Online-Handel: EU führt Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen ab November ein
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Union bereitet eine Verschärfung der Einfuhrbestimmungen für den Online-Handel vor. Ab dem 1. November 2026 soll eine neue Bearbeitungsgebühr für kleine Pakete aus Nicht-EU-Ländern eingeführt werden, um die steigenden Kosten für Sichtung und Zollkontrollen zu decken. Die Maßnahme zielt insbesondere auf die wachsenden Warenströme großer Plattformen aus Fernost ab.
In Brüssel zeichnet sich eine neue Strategie im Umgang mit massenhaften Kleinsendungen aus Drittstaaten ab. Wie am 2. September 2026 bekannt wurde, planen die EU-Mitgliedstaaten die Einführung einer zusätzlichen Gebühr, die ab Anfang November 2026 für die Einfuhr kleiner Online-Pakete fällig werden soll. Diese Gebühr ist dazu gedacht, den administrativen Aufwand sowie die Kosten für die physische Kontrolle der Sendungen abzufedern.
Betroffen von dieser Neuregelung sind vor allem große Marktplätze wie AliExpress und Amazon sowie spezialisierte Anbieter wie Shein und Temu. Hintergrund dieser Entscheidung sind die enormen Importmengen: Allein im Jahr 2025 wurden insgesamt 6 Milliarden Pakete in die EU importiert, wobei rund 90 Prozent dieser Sendungen ihren Ursprung in China hatten.
Bisherige Maßnahmen und Marktreaktionen in Europa
Bereits seit Juli 2026 wird auf Basis der Verordnung (EU) 2026/382 ein Pauschalzoll in Höhe von 3 Euro pro Warengruppe auf Sendungen erhoben, deren Wert unter der Grenze von 150 Euro liegt. Die neue Bearbeitungsgebühr würde zusätzlich zu diesem Pauschalzoll erhoben werden und soll nach aktuellem Planungsstand bis mindestens Juli 2028 Bestand haben.
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Die Auswirkungen der bisherigen zollrechtlichen Verschärfungen zeigen sich in den EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. In Frankreich wird berichtet, dass die Importe kleiner Pakete seit Juli 2026 um bis zu 40 Prozent zurückgegangen sind. Bei Billigpaketen allgemein liegt das Minus demnach zwischen 30 und 40 Prozent, während der Anbieter Temu sogar einen Rückgang von rund 50 Prozent verzeichnete.
Im Gegensatz dazu beobachten deutsche Händler bislang kaum spürbare Effekte durch den geltenden Pauschalzoll. Es wird vermutet, dass Anbieter die Sendungen vermehrt in Sammelcontainern bündeln, um die Einzelverzollung zu umgehen.
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Während kleine Importeure durch den Pauschalzoll stärker belastet werden, gibt es auch Gewinner der aktuellen Marktdynamik: Ein Händler für Handyzubehör meldete für den Berichtszeitraum ein Umsatzplus von 200 Prozent im Vergleich zum Juni 2025.
Diskussion um die Höhe der Gebühr und strukturelle Reformen
Über die konkrete Höhe der geplanten Bearbeitungsgebühr herrscht noch Uneinigkeit zwischen den Institutionen und Branchenvertretern. EU-Kommissar Šef?ovi? hatte zuvor eine Gebühr von 2 Euro vorgeschlagen. Demgegenüber forderten Branchenverbände wie EURATEX, UFIMH und UIT Anfang September 2026 eine deutlich höhere Pauschale von etwa 10 Euro pro Kleinsendung aus Nicht-EU-Ländern.
Neben finanziellen Hürden mahnen Marktteilnehmer auch strukturelle Verbesserungen an. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert in diesem Zusammenhang eine beschleunigte Einrichtung des sogenannten Customs Data Hub. Zudem müsse die Politik effektivere Sperrmöglichkeiten schaffen, um bei systematischen Regelverstößen direkt eingreifen zu können.
Zur besseren Koordinierung der europäischen Zollpolitik ist zudem der Aufbau einer neuen EU-Zollbehörde geplant. Diese soll ab 2027 in der französischen Stadt Lille ihren Betrieb aufnehmen und die Überwachung der Warenströme zentralisieren.
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