Pendlerpauschale: Verbände und FDP fordern sofort 45 Cent je Kilometer
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts spürbar sinkender Einnahmen aus der klassischen Treibstoffbesteuerung ist in der Bundespolitik eine Diskussion über grundlegende Reformen entbrannt. Wie aus Berichten vom 25. September 2026 hervorgeht, beraten die Bundesregierung, der Bundestag sowie der Bundesrat über neue Finanzierungsmodelle für den Straßenverkehr.
Im Raum stehen dabei fahrleistungsabhängige Kilometerabgaben sowie Änderungen bei der Kfz-Steuer. Gleichzeitig wird auf politischer Ebene über weitere finanzielle Entlastungen für Berufspendler gestritten.
Sinkende Erträge aus der Energiesteuer
Der Wandel hin zur Elektromobilität hinterlässt zunehmend Lücken in den öffentlichen Kassen. Nach Erhebungen der Deutschen Welle und der Universität Münster sanken die Einnahmen aus der Energiesteuer auf Benzin und Diesel von rund 37 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf rund 33 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Eine Studie der Universität Münster unter Leitung des Verkehrswissenschaftlers Gernot Sieg verdeutlicht das langfristige Ausmaß: Derzeit nimmt der Staat rund 51,2 Milliarden Euro jährlich aus Abgaben auf die Nutzung und Haltung von Personenkraftwagen ein.
Sollte das Steuersystem nicht grundlegend reformiert werden, drohen sich die realen Gesamteinnahmen aus dem Pkw-Verkehr zwischen 2025 und 2050 zu halbieren. Zuletzt wuchs der Anteil alternativer Antriebe kontinuierlich: In der Europäischen Union handelte es sich 2025 bei 17,3 Prozent aller Neuzulassungen um reine Elektro-Pkw, während dieser Wert im Jahr 2015 noch bei 0,4 Prozent gelegen hatte.
Internationale Modelle und Reformansätze
Während Deutschland die Kfz-Steuerbefreiung für neu zugelassene reine Elektroautos maximal bis Ende 2035 verlängert – Fahrzeuge mit Erstzulassung bis Ende 2030 bleiben zehn Jahre steuerfrei, ehe ein um 50 Prozent reduzierter Satz greift –, blicken Fachleute auf Lösungen im Ausland. Das Bundesfinanzministerium beziffert das Entlastungsvolumen durch diese Steuerbefreiung für das Jahr 2030 auf bis zu 370 Millionen Euro.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt bei der Entfernungspauschale ein einheitlicher Satz von 38 Cent ab dem ersten Kilometer — bei 20 Kilometern einfacher Wegstrecke und 220 Arbeitstagen sind das 1.672 Euro, die Sie geltend machen können. Gleichzeitig fordern der Bund der Steuerzahler und die FDP eine sofortige Anhebung auf 45 Cent, während auf Bundesebene über fahrleistungsabhängige Kilometerabgaben und Änderungen bei der Kfz-Steuer beraten wird. Unser kostenloser Report fasst den Stand zusammen und zeigt, welche Beträge Sie heute ansetzen können. Kostenlosen Report jetzt anfordern
Großbritannien führt ab April 2028 eine streckenbezogene Abgabe für Stromer ein: Die sogenannte Electric Vehicle Excise Duty soll für batterieelektrische Pkw 3 Pence pro Meile betragen, was rund 2,2 bis 3,5 Cent je Kilometer entspricht.
Für Plug-in-Hybride ist die Hälfte vorgesehen. Die Abgabe soll zusätzlich zur Kfz-Steuer erhoben und später an die Inflation angepasst werden, wobei ab dem Haushaltsjahr 2028/29 Erträge von rund 1,1 Milliarden Pfund erwartet werden.
Norwegen schränkt seine Mehrwertsteuerbegünstigung für Elektrofahrzeuge für 2026 erneut ein. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wiederum plädiert für eine CO2-basierte Ausgestaltung der Kfz-Steuer nach den Vorbildern aus Frankreich, Dänemark und den Niederlanden.
Streit über Entlastungen für Berufstätige
Parallel zur Debatte über künftige Einnahmen stehen finanzielle Hilfen für Autofahrer im Fokus. Seit dem 1. Januar 2026 gilt bei der Entfernungspauschale bundesweit ein einheitlicher Satz von 38 Cent ab dem ersten Kilometer, der unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel greift. Bei 220 Arbeitstagen führt dies beispielsweise bei einer einfachen Wegstrecke von 20 Kilometern zu einer steuerlichen Geltendmachung von 1.672 Euro.
Die Einnahmen aus der Energiesteuer auf Benzin und Diesel sind zwischen 2016 und 2025 von rund 37 auf rund 33 Milliarden Euro gesunken — eine Studie der Universität Münster rechnet ohne Reform mit einer Halbierung der realen Gesamteinnahmen aus dem Pkw-Verkehr bis 2050. Diskutiert werden deshalb fahrleistungsabhängige Abgaben und eine CO2-basierte Kfz-Steuer, wie sie der Verkehrsclub Deutschland nach Vorbildern aus Frankreich, Dänemark und den Niederlanden fordert. Unser kostenloser Report ordnet ein, welche Modelle im Gespräch sind und was das für Fahrzeughalter bedeutet. Ausblick auf Kfz- und Energiesteuern sichern
Dem Bund der Steuerzahler Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie der FDP Mecklenburg-Vorpommern reicht dies nicht aus: Beide fordern eine sofortige Erhöhung der Pendlerpauschale auf 45 Cent. CSU-Chef Markus Söder verlangte vor der Berliner Bundesratssitzung ein umfassendes Paket mit einer grundlegenden Energiesteuerreform und einer Überprüfung der CO2-Bepreisung.
Das Wirtschaftsministerium soll zudem bis spätestens 1. Januar 2027 die gesetzlichen Grundlagen für einen dynamischen nationalen Tankpreisdeckel schaffen, den Regierungssprecher Stefan Kornelius bekräftigte. Wirtschaftsforscher wie ZEW-Präsident Achim Wambach warnen hingegen vor Wettbewerbseinschränkungen durch staatliche Eingriffe in die Preisbildung.
