpackungs- und Recyclingunternehmen eröffnet das neue Wege, Qualitätsverluste zu vermeiden und Nachhaltigkeitsvorgaben zu erfüllen. Jetzt kostenlosen Leitfaden zum enzymatischen PET-Recycling anfordern

Für die wirtschaftliche Verwertung dieser Technologie wurde mit ESTER-Biotech ein spezialisiertes Spin-off der Universität Leipzig ausgegründet. Das junge Unternehmen verfolgt das Ziel, die im Labormaßstab erprobten Verfahren in den kommerziellen Betrieb zu überführen. Aktuellen Planungen zufolge bereitet das Start-up derzeit den Bau einer Pilotanlage vor.

Diese geplante Anlage soll die Kapazitäten des bisherigen 100-Liter-Reaktors massiv übersteigen. Die Verantwortlichen bei Ester Biotech streben eine Skalierung an, bei der die neue Anlage das Zehnfache bis Hundertfache der derzeitigen Testkapazität bewältigen kann. Damit rückt eine Lösung für das globale Müllproblem bei Einwegflaschen und Verpackungsmaterialien in greifbare Nähe.

Während herkömmliche mechanische Recyclingverfahren oft mit einem Qualitätsverlust des Materials einhergehen, erlaubt der enzymatische Abbau die Rückgewinnung der ursprünglichen chemischen Bausteine, aus denen hochwertiges, neuwertiges PET hergestellt werden kann.

Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft

Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse im Frühjahr dieses Jahres hat in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt, da die Methode der Leipziger Wissenschaftler zwei der größten Hürden des biologischen Recyclings adressiert: die Zeitdauer des Abbaus und die Stabilität der Enzyme unter Hitzeeinwirkung.

Durch die industrielle Nutzbarmachung des PHL7-Enzyms könnte die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen bei der Kunststoffproduktion deutlich verringert werden.

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Branchenexperten sehen in dem Vorhaben von ESTER-Biotech einen wichtigen Meilenstein für die Materialtransformation. Sollte die Skalierung in der geplanten Pilotanlage erfolgreich verlaufen, stünde der Markt vor einer grundlegenden Veränderung der Entsorgungs- und Produktionslogistik.

Die Möglichkeit, PET-Abfälle dezentral und mit vergleichsweise geringem technischem Aufwand in Leitungswasser zu zersetzen, bietet insbesondere für die Verpackungs- und Spielzeugindustrie neue Perspektiven zur Einhaltung strengerer Nachhaltigkeitsvorgaben.

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