Pestizid-Risiko, BAU

Pestizid-Risiko: IG BAU warnt vor Parkinson-Gefahr für Landwirte

07.05.2026 - 15:36:33 | boerse-global.de

Gewerkschaft startet Aufklärungskampagne zu neurologischen Gefahren von Pflanzenschutzmitteln und fordert gezielte Befragung von Parkinson-Patienten.

Pestizid-Risiko: IG BAU warnt vor Parkinson-Gefahr für Landwirte - Foto: über boerse-global.de
Pestizid-Risiko: IG BAU warnt vor Parkinson-Gefahr für Landwirte - Foto: über boerse-global.de

Die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt startet eine bundesweite Aufklärungskampagne zu den neurologischen Risiken von Pflanzenschutzmitteln. Im Fokus steht die Forderung an Ärzte und Krankenkassen, Parkinson-Patienten gezielt nach beruflichem Kontakt mit Chemikalien zu befragen.

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Neue Studien belegen kausalen Zusammenhang

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Im Januar 2026 veröffentlichten Forscher der UCLA Health eine Studie im Fachjournal Molecular Neurodegeneration, die erstmals einen biologischen Mechanismus für den Zusammenhang zwischen dem weit verbreiteten Pestizid Chlorpyrifos und der Parkinson-Krankheit nachweist. Die Analyse von über 1.600 Probanden ergab ein mehr als 2,5-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko bei Langzeitexposition.

Das Pestizid stört demnach einen zellulären Reinigungsprozess namens Autophagie. Fällt dieser aus, sammeln sich giftige Proteine im Gehirn an – die Nervenzellen sterben ab. „Das verschiebt die Diskussion von einem allgemeinen Verdacht hin zu einer spezifischen Kausalität für bestimmte Chemikalienklassen", fasst es die Gewerkschaft zusammen.

Wer ist betroffen?

Die IG BAU macht klar: Das Risiko betrifft nicht nur Landwirte. Auch Beschäftigte in Forstwirtschaft, Floristik und im Baugewerbe sind gefährdet – etwa durch Schimmelschutzmittel bei Gebäudesanierungen. Für eine Anerkennung als Berufskrankheit müssen Betroffene nachweisen, dass sie an mindestens 100 Arbeitstagen chemische Pflanzenschutzmittel ausgebracht haben.

Dazu zählen drei Hauptgruppen:
- Fungizide gegen Pilzbefall
- Insektizide gegen Schädlinge
- Herbizide gegen Unkraut

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Anerkennung auch vor offizieller Listung möglich

Bereits seit Dezember 2025 liegt eine aktualisierte wissenschaftliche Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats für Berufskrankheiten (ÄSVB) vor. Bis die formale Aufnahme in die Berufskrankheiten-Verordnung erfolgt – voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 – können Betroffene ihre Fälle nach § 9 Absatz 2 Sozialgesetzbuch VII prüfen lassen.

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat bereits reagiert: Im April 2026 kontaktierte sie tausende Versicherte mit Parkinson-Verdacht und informierte über die Möglichkeit der Anerkennung. Eine spezielle Hotline hilft bei der Dokumentation der Chemikalienexposition.

Epigenetische Spuren im Gehirn

Die Forschung liefert immer präzisere Erkenntnisse: Eine Studie aus dem Jahr 2025 im Journal npj Parkinson’s Disease zeigt, dass Substanzen wie Rotenon epigenetische Veränderungen in der Substantia nigra auslösen können – jener Hirnregion, die für Bewegungsabläufe zentral ist. Diese Veränderungen können das Gehirn noch Jahrzehnte nach der eigentlichen Exposition für Neurodegeneration anfällig machen.

Forderungen an die Praxis

Die IG BAU appelliert an Hausärzte, bei Parkinson-Patienten systematisch die Berufsbiografie zu erfragen. Viele Betroffene seien sich gar nicht bewusst, dass ihre Erkrankung mit der früheren Tätigkeit auf dem Feld oder im Gewächshaus zusammenhängen könnte.

Für die Landwirtschaft bedeutet die Entwicklung strengere Auflagen. Betriebe sollten detaillierte Aufzeichnungen über jeden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen – sie werden für künftige Versicherungsfälle unverzichtbar sein. Die Gewerkschaft setzt sich zudem für eine leichtere Anerkennung indirekt exponierter Beschäftigter ein, etwa von Arbeitern, die in Gewächshäusern mit behandelten Pflanzen umgingen.

Ausblick: Prävention als Gebot der Stunde

Branchenexperten erwarten, dass die hohen Kosten für Berufskrankheiten – von intensivmedizinischer Betreuung über Rehabilitation bis zu Rentenzahlungen – den Umstieg auf mechanische oder biologische Schädlingsbekämpfungsmethoden beschleunigen werden. Die Bundesregierung soll in den kommenden Monaten den finalen Erlass zur Aufnahme der Parkinson-Krankheit in die Berufskrankheiten-Liste veröffentlichen.

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