Pendlerpauschale, Union

Pendlerpauschale: Union fordert Anhebung auf 45 Cent pro km

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Union und Regierung beraten über Steuersenkung, Pendlerpauschale und Direktzahlungen, doch EU-Recht und Umsetzung bremsen schnelle Hilfen.

Spritpreise auf Rekordniveau: Union prüft Entlastung ab Oktober
Eine menschenleere, regennasse Autobahn bei Dämmerung mit den Lichtspuren vorbeifahrender Autos. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts massiv gestiegener Kraftstoffpreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag staatliche Entlastungsmaßnahmen für Autofahrer in Aussicht gestellt. Während der Kanzler das konkrete Instrumentarium zunächst offenließ, konkretisierten Mitglieder der Unionsfraktion und des Kabinetts in den Folgetagen verschiedene Modelle.

Hintergrund der politischen Debatte sind neue Höchststände an den Tankstellen, wo Super E10 am Dienstag im bundesweiten Durchschnitt 2,30 Euro pro Liter erreichte. Diesel verteuerte sich am Mittwoch auf einen Rekordwert von 2,453 Euro pro Liter.

Vorschläge zur Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche schlug am Mittwoch am Rande eines G20-Treffens vor, die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel befristet von 19 auf 7 Prozent zu senken. Ziel sei eine Entlastung, die unmittelbar an der Zapfsäule wirksam werde. Bei einem Preis von 2,30 Euro für Super E10 entspräche dies einer Ersparnis von rund 0,25 Euro pro Liter, sofern die Mineralölkonzerne die Senkung vollständig weitergeben.

Unionsfraktionschef Thorsten Frei unterstützte diesen Vorstoß und bezeichnete eine Umsetzung zum 1. Oktober 2026 als machbar. Er forderte Sofortmaßnahmen zu diesem Termin und brachte als Alternative eine Neuauflage des Tankrabatts ins Gespräch, ähnlich der Energiesteuersenkung aus dem Frühsommer. Frei betonte, dass eine solche Maßnahme keiner Gegenfinanzierung bedürfe, da der Staat lediglich krisenbedingte Mehreinnahmen an die Bürger zurückgebe.

Wirtschaftsministerin Reiche hatte sich in der Vergangenheit kritisch gegenüber einem kurzzeitigen Tankrabatt geäußert. Andere Modelle, wie einen Spritpreisdeckel, lehnte sie aktuell als falschen Weg ab. Ein solcher Eingriff könne die mittelständische Raffineriewirtschaft schwächen und sei in anderen EU-Staaten bereits gescheitert.

Anpassung der Pendlerpauschale und direkte Finanzhilfen

Neben Steuersenkungen an der Tankstelle wird über eine Erhöhung der Pendlerpauschale diskutiert. Bundeskanzler Merz und der CDU-Wirtschaftspolitiker Wiener brachten eine Anhebung auf bis zu 45 Cent pro Kilometer für die einfache Strecke ins Gespräch. Aktuell liegt dieser Satz bei 38 Cent.

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Die Politik diskutiert eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf 7 Prozent — bei 2,30 Euro pro Liter Super E10 wären das rund 0,25 Euro Ersparnis, sofern die Konzerne voll weitergeben. Was davon ab Oktober tatsächlich ankommt, hängt an EU-Recht, Zeitplan und Gegenfinanzierung. Unser kostenloser Report ordnet die Modelle ein und rechnet die mögliche Entlastung nach. Entlastungs-Report jetzt anfordern

Unterstützung für diesen Ansatz kommt auch aus der Wissenschaft. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach sich gegen pauschale Steuersenkungen aus und empfahl stattdessen eine höhere Pendlerpauschale ab dem 20. Kilometer oder eine niedrigere Kfz-Steuer.

Auch der CDA-Vorsitzende Radtke sowie die Grünen plädierten für direkte Hilfen. Die Grünen fordern eine Energiepauschale von 250 Euro pro Kopf, die durch Gewinne fossiler Energiekonzerne finanziert werden soll.

SPD-Chef Lars Klingbeil forderte eine Entscheidung innerhalb weniger Stunden und warb für die Einführung einer Übergewinnsteuer, um die Entlastungen zu finanzieren. Unionspolitiker wie Reiche und Frei lehnen dies jedoch ab und verweisen auf erhebliche rechtliche Unsicherheiten und laufende Gerichtsverfahren aus früheren Versuchen.

Hürden durch EU-Recht und logistische Herausforderungen

Trotz der politischen Dynamik stehen die Pläne vor rechtlichen und technischen Hindernissen. Experten verwiesen darauf, dass das geltende EU-Recht im Anhang III der entsprechenden Richtlinie eine Mehrwertsteuersenkung für Treibstoffe im Individualverkehr derzeit nicht zulasse. Zudem bezweifelte die Sachverständigenrats-Chefin Schnitzer die Zielgenauigkeit einer Steuersenkung, da die Weitergabe an die Verbraucher nicht garantiert sei.

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Die Pendlerpauschale liegt aktuell bei 38 Cent pro Kilometer einfache Strecke — im Gespräch sind bis zu 45 Cent. Wer täglich fährt, spürt die Differenz erst in der Steuererklärung. Unser kostenloser Report zeigt, welche Belege Sie brauchen, wie Sie die Pauschale korrekt ansetzen und welche weiteren Posten Ihre Steuerlast senken. Pendler-Checkliste jetzt sichern

Auch die Auszahlung von Direktzahlungen gestaltet sich schwierig. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums liegen dem Staat aktuell nur von rund 19 Prozent der Steuerpflichtigen die erforderlichen IBAN-Daten vor. Wirtschaftsministerin Reiche geht davon aus, dass Systeme für Direktzahlungen an Geringverdiener voraussichtlich erst Anfang des kommenden Jahres einsatzfähig sein werden.

Die wirtschaftliche Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Warnungen des DIHK, wonach die Importrechnung für Energie um bis zu 40 Milliarden Euro steigen könnte. Laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) wurden aufgrund der Kostensituation bereits bis zu 20 Prozent der Lkw-Kapazitäten aus dem Markt genommen.

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