OeNB, BIP-Wachstum

Österreich-Prognose: OeNB senkt BIP-Wachstum auf 0,5 Prozent

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreichs Notenbank erwartet 2026 weniger Wachstum, zugleich sinkende Inflation und eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt bis 2028.

OeNB senkt Österreichs Wachstum 2026, hebt Prognose für 2027
Ein weites, goldenes Getreidefeld unter einem bewölkten Himmel als Symbol für wirtschaftliche Stabilität und landwirtschaftliche Zyklen. Illustration mit AI erstellt.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat in ihrer am 11. September 2026 veröffentlichten Interimsprognose die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in Österreich geringfügig angepasst. Für das Jahr 2026 rechnet die Notenbank nun mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent. Damit revidierte sie ihre Einschätzung aus dem Juni, die noch bei 0,6 Prozent gelegen hatte, leicht nach unten.

Moderate Erholung für die kommenden Jahre erwartet

Trotz der Korrektur für das laufende Jahr blickt die OeNB optimistischer auf das Folgejahr. Die Prognose für das BIP-Wachstum im Jahr 2027 wurde um 0,2 Prozentpunkte auf nun 1,3 Prozent angehoben. Für das Jahr 2028 wird ein Plus von 1,2 Prozent prognostiziert.

Die Experten der Nationalbank wiesen darauf hin, dass unter anderem die Dürre im Jahr 2026 das Wachstum um etwa 0,1 Prozentpunkte gedrückt habe. In einem ungünstigeren Szenario könnte das Wachstum 2027 lediglich bei 0,3 Prozent liegen, während die Inflation in diesem Fall auf 5,6 Prozent steigen könnte. Die nächste reguläre Prognose der OeNB soll Mitte Oktober veröffentlicht werden.

Ein Ökonom des Instituts für Höhere Studien (IHS) rechnet für 2026 mit einem BIP-Wachstum zwischen 0,5 und knapp 1 Prozent, wobei er den Wert eher am oberen Ende dieser Spanne vermutet. Er erwarte jedoch keine massive Aufschwungdynamik, sondern vielmehr eine langsame Belebung der wirtschaftlichen Aktivitäten. Im Vergleich dazu hatten die Institute WIFO und IHS im Juni noch Wachstumsraten von 0,9 bzw. 0,8 Prozent für das Jahr 2026 in Aussicht gestellt.

Rückgang der Inflation und Lage am Arbeitsmarkt

Die Inflationsentwicklung in Österreich zeigt laut OeNB-Bericht vom 11. September 2026 einen abnehmenden Trend. Für das Jahr 2026 wird eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent erwartet, nachdem im Juni noch 3,2 Prozent prognostiziert worden waren.

In den Jahren 2027 und 2028 soll die Inflation weiter auf 2,3 Prozent bzw. 2,2 Prozent sinken. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei der Energieinflation aus: Nach 6,5 Prozent im Jahr 2026 wird für 2027 ein Wert von lediglich 1,0 Prozent prognostiziert.

Der Inflationsabstand Österreichs zum Euroraum verringert sich laut den vorliegenden Daten deutlich. Betrug dieser im Jahr 2025 noch 1,4 Prozentpunkte, wird für 2026 nur noch eine Differenz von 0,3 Prozentpunkten erwartet.

Am Arbeitsmarkt wird mit einer schrittweisen Entlastung gerechnet. Die Arbeitslosenquote nach Definition des AMS soll von 7,5 Prozent im Jahr 2026 auf 7,3 Prozent im Jahr 2027 und schließlich 7,1 Prozent im Jahr 2028 zurückgehen.

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Österreich im europäischen Vergleich und strukturelle Herausforderungen

Daten von Statistik Austria und Eurostat verdeutlichen die schwierige Ausgangslage. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Österreich ein negatives BIP-Wachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, was den schlechtesten Wert unter allen 27 EU-Mitgliedstaaten darstellte.

Seit dem Herbst 2022 liegt das reale BIP Österreichs durchgehend unter dem Niveau der Eurozone. Der Rückstand erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 3,6 Indexpunkten einen historischen Höchststand in der Zeitreihe.

Ökonomen der RBI führen diesen Rückstand primär auf eine hausgemachte Schwäche im Dienstleistungssektor zurück, die als Spätfolge der hohen Inflation gewertet wird.

Kontrastreiches Bild in Deutschland: Wachstum und Insolvenzrisiken

In Deutschland zeichnet sich ein anderes Bild ab. Das DIW hob in seiner Herbstprognose die Erwartung für das BIP-Wachstum 2026 auf 1,2 Prozent an. Die Institute Ifo und IfW Kiel sind mit Prognosen von bis zu 1,4 Prozent noch optimistischer, während die Bundesregierung offiziell von 0,5 Prozent ausgeht. Im zweiten Quartal 2026 wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent, gestützt durch einen Exportzuwachs von 2,0 Prozent.

Demgegenüber steht jedoch eine angespannte Lage bei den Unternehmensinsolvenzen. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Destatis 12.812 Fälle, was einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dies ist der höchste Stand seit dem ersten Halbjahr 2013. Besonders betroffen sind Branchen wie Verkehr und Lagerei sowie das Gastgewerbe und der Bau. Ein Experte des DIHK forderte angesichts dieser Zahlen eine schnelle Umsetzung wirtschaftlicher Reformen.

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Gleichzeitig gibt es Anzeichen für eine industrielle Stabilisierung. Laut VDW stiegen die Auftragseingänge im Werkzeugmaschinenbau im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent.

Dennoch bleibt die Stimmung in der Breite verhalten: Laut einer IW-Konjunkturumfrage planen 36 Prozent der deutschen Unternehmen für das Jahr 2026 einen Stellenabbau, während nur 18 Prozent neue Arbeitsplätze schaffen wollen. Als Hauptursachen für diese Zurückhaltung wurden hohe Energiepreise, Sozialabgaben und bürokratische Hürden genannt.

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