PET-Pfandflaschen: Recycling-Anteil steigt auf rund 58 Prozent
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Anteil recycelten Kunststoffs in handelsüblichen PET-Getränkeflaschen ist in Deutschland im vergangenen Jahr auf rund 58 Prozent gestiegen.
Rezyklatanteil deutlich über EU-Vorgabe
Das geht aus einer Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung hervor. Gegenüber 2023 legte der Anteil demnach um etwa sieben Prozentpunkte zu. 2019 hatte er noch bei rund 34 Prozent gelegen, 2021 bei 45 Prozent.
Die EU-Mindestvorgabe von 25 Prozent wird damit deutlich überschritten. Auch die für 2030 geplante Anhebung auf 30 Prozent dürfte für Deutschland nach diesen Zahlen erreichbar sein.
Industrie verweist auf Klimabilanz
Auftraggeber der Studie war die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Sie führt den Anstieg unter anderem auf das Ziel von Unternehmen zurück, ihre CO2-Bilanz zu verbessern.
PET steht für Polyethylenterephthalat. Bei Einwegflaschen mit 25 Cent Pfand werden die zurückgegebenen Flaschen geschreddert; das Material kann anschließend für neue PET-Flaschen verwendet werden. Mehrweg-Plastikflaschen haben in Deutschland üblicherweise 15 Cent Pfand und werden nach der Rückgabe erneut befüllt.
Recyclingbranche fordert mehr Rezyklat
Die Recyclingbranche verlangt eine stärkere Nutzung von recyceltem Kunststoff. Dadurch sollen sich die Geschäftsgrundlagen der Branche verbessern und fossile Rohstoffe eingespart werden.
„Wirksame Umweltpolitik braucht eine starke industrielle Basis im Land“, sagte Isabell Schmidt von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. „Kreislaufwirtschaft entsteht nicht allein durch gesetzliche Vorgaben.“
Umweltschützerin kritisiert Einweg-Trend
Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe begrüßte den steigenden Rezyklatanteil bei PET, verwies aber auf niedrigere Anteile bei anderen Kunststoffarten. PET sei eine Vorzeige-Plastikart und stehe nicht für den gesamten Plastikkonsum.
Nach Zahlen des Umweltbundesamtes liege der Anteil von Mehrwegverpackungen bei Getränken nur bei 34,5 Prozent, sagte Wohlgemuth. Damit seien Einweg-Plastikflaschen weiterhin marktbestimmend, obwohl das Verpackungsgesetz einen Mehrweganteil von 70 Prozent vorsehe.
Recycling von Einwegflaschen spare zwar neues Erdöl, erfordere aber ebenfalls Energie. PET-Mehrwegflaschen könnten etwa 25 Umläufe schaffen, Glas-Mehrwegflaschen bis zu 50.
Recycling spart fossile Rohstoffe
Der Anstieg des Rezyklatanteils ist vor allem für Einweg-PET-Flaschen relevant. Werden gebrauchte Flaschen wieder zu Flaschen verarbeitet, ersetzt das einen Teil des neu hergestellten Kunststoffs und damit Rohstoffe wie Erdöl. Zugleich bleibt die Herstellung energieintensiv: Sammlung, Sortierung, Reinigung und Aufbereitung benötigen ebenfalls Energie.
Deutschland liegt mit rund 58 Prozent deutlich über der europäischen Mindestvorgabe. Das zeigt, dass Pfandsystem und getrennte Rücknahme einen relativ hochwertigen Materialkreislauf ermöglichen. Die Entwicklung ist jedoch auf PET begrenzt und lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Kunststoffarten übertragen. Außerdem sagt der Rezyklatanteil allein nichts darüber aus, wie viele Verpackungen insgesamt vermieden werden.
Mehrweg bleibt der zentrale Streitpunkt
Die Umweltdebatte verschiebt sich deshalb von der reinen Recyclingfähigkeit zur Frage der Verpackungsart. Eine Mehrwegflasche wird mehrfach befüllt und kann dadurch den Bedarf an neuem Material und aufwendiger Aufbereitung pro Getränkemenge senken. Dafür müssen Rücktransport, Reinigung und ausreichende Umlaufzahlen effizient organisiert sein.
Für Verbraucher bedeutet der aktuelle Befund: Eine Einweg-PET-Flasche mit hohem Rezyklatanteil ist klimaschonender als eine Flasche aus neuem Kunststoff, ersetzt aber nicht automatisch ein funktionierendes Mehrwegsystem. Politisch stehen damit zwei Ziele nebeneinander: höhere Recyclinganteile für unvermeidbare Einwegverpackungen und ein größerer Anteil wiederbefüllbarer Verpackungen.
