Paketsteuer Österreich: 300 Millionen Euro Wirtschaftsverlust ab September
28.05.2026 - 07:30:27 | boerse-global.de
Mai 2026 – mit massiver Kritik von internationalen Online-Riesen, Wirtschaftskammern und Verfassungsrechtlern. Die geplante Abgabe von zwei Euro pro Paket für große Versandhändler könnte die heimische Wirtschaft empfindlich treffen.
Wirtschaftliche Einbußen und Jobverlust
Eine Studie des GAW im Auftrag des österreichischen Handelsverbandes zeichnet ein düsteres Bild: Die Paketsteuer könnte die jährliche Wirtschaftsleistung um bis zu 300 Millionen Euro schmälern. Rund 2.400 Arbeitsplätze wären in Gefahr, darunter 500 Vollzeitstellen allein im Einzelhandel.
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Die Forscher prognostizieren einen Rückgang der Bruttowertschöpfung um 238 Millionen Euro pro Jahr. Die öffentlichen Steuereinnahmen könnten durch Sekundäreffekte um 138 Millionen Euro sinken. Besonders hart träfe es kleine und Kleinstunternehmen mit Wertschöpfungsverlusten von 106 Millionen Euro. Der österreichische Rechnungshof warnt zudem vor hohem bürokratischem Aufwand und möglichen inflationären Effekten.
Rechtsstreitigkeiten und Branchenprotest
Amazon und Zalando laufen Sturm gegen die geplante Abgabe. Amazon argumentiert, die Steuer diskriminiere faktisch ausländische Versandunternehmen: 14 der 15 betroffenen Firmen mit einem Umsatz über 100 Millionen Euro hätten ihren Sitz im Ausland. Auf sie entfielen 98 Prozent des gesamten Steuervolumens.
Otto Austria hat eine rechtliche Prüfung durch die Kanzlei Dorda in Auftrag gegeben. Das Gutachten stuft den Gesetzesentwurf als Verstoß gegen Verfassungs- und EU-Recht ein. Das Unternehmen kündigte bereits Klagen vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) an.
Selbst innerhalb der Regierung gibt es Widerstand: Das Wirtschaftsministerium äußert europarechtliche Bedenken und warnt vor Imageschäden für den Wirtschaftsstandort. Das Finanzministerium hingegen erwartet jährliche Mehreinnahmen von 280 Millionen Euro. Die Steuer soll am 30. September 2026 in Kraft treten.
EU-Zollreform: Die größere Baustelle
Die österreichische Debatte ist nur die Spitze des Eisbergs. Ab dem 1. Juli 2026 fällt die Zollbefreiung für Kleinsendungen unter 150 Euro weg. Stattdessen wird eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Produktgruppe eingeführt.
Weitere EU-weite Änderungen stehen bevor:
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- 1. November 2026: Einführung einer EU-weiten Bearbeitungsgebühr von rund zwei Euro pro Sendung
- Januar 2028: Die neue EU-Zollbehörde in Lille nimmt ihre Arbeit auf
- 1. Juli 2028: Online-Händler und Marktplätze werden zum Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer bei Fernverkäufen bis 150 Euro
Die regulatorischen Veränderungen zeigen bereits Wirkung auf die globalen Lieferketten. Der Drewry World Container Index stieg in der Woche zum 22. Mai 2026 um sechs Prozent auf 2.712 US-Dollar – angetrieben vor allem durch die Asien-Europa-Routen. Analysten führen den Anstieg auf das bevorstehende Ende der Kleinmengenregelung in der EU zurück. Mehrere Reedereien haben Preiserhöhungen und Zuschläge für die Hauptsaison ab dem 1. Juni 2026 angekündigt. Die Reederei ONE verlangt einen Aufschlag von 2.000 US-Dollar pro 40-Fuß-Container.
2024 erreichten rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen die EU – 94 Prozent davon aus China. Die EU-Kommission meldet, dass Sendungen aus Drittstaaten zuletzt auf über 5,8 Milliarden Einheiten gestiegen sind.
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