Paketlogistik, DHL

Paketlogistik: DHL fordert Zwei-Personen-Zustellung ab 23 kg

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 10:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DHL fordert gesetzliche Regelung für Pakete über 23 Kilo. Verdi will striktere 20-Kilo-Grenze, Wettbewerber lehnen Vorstoß ab.

DHL-Vorständin: Gesetz für Zwei-Personen-Zustellung bei schweren Paketen
Ein Paketbote hebt ein schweres Paket aus einem Lieferwagen, um die körperliche Belastung bei der Zustellung zu verdeutlichen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Debatte um den Arbeitsschutz in der Paketlogistik erhält neue Impulse durch eine Initiative des Marktführers. Nikola Hagleitner, Vorständin bei DHL, fordert eine gesetzliche Verpflichtung, nach der Pakete mit einem Gewicht von mehr als 23 Kilogramm künftig nur noch von zwei Zustellern gemeinsam ausgeliefert werden dürfen. Dieser Vorstoß zielt darauf ab, die körperliche Belastung der Beschäftigten in der Branche signifikant zu senken und gesundheitliche Folgeschäden zu begrenzen.

Gesundheitliche Belastung als zentrales Argument

Hintergrund der Forderung sind deutliche statistische Befunde zur Gesundheit der Mitarbeiter im Zustelldienst. Nach Angaben von DHL betrifft jede dritte Krankmeldung innerhalb des Unternehmens Muskel- oder Skeletterkrankungen. Diese Krankheitsbilder stehen häufig in direktem Zusammenhang mit dem Heben und Tragen schwerer Lasten, was im Arbeitsalltag der Zusteller eine dauerhafte Belastung darstellt.

Obwohl die Forderung nach einer Zwei-Personen-Regelung weitreichende Auswirkungen auf die Logistikprozesse hätte, betrifft sie rein mengenmäßig nur einen kleinen Teil des Gesamtaufkommens. Laut DHL wiegen lediglich 1,1% der beförderten Pakete zwischen 23 und 31,5 Kilogramm. Dennoch stellt gerade dieses Segment eine überproportionale Herausforderung für die physische Unversehrtheit des Personals dar.

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Scheitern technischer Alternativen und politischer Vorstöße

In der Vergangenheit suchte das Unternehmen bereits nach technischen Lösungen, um die Zusteller zu entlasten, ohne zwingend eine zweite Person einsetzen zu müssen. So testete DHL den Einsatz von Exoskeletten, die das Heben schwerer Sendungen mechanisch unterstützen sollten. Diese Versuche verliefen nach Unternehmensangaben jedoch ohne den erhofften Erfolg, weshalb der Fokus nun wieder auf organisatorischen und gesetzlichen Maßnahmen liegt.

Die politische Umsetzung einer solchen Regelung erwies sich in der Vergangenheit als schwierig. Die Ampel-Koalition hatte bereits versucht, eine 20-Kilogramm-Regel auf den Weg zu bringen. Dieser Entwurf sah jedoch Ausnahmen vor, wenn geeignete Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Das Vorhaben scheiterte letztlich im parlamentarischen Prozess.

Konträre Positionen von Gewerkschaften und Wettbewerbern

Die Forderung von DHL stößt in der Branche auf ein geteiltes Echo. Die Gewerkschaft Verdi unterstützt eine Verschärfung der Regeln, geht in ihren Forderungen jedoch über den Vorschlag von DHL hinaus. Die Arbeitnehmervertreter plädieren für eine strikte 20-Kilogramm-Grenze, die ohne jegliche Ausnahmen für technische Hilfsmittel gelten soll.

Deutliche Ablehnung kommt hingegen von der Konkurrenz, vertreten durch den Branchenverband BPEX. Die Wettbewerber lehnen eine gesetzliche Vorgabe zur Zwei-Personen-Zustellung ab. Als Hauptgründe führen sie den akuten Personalmangel in der Logistikbranche an, der eine flächendeckende Umsetzung erschweren würde. Zudem wird auf die CO2-Bilanz verwiesen: Wenn für die Zustellung schwerer Sendungen zusätzliches Personal oder mehr Fahrten eingeplant werden müssten, würde dies die ökologischen Ziele der Unternehmen konterkarieren.

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Damit zeichnet sich eine intensive Auseinandersetzung zwischen dem Marktführer, den Gewerkschaften und den Wettbewerbern ab, während die Politik vor der Herausforderung steht, den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer mit der wirtschaftlichen Praktikabilität und den Klimazielen in Einklang zu bringen.

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