Operation Olympus Blade: BKA zerschlägt europäischen Phishing-Dienst
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 18:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Ermittler haben einen der größten Phishing-Dienstleister Europas ausgehoben. Die Plattform „Kratos“ versorgte seit 2024 rund 1.800 Kriminelle mit fertigen Angriffswerkzeugen — inklusive KI-generierter Köder und Methoden zur Umgehung der Zwei-Faktor-Authentisierung.
Operation „Olympus Blade“: 200 Server beschlagnahmt
In einer konzertierten Aktion mit US-Behörden und indonesischen Ermittlern gelang dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Schlag gegen die Infrastruktur. Ein Entwickler wurde in Indonesien festgenommen, über 200 Server beschlagnahmt.
Die Plattform war spezialisiert auf täuschend echte Microsoft-Anmeldeseiten. Mit gestohlenen Cookies und Token konnten die Täter selbst Konten mit aktivierter 2FA übernehmen. Pro Monat sollen rund 15.000 Phishing-Kampagnen über das System gelaufen sein. Der Schaden: mindestens 300.000 Euro Erlös, Hunderttausende Opfer in über 30 Ländern.
KI macht Phishing gefährlicher
Die Qualität der Angriffe steigt rasant. Studien der Harvard Kennedy School zeigen: KI-generierte Phishing-Mails erreichen eine Klickrate von 54 Prozent — herkömmliche Kampagnen kommen nur auf 12 Prozent. Das Bundeskabinett bezifferte den Cybercrime-Schaden für 2025 auf rund 202,4 Milliarden Euro, etwa 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
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Seit April 2026 beobachten Sicherheitsdienstleister zudem eine neue Masche: „Text Salting“. Dabei werden unsichtbare Fülltexte in E-Mails eingebettet, um KI-basierte Sicherheitsfilter auszutricksen. Auch die Kampagne „FakeGit“ nutzt seit dem Frühjahr schädliche Repositories, um gezielt KI-Agenten und deren Zugangsdaten anzugreifen. IBM X-Force verzeichnete bereits Anfang 2025 einen Anstieg von Phishing-Mails mit Infostealer um 180 Prozent.
Schwachstelle Mensch: Training bringt kaum Besserung
Trotz technischer Schutzmaßnahmen bleiben menschliches Verhalten und Konfigurationsmängel die größten Einfallstore. 67,4 Prozent der meistbesuchten Internetdomains haben keine durchgesetzte DMARC-Richtlinie zum Schutz vor E-Mail-Missbrauch. Betrüger nutzen das aktuell für eine Welle gegen Sparkassen-Kunden: Unter dem Vorwand einer Kontoaktualisierung werden Login-Daten abgegriffen.
Ein SANS-Survey aus 2026 zeigt die Überlastung der Verteidiger: 63 Prozent der Fachleute berichten von Defiziten bei der Erkennung KI-gestützter Angriffe. Gleichzeitig wird herkömmliches Training kritisch hinterfragt. Untersuchungen der UC San Diego legen nahe, dass jährliche Schulungen die Anfälligkeit der Mitarbeiter lediglich um zwei Prozent reduzieren.
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Bundeskabinett beschließt „CyberGovSecure“
Als Reaktion auf die verschärfte Lage verabschiedete das Kabinett heute das Programm „CyberGovSecure“. Unter Federführung des Digitalministeriums sollen die Organisationsstrukturen der staatlichen Cybersicherheit gestrafft werden. Die Leitung übernimmt BSI-Chefin Claudia Plattner in einer koordinierenden CISO-Rolle. Teil der Strategie ist der Aufbau eines „Cyberdome“ zur Früherkennung von Angriffen.
Parallel startete im Juli der Rollout von „GovGPT“, einer verwaltungsinternen KI-Anwendung für Bundesbedienstete. Die Lösung soll die Vorteile von KI-Assistenten in einem geschützten Umfeld nutzbar machen, ohne Daten an Dritte abfließen zu lassen. Das Fraunhofer FIT hat zudem ein Lernspiel entwickelt, das speziell auf die Anforderungen des EU-AI-Acts zugeschnitten ist und kritisches Hinterfragen von KI-Inhalten schult.
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