Paketsteuer Österreich: 280 Millionen Euro Einnahmen ab Oktober
29.05.2026 - 03:42:12 | boerse-global.deMai 2026 – und offenbart eine breite Front der Gegner. Internationale Online-Riesen wie Amazon, Zalando und eBay laufen gemeinsam mit heimischen Wirtschaftsinstitutionen Sturm gegen die geplante Abgabe von zwei Euro pro Lieferung für Großhändler.
Internationale Konzerne warnen vor Wettbewerbsverzerrung
Amazon sieht in der Steuer eine faktische Diskriminierung ausländischer Unternehmen. Der Grund: Die Abgabe greift erst ab einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. Nach Berechnungen des Konzerns wären 14 der 15 betroffenen Händler außerhalb Österreichs ansässig – sie würden rund 98 Prozent des Steueraufkommens tragen.
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Der Online-Riese droht sogar mit Gegenmaßnahmen. „Wir könnten unsere Strukturen so anpassen, dass wir die 100-Millionen-Euro-Schwelle unterschreiten", heißt es aus dem Unternehmen. Das könnte durch Umsatzdämpfung oder konzerninterne Umstrukturierungen geschehen.
Yorck von Mirbach, Chef von Amazon Österreich, warnt zudem vor den Folgen für kleinere Händler: Die pauschale Zwei-Euro-Gebühr treffe unabhängig vom Bestellwert alle gleichermaßen. Dabei erzielten österreichische KMU 2025 auf Amazon über 730 Millionen Euro Umsatz – 88 Prozent davon durch Exporte.
Gerichtliche Schritte angekündigt
Der Versandhändler Otto will juristisch gegen das Gesetz vorgehen. Ein vom Unternehmen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss: Die Paketsteuer könnte gegen österreichisches Verfassungsrecht und EU-Recht verstoßen.
Auch der österreichische Rechnungshof äußert sich skeptisch. Die Behörde warnt vor einem „Bürokratie-Explosion" und steigendem Inflationsdruck.
Dramatische wirtschaftliche Folgen prognostiziert
Eine Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) im Auftrag des Handelsverbands zeichnet ein düsteres Bild. Demnach droht der Verlust von bis zu 2.400 Arbeitsplätzen. Die jährliche Wirtschaftsleistung könnte um 300 Millionen Euro sinken. Allein im Einzelhandel wären 500 Vollzeitstellen gefährdet, während kleine Unternehmen mit einem Wertschöpfungsverlust von 106 Millionen Euro rechnen müssten.
Politischer Streit und enger Zeitplan
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) treibt die Steuer als zentrales Projekt voran. Erwartete Einnahmen: rund 280 Millionen Euro jährlich. Das Geld soll die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von zehn auf 4,9 Prozent finanzieren – ein Vorhaben, das bereits zum 1. Juli 2026 in Kraft treten soll.
Doch das Wirtschaftsministerium (ÖVP) blockiert. Ungeklärte Fragen zu Retouren, mögliche Verstöße gegen EU-Recht und langfristige Schäden für den Wirtschaftsstandort Österreich – die Liste der Einwände ist lang. Auch die Österreichische Post rechnet mit einem deutlichen Rückgang des Paketvolumens, falls die Kosten an die Kunden weitergegeben werden.
Der Gesetzesentwurf soll am 1. Oktober 2026 in Kraft treten – zeitgleich mit weiteren einschneidenden Änderungen im internationalen Versand. Bereits am 1. Juli 2026 fällt die EU-weite Zollfreigrenze von 150 Euro weg. Stattdessen wird eine separate Drei-Euro-Gebühr für Pakete aus Nicht-EU-Ländern eingeführt. Weitere EU-Abgaben auf Sendungen aus China sollen im Herbst 2026 folgen. Für manche Verbraucher könnte die Paketsteuer dann auf insgesamt sieben Euro pro Lieferung anwachsen.
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Unterstützung von unerwarteter Seite
Während Handel und Wirtschaftskammern einen Stopp des Gesetzes fordern, kommt Unterstützung aus Umwelt- und Arbeitskreisen. Organisationen wie Global 2000, der VCÖ und die Arbeiterkammer (AK) begrüßen die Abgabe aus ökologischen und sozialen Gründen. Allerdings räumen auch sie ein: Das ursprüngliche Ziel, vor allem Händler aus Drittstaaten zu belasten, werde im aktuellen Entwurf wohl nicht erreicht.
Der österreichische Richterverband empfiehlt der Regierung, die neue Steuer vor Inkrafttreten bei der Europäischen Kommission notifizieren zu lassen – um sicherzustellen, dass sie mit EU-Recht vereinbar ist.
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