Personalauswahl, KI-Budgets

Personalauswahl: 85 Prozent der Unternehmen erhöhen KI-Budgets 2026

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 15:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen bauen KI im Personalwesen aus: Investitionen steigen, Automatisierung verändert Einstellungen und neue Pflichten rücken näher.

KI im Recruiting: Unternehmen erhöhen Budgets trotz offener Datenfragen
Moderner, minimalistischer Schreibtisch in einem Büro mit Blick auf ein Geschäftsviertel bei Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Anforderungen an die Personalauswahl intensivieren Unternehmen derzeit ihre Investitionen in KI-gestützte HR-Ökosysteme und automatisierte Testverfahren. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Auswahlprozesse effizienter zu gestalten und das Risiko von Fehlbesetzungen durch technologische Unterstützung zu minimieren.

Aktuelle Marktdaten verdeutlichen, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Personalverwaltung zunehmend von punktuellen Versuchen zu einer strategischen Neuausrichtung übergeht.

Strategische Ausrichtung und Skalierung der KI-Budgets

Laut einer aktuellen Studie von Gartner haben bisher zwar erst 22 Prozent der Organisationen KI erfolgreich in ihre breiten Geschäftsprozesse skaliert, doch die Investitionsbereitschaft bleibt hoch. Demnach planen 85 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Ausgaben für KI im Jahr 2026 weiter zu erhöhen.

Bereits im Vorjahr gaben die Unternehmensfunktionen im Durchschnitt 12 Prozent ihres Budgets für KI-Anwendungen aus. Als primäres Ziel dieser Investitionen nannten 75 Prozent der Organisationen die Steigerung der Produktivität.

Der Dun & Bradstreet AI Momentum Index belegt für den deutschen Markt eine positive Resonanz: 73 Prozent der hiesigen Unternehmen verzeichnen bereits einen Return on Investment (ROI) aus ihren KI-Projekten. Während die Hälfte der Betriebe Erfolge in punktuellen Bereichen sieht, berichten 23 Prozent bereits von einem breit angelegten Nutzen.

Bemerkenswert ist dabei der Fokus auf agentische Workflows, die von 69 Prozent der deutschen Unternehmen skaliert werden – ein Wert, der deutlich über dem globalen Durchschnitt von 60 Prozent liegt. Dennoch gaben nur 3 Prozent der Firmen an, ihre Datenbasis bereits vollständig für eine umfassende KI-Skalierung vorbereitet zu haben.

Effizienzsteigerung durch automatisierte Arbeitsabläufe und Datenanalyse

Praxisbeispiele verdeutlichen das Einsparpotenzial in der Personalverwaltung. Das israelische Startup Perfect, das im Frühjahr 2025 eine Seed-Finanzierung in Höhe von 23 Millionen US-Dollar erhielt, bietet eine Plattform an, die Recruitern eine Zeitersparnis von bis zu 25 Stunden pro Woche ermöglichen soll. Die Kundenbasis des Unternehmens wuchs in der Folgezeit von 20 auf 200 Firmen an.

Auch größere Organisationen wie die HSP GRUPPE berichten von massiven Effekten: Durch den Einsatz von ChatGPT Enterprise wurden Kapazitäten im Umfang von 40.000 Stunden pro Jahr frei, wovon 28.000 Stunden auf abrechenbare Facharbeit entfielen. Dies führte zu einem potenziellen jährlichen Umsatzplus von 3,8 Millionen Euro.

In der internationalen Bauwirtschaft nutzt beispielsweise HEB Construction, eine Tochtergesellschaft von VINCI, die Boomi Enterprise Platform, um die Erstellung von Lebensläufen für Ausschreibungsverfahren zu automatisieren.

Anzeige

Wer die Digitalisierung der Personalprozesse vorantreibt, muss auch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für Technologien im Blick behalten. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Sogenannte KI-Agenten analysieren dabei Profile und bereiten diese strukturiert auf. Das australische Unternehmen Brickworks konnte durch ähnliche Integrationen die Zeit für Systemkopplungen von 80 auf 12 Tage reduzieren und die Plattformnutzung bei moderat steigenden Kosten um 700 Prozent steigern.

Auswirkungen auf Recruiting-Strategien und den Arbeitsmarkt

Die zunehmende Automatisierung verändert das Einstellungsverhalten grundlegend. Eine Umfrage von Kienbaum zeigt, dass 35 Prozent der Personalverantwortlichen aufgrund des KI-Einsatzes planen, bis zum Jahr 2030 weniger Personal einzustellen.

Eine Analyse von McKinsey beziffert das KI-Potenzial für die deutsche Wirtschaft auf zusätzliche 770 Milliarden Euro BIP bis 2030, weist jedoch darauf hin, dass ohne entsprechende Gegenmaßnahmen ein jährlicher BIP-Rückgang drohen könnte. Etwa 59 Prozent der aktuellen Arbeitsstunden gelten laut der Analyse als automatisierbar.

Besonders junge Berufseinsteiger sind von dieser Entwicklung betroffen. Eine Studie der Stanford University stellt fest, dass die Beschäftigung junger Menschen im Alter zwischen 22 und 25 Jahren in Berufen mit hoher KI-Exposition seit Ende 2022 um 11 Prozent gesunken ist.

Anzeige

Die technologische Entwicklung stellt viele Unternehmen vor die Frage, welche Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und welche konkreten Handlungspflichten daraus entstehen. Dieser kostenlose Praxisleitfaden zur neuen EU-KI-Verordnung klärt über die wichtigsten Regeln und Dokumentationspflichten auf. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern

In weniger betroffenen Berufsfeldern stieg sie im gleichen Zeitraum um 10 Prozent. Experten führen diesen Rückgang auf sinkende Neueinstellungen zurück und betonen, dass metakognitive Fähigkeiten für Bewerber künftig wichtiger werden.

Im Gegensatz dazu verzeichnet das Handwerk steigende Ausbildungszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 67.800 neue Verträge geschlossen, was einem Zuwachs von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zwei Drittel der Befragten in diesem Sektor schätzen Handwerksberufe als deutlich sicherer vor einer Verdrängung durch KI ein als klassische Bürojobs.

Branchenspezifische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen

Einige Technologieprojekte stoßen jedoch auch an Grenzen. So brach der Konzern Meta das Vorhaben "Project OT" ab, nachdem KI-Agenten nicht die erhoffte Produktivitätssteigerung bei der Feature-Entwicklung brachten. Trotz einer Steigerung der Code-Änderungen um 220 Prozent stieg die Zahl der fertigen Features nur um 36 Prozent. Dennoch plant Meta für 2026 Investitionen in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar in die KI-Infrastruktur.

Rheinmetall reagiert auf den technologischen Wandel mit dem Bau eines Technologiezentrums in Neuss, das einen klaren KI-Schwerpunkt haben wird. Rund 500 Wissenschaftler sollen dort tätig sein, wofür das Unternehmen 250 Millionen Euro investiert.

Neben der technologischen Entwicklung rücken regulatorische Fristen in den Fokus. Ab dem 1. Januar 2027 sind Arbeitgeber in Deutschland gesetzlich verpflichtet, Entgeltunterlagen elektronisch zu führen.

Anbieter wie Factorial stellen hierfür bereits digitale Lösungen bereit, die über 16.000 Unternehmen nutzen, um Dokumentationspflichten und Zeiterfassung rechtskonform abzubilden. Zudem kündigten Microsoft und HUMAIN auf der LEAP 2026 ein neues Enterprise-KI-Angebot an, das zunächst für eine Million Nutzer im Nahen Osten und Afrika bereitgestellt werden soll.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70043649 |