Paketzusteller: DHL startet Ergonomie-Programm für 100 Beschäftigte
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat in einem am 4. Juli 2026 veröffentlichten Dossier neue Details zur Gefährdungsermittlung beim manuellen Transport von Lasten dargelegt.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Belastung durch das Ziehen und Schieben, die mithilfe der sogenannten Leitmerkmalmethode (LMM-ZS) bewertet wird. Das Dokument liefert Arbeitgebern wichtige Anhaltspunkte für den Gesundheitsschutz, auch wenn derzeit keine rechtsverbindlichen Grenzwerte existieren.
Risikobewertung durch die Leitmerkmalmethode
Das Dossier der BAuA erläutert die Anwendung der LMM-ZS zur systematischen Erfassung körperlicher Belastungen am Arbeitsplatz. Ab einem Wert von 50 Punkten wird demnach der Risikobereich 3 erreicht, was einer wesentlich erhöhten Belastung entspricht. In diesem Bereich ist davon auszugehen, dass körperliche Überbeanspruchungen auftreten können, die präventive Maßnahmen erforderlich machen.
Die Behörde verweist in diesem Zusammenhang auf die bestehenden Rechtsgrundlagen für den Arbeitsschutz in Deutschland. Dazu zählen insbesondere die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) sowie die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) in Verbindung mit der Arbeitsmedizinischen Regel (AMR) 13.2. Zudem werden spezifische Schutzvorschriften wie das Mutterschutzgesetz (MuSchG), das Gewichtsbeschränkungen von 5 kg beziehungsweise 10 kg vorsieht, und das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) als maßgebliche Rahmenbedingungen angeführt.
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Praxisbeispiel DHL: Gesundheitsinitiative in Düsseldorf
Wie die praktische Umsetzung ergonomischer Verbesserungen in der Logistikbranche aussehen kann, zeigt ein aktuelles Projekt in Nordrhein-Westfalen. Am 19. August 2026 startete DHL in Düsseldorf ein dreiwöchiges Programm für Paketzusteller, bei dem Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler die Mitarbeitenden direkt im Arbeitsalltag begleiten.
Ein zentraler Bestandteil dieser Bemühungen ist die Initiative „Ergo²“ am Zustellstützpunkt Kieshecker Weg. Dort absolvieren rund 100 Beschäftigte ein fünfwöchiges Coaching unter der Leitung des Sportwissenschaftlers Hanjo Fritzsche.
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Ziel des Programms ist es, die Bewegungsabläufe beim Heben und Tragen sowie beim Be- und Entladen der Fahrzeuge zu optimieren. Laut Berichten aus dem Unternehmen konnten an früheren Pilotstandorten durch derartige Maßnahmen bereits die Fallzahlen von Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie die Häufigkeit von Stolperunfällen reduziert werden.
Forderung nach gesetzlicher Gewichtsbegrenzung
Die Herausforderungen in der Zustellung werden durch das hohe Aufkommen schwerer Sendungen verschärft. Allein an einer Packstation in Düsseldorf werden täglich etwa 10.000 Pakete umgeschlagen. Vor diesem Hintergrund setzt sich DHL verstärkt für eine gesetzliche Neuregelung ein.
Das Unternehmen fordert eine verbindliche Gewichtsbegrenzung für Paketsendungen auf 23 kg. Eine solche Deckelung würde nach Ansicht des Logistikdienstleisters die körperliche Belastung der Zusteller nachhaltig senken und die Einhaltung ergonomischer Standards erleichtern. Damit reagiert die Branche auf die zunehmende Paketflut und die damit verbundene Intensivierung der manuellen Lastenhandhabung, die auch im Fokus der aktuellen BAuA-Veröffentlichungen steht.
