Öffentlicher Dienst: 634.000 Stellen könnten durch Teilzeit-Aufstockung entstehen
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt ein erhebliches theoretisches Potenzial zur Schließung der Personallücken im staatlichen Sektor auf.
Während im öffentlichen Dienst bei Bund, Ländern und Kommunen bundesweit rund 631.000 Vollzeitkräfte fehlen, könnten durch eine vollständige Aufstockung bestehender Teilzeitstellen rechnerisch 634.000 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Damit ließe sich das bestehende Defizit rein rechnerisch vollständig ausgleichen.
Rekord-Teilzeitquote verschärft den Personalmangel
Die Personalnot trifft die staatlichen Institutionen in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen am Arbeitsmarkt. Den Schätzungen des Beamtenbundes zufolge beläuft sich der Mangel derzeit auf 631.000 Stellen. Gleichzeitig erreichte die Teilzeitquote in Deutschland im zweiten Quartal 2026 mit 40,3 % einen historischen Höchststand.
Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deuten darauf hin, dass diese Entwicklung auf einen allgemeinen Strukturwandel zurückzuführen sei und nicht auf einen fehlenden Arbeitswillen der Beschäftigten. Dennoch hat dieser Trend messbare Auswirkungen auf die verfügbare Arbeitsleistung: Das gesamte Arbeitsvolumen sank in den letzten Monaten um 69 Millionen Stunden.
Bildungswesen und Verwaltung mit höchstem Potenzial
Besonders in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ist der Bedarf an zusätzlichem Personal immens. Die IW-Studie identifiziert allein im Bereich der Schulen ein Potenzial von 153.000 zusätzlichen Lehrkräften. Dies entspräche einer Steigerung des dortigen Arbeitsvolumens um 20 %.
In den Kindertagesstätten könnten durch eine Ausweitung der Arbeitszeiten fast 55.000 Erzieherstellen gewonnen werden, was einem Zuwachs von 25 % beim Arbeitsvolumen gleichkäme.
Wer sich professionell mit der Kapazitätsplanung im öffentlichen Sektor befasst, benötigt verlässliche Methoden zur Bedarfsermittlung. Dieser kostenlose Report enthüllt die Methoden, mit denen Profis Personalbedarfs- und Einsatzplanung strukturiert angehen. Wie kluge Unternehmen ihren Personalbedarf berechnen – ohne Bauchgefühl
Auch in anderen staatlichen Kernbereichen ließen sich durch veränderte Arbeitszeitmodelle Kapazitäten freisetzen. Für die Kommunalverwaltungen wird das Potenzial auf 41.800 Stellen beziffert. An den Hochschulen könnten 16.000 und bei der Polizei 10.800 zusätzliche Vollzeitäquivalente entstehen, sofern das bereits beschäftigte Personal seine Arbeitszeit auf eine volle Stelle ausweiten würde.
Regionale Unterschiede und methodische Kritik
Auf Ebene der Bundesländer zeigen sich deutliche Differenzen in den Kapazitätsreserven. Das größte Potenzial zur Stellenbesetzung durch Arbeitszeitverlängerung weist Bayern mit 129.800 möglichen Stellen auf. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 115.100 und Baden-Württemberg mit 111.300 potenziellen Vollzeitkräften.
Personalräte im öffentlichen Dienst stehen bei der Gestaltung von Arbeitszeitmodellen oft vor komplexen rechtlichen Hürden. VNR-Experten liefern die rechtssichere Vorlage für Ihre nächste Dienstvereinbarung – 100% gratis. Personalräte im öffentlichen Dienst setzen auf dieses bewährte Muster
Ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt verdeutlicht die Dimensionen: Würden alle Bundesländer das Arbeitszeitniveau dieses Landes erreichen, ließen sich bundesweit etwa 294.000 bis zu 300.000 zusätzliche Vollzeitstellen realisieren.
Trotz der mathematischen Deckung des Personalbedarfs stößt die Studie in der Fachwelt auf Skepsis. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte die Berechnungen als realitätsfern und bezeichnete sie als eine Form der Milchmädchenrechnung. Die Annahme, dass das vorhandene Personal in diesem Umfang zur Mehrarbeit bereit oder in der Lage sei, berücksichtige nicht die tatsächlichen Rahmenbedingungen in den betroffenen Berufsfeldern.
