Personalräte: Neue Schulungen ab Juni für digitale Herausforderungen
04.06.2026 - 13:39:31 | boerse-global.deNeue Schulungsprogramme sollen Personalräte fit für digitale und rechtliche Herausforderungen machen.
Die Gewerkschaften in Norddeutschland haben umfangreiche Qualifizierungsangebote für neu- und wiedergewählte Personalräte gestartet. Bildungswerk ver.di und IG Metall bieten ab Juni Seminare an, die Arbeitnehmervertreter auf komplexe Arbeitsrechtsfragen, die digitale Transformation und massive Personalengpässe vorbereiten sollen.
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Umfangreiches Seminarprogramm ab Juni
In Niedersachsen hat das Bildungswerk ver.di ein dichtes Schulungsprogramm aufgelegt. Die ersten Kurse starteten am 8. Juni 2026 und behandeln Grundlagen wie das Niedersächsische Personalvertretungsgesetz (NPersVG) und das Betriebsverfassungsgesetz. Die Standorte: Hannover, Walsrode und Undeloh. Spezialseminare widmen sich dem Wirtschaftsausschuss, dem Arbeitsrecht und der Schwerbehindertenvertretung (SBV).
Der Bildungsreigen geht bis in den Spätsommer. Ab dem 3. August 2026 folgen Kurse in der Weser-Ems-Region – in Aurich, Bad Zwischenahn und online. Im Fokus: moderne Arbeitsplatzherausforderungen wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und die Tarifverträge TVöD und TV-L. Ab dem 30. August 2026 locken Bildungsurlaube auf Langeoog und Spiekeroog mit Themen wie Stressmanagement, Nachhaltigkeit und rechtlichen Strategien gegen Hassrede.
Personalkrise und strategische Herausforderungen
Die Schulungsoffensive kommt zu einer Zeit, in der Personalräte massiv unter Druck stehen. Erst kürzlich warnte der Personalrat des Bundeskanzleramts vor den Folgen geplanter Stellenkürzungen. Der Koalitionsvertrag sieht einen Personal abbau von mindestens acht Prozent bis 2029 vor. Die Vertreter beklagen eine „gläserne Decke“ in der Personalentwicklung und hohe Fluktuation.
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Ver.di-Vize Christine Behle bezeichnete die Kürzungspläne als Fehler. Ihre Begründung: 600.000 Stellen im öffentlichen Dienst sind derzeit unbesetzt. Das Innenministerium hält dagegen, dass Personalräte kein Mandat für Tarifpolitik hätten. Die Arbeitnehmervertreter betonen jedoch die operativen Auswirkungen dieser Engpässe.
In Hannover signalisiert die Stadtspitze Rückhalt für die Gremien. Oberbürgermeister Belit Onay begrüßte Anfang der Woche mehr als 70 neu gewählte Ratsmitglieder bei einer Veranstaltung der IG Metall Hannover. Die Gewerkschaft plant zudem eine große Konferenz für Neugewählte – Anmeldeschluss ist der 30. Juni 2026. Ziel: Vernetzung und Teambuilding unter den Arbeitnehmervertretern.
Neue Regeln für Arbeitssicherheit
Die neu gewählten Räte starten ihre Amtszeit unter veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach einem Bundestagsbeschluss vom Frühjahr traten am 29. Mai 2026 Änderungen im Sozialgesetzbuch (SGB VII) zu Sicherheitsbeauftragten in Kraft.
Die neuen Regeln im Überblick:
- 20 bis 50 Mitarbeiter: Sicherheitsbeauftragte nur noch bei konkreten Gefährdungen nötig
- 50 bis 250 Mitarbeiter: Mindestens ein Sicherheitsbeauftragter Pflicht
- Über 250 Mitarbeiter: Die spezifischen Kriterien der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) gelten
Diese Rechtsänderungen fallen in eine Phase aktiver Tarifkonflikte. Am 4. und 5. Juni 2026 rief ver.di zu bundesweiten Streiks im Einzel- und Großhandel auf – gefordert werden sieben Prozent mehr Lohn. In der Druckindustrie stehen Verhandlungen für rund 99.000 Beschäftigte an: Sie beginnen am 6. Juli 2026 in Berlin, die Friedenspflicht endet am 31. August 2026.
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