Parkinson, Berufskrankheit

Parkinson jetzt Berufskrankheit: Neue Rente für Landwirte und Gärtner

11.06.2026 - 01:48:46 | boerse-global.de

Fehlzeiten in der Fertigung treiben Kosten auf Rekordniveau. Physiotherapie-Ausgaben der Kassen steigen auf 13,3 Milliarden Euro.

Muskel-Skelett-Erkrankungen: Kostenexplosion durch Krankenstände in der Produktion
Parkinson - Hände eines Arbeiters in ergonomischen Handschuhen, die ein Bauteil an einer Produktionslinie zusammenbauen, mit leichter Bewegungsunschärfe. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rückenschmerzen, verspannte Schultern, verschlissene Gelenke: Muskel-Skelett-Erkrankungen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen in der Produktion. Die Folge: explodierende Kosten für Unternehmen und Krankenkassen.

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Jeder Fehltag kostet bis zu 600 Euro

Die Rechnung ist einfach: Fehlt ein Mitarbeiter, läuft die Produktion trotzdem weiter – oder eben nicht. Branchenexperten beziffern die Kosten pro Ausfalltag in der Fertigung auf mehrere hundert Euro. An Standorten wie der Tesla-Gigafabrik liegen die Schätzungen zwischen 300 und 600 Euro pro Fehltag.

Die DAK meldet für 2024 einen Anstieg der Fehlzeiten um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen: die Produktion. Dort führen körperliche Belastungen regelmäßig zu langen Ausfällen.

Ein Beispiel: 50 Mitarbeiter mit durchschnittlich 20 Krankheitstagen pro Jahr verursachen Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Kein Wunder also, dass erste Unternehmen restriktiv reagieren – mit Lohnfortzahlungs-Stopps oder Attest-Zweifeln. Experten raten dagegen zu nachhaltigem Gesundheitsmanagement und betrieblichen Zusatzversicherungen.

Physiotherapie-Kosten auf Rekordhoch

Auch die gesetzlichen Krankenkassen spüren den Druck. Der Heilmittel-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) vom 9. Juni 2026 zeigt: 2024 gaben die Kassen 13,3 Milliarden Euro für Heilmittel aus – doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Für 2025 prognostizieren die Experten einen weiteren Anstieg auf 14,7 Milliarden Euro, ein Plus von 10,4 Prozent. Die Daten für das erste Quartal 2026 bestätigen den Trend mit einer Steigerung von 8,7 Prozent.

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Knapp 70 Prozent der Ausgaben entfallen auf Physiotherapie. Besonders umstritten sind sogenannte Blankoverordnungen. Bei Schulterbeschwerden kostet eine solche Verordnung im Schnitt 714 Euro – eine herkömmliche ärztliche Regelverordnung dagegen nur 214 Euro. Die AOK-Führung fordert mehr wissenschaftliche Evidenz, bevor solche Modelle ausgeweitet werden. Kritik gibt es auch am EU-weiten Rückstand bei der Akademisierung der Therapeutenberufe.

Hebehilfen amortisieren sich in zwei Jahren

Die Industrie reagiert: Moderne Handhabungstechnik wird zum Standard. Manipulatoren für Lasten bis 800 Kilogramm oder Hubachsen für bis zu 1.200 Kilogramm entlasten die Beschäftigten. Laut dem Fachunternehmen Zeilhofer Handhabungstechnik amortisieren sich solche Investitionen innerhalb von 12 bis 24 Monaten – allein durch die Vermeidung krankheitsbedingter Ausfälle.

Parallel dazu gibt es medizinische Fortschritte. Anfang Juni 2026 erhielt ein neues, nicht-opioides Medikament gegen chronische Kreuzschmerzen die Zulassung. Die Markteinführung ist für September geplant. Studien mit über 1.200 Patienten zeigten eine signifikante Schmerzreduktion – das könnte die Rückkehr in den Arbeitsprozess erleichtern.

Parkinson als Berufskrankheit anerkannt

Die Politik untermauert die Bedeutung des Gesundheitsschutzes. Ende Mai 2026 stufte das Bundeskabinett Parkinson unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit ein. Betroffen sind vor allem Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau – sie haben nun Anspruch auf Rente und Rehabilitation.

Doch die private Absicherung hakt. Die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke & Bornberg zeigt: Rund 80 Prozent der Anträge auf Berufsunfähigkeit werden zwar anerkannt, die Regulierungsdauer stieg 2024 jedoch auf durchschnittlich 201 Tage. In der Gesamtstatistik führen psychische Erkrankungen mit über 28 Prozent, doch in den produzierenden Sektoren bleiben körperliche Verschleißerscheinungen der entscheidende Faktor für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben.

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