Personalabbau, Rekordgewinne

Personalabbau trotz Rekordgewinne: Dax-Konzerne streichen 41.000 Stellen

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Rekordgewinnen von 52,6 Milliarden Euro bauen Dax-Unternehmen massiv Stellen ab. Betroffene Arbeitnehmer klagen über wachsende Belastung und Überstunden.

Personalabbau in Deutschland: Rekordgewinne bei Dax-Konzernen, aber Tausende Stellen gestrichen
Erschöpfte Büroangestellte an einem Schreibtisch mit vielen Unterlagen in einem modernen Büro bei Nacht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der anhaltende Trend zum Personalabbau in deutschen Unternehmen führt zu einer erheblichen Belastung der verbleibenden Angestellten. Wie Berichte von Mitte August zeigen, müssen viele Arbeitnehmer nach betrieblichen Sparmaßnahmen die Aufgaben ausgeschiedener Kollegen übernehmen.

In einigen Fällen resultiere dies in einer Verdopplung des Arbeitspensums sowie einer signifikanten Zunahme von Überstunden. Experten raten Betroffenen mittlerweile verstärkt dazu, aktiv mit der steigenden Belastung umzugehen und klare Grenzen zu setzen.

Rekordgewinne und zeitgleicher Personalabbau in der Industrie

Trotz einer positiven Ertragslage in Teilen der Wirtschaft verschärft sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Dax-Konzerne erzielten im zweiten Quartal 2026 einen Rekord-Betriebsgewinn von 52,6 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten bei diesen Unternehmen um 1,2 Prozent auf 3,49 Millionen, was einem Wegfall von 41.000 Stellen entspricht.

Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung in der Automobilindustrie. Daten des Statistischen Bundesamtes für das erste Halbjahr 2026 belegen mit 691.500 Beschäftigten den niedrigsten Stand seit 2005. Dies entspricht einem Rückgang von 42.300 Stellen oder 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Prognosen des CAR-Instituts gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche bis 2030 auf 500.000 sinken könnte, getrieben durch hohe Kosten, Automatisierung und die Konkurrenz aus China.

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Umstrukturierungen bei Telefónica und im Mittelstand

Auch im Dienstleistungs- und Industriesektor halten die Kündigungswellen an. Das Ifo-Institut stellte Mitte August in seinem Beschäftigungsbarometer eine Trendwende fest, wonach Unternehmen zunehmend Personalreduzierungen planen.

Telefónica Deutschland gab bekannt, bis zum Jahr 2028 insgesamt 1650 Vollzeitstellen abzubauen – deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Weitere 550 Stellen sollen in den Jahren 2027 und 2028 folgen. Das Unternehmen kalkuliert hierfür Restrukturierungskosten in Höhe von 427 Millionen Euro ein und plant die Schließung von 60 eigenen Filialen.

Im mittelständischen Bereich wurden ebenfalls einschneidende Maßnahmen gemeldet. Das Unternehmen Oventrop strich nach monatelangen Auseinandersetzungen mit der Belegschaft rund 185 Stellen und verlagerte Teile der Montage nach Polen.

Bei Manroland sind derzeit 748 Mitarbeiter von Kündigungen bedroht. Der Oberbürgermeister der betroffenen Stadt warnte den Eigentümer Langley vor diesem Schritt und bot städtische Unterstützung an, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

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Debatte um Arbeitszeitverlängerung und Job-Hugging

Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen fordern Unternehmen wie Stihl und Mercedes eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Lohn.

Das DIW bewertete diesen Vorstoß als Möglichkeit zur Senkung der Arbeitskosten und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, sofern die Produkte am Markt absetzbar bleiben. Das IAB hingegen sieht die Ursache der aktuellen Probleme eher in einer Erneuerungskrise und betrachtet Lohnsenkungen als den falschen Weg.

Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust beeinflusst zunehmend das Verhalten der Beschäftigten. Eine Studie von WTW zeigt das Phänomen des sogenannten Job-Hugging: 61 Prozent der Arbeitnehmer planen demnach, trotz hoher Belastung in ihrem aktuellen Job zu bleiben. Im Jahr 2022 lag dieser Wort noch bei 53 Prozent. Die Wechselbereitschaft ist auf ein Drittel der Belegschaft gesunken.

Parallel dazu verdeutlicht eine Befragung der Gewerkschaft Verdi die physischen Belastungen in anderen Sektoren wie der Pflege. In Pflegeheimen wurden während der Hitzeperioden zwischen Ende Juli und Mitte August Temperaturen von bis zu 45 Grad gemessen.

Neben Forderungen nach Sofortprogrammen gegen die Hitze betont die Gewerkschaft die Notwendigkeit einer besseren Personalausstattung, um die grundlegende Versorgung und die Gesundheit der Mitarbeiter sicherzustellen.

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