Notstromversorgung: 35% der Sonderbauten haben wesentliche Mängel
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 18:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der TÜV-Verband fordert eine umfassende Modernisierung der Notstromversorgung in sogenannten Sonderbauten. Zu dieser Kategorie zählen Gebäude mit besonderer Sicherheitsrelevanz oder hohem Personenaufkommen, wie etwa Krankenhäuser, Hochhäuser und Supermärkte.
Hintergrund dieser Forderung ist eine zunehmende Gefährdungslage durch hybride Angriffe auf das nationale Energiesystem. Laut Einschätzung des Verbandes sind viele der aktuell betriebenen Systeme unzureichend auf derartige Bedrohungsszenarien vorbereitet.
Deutlicher Anstieg bei wesentlichen Mängeln
Die technischen Überprüfungen der vergangenen Zeit zeichnen ein besorgniserregendes Bild vom Zustand der Infrastruktur. Nach Angaben des TÜV-Verbandes weisen derzeit 35 Prozent der Notstromanlagen in Sonderbauten wesentliche Mängel auf. Damit hat sich die Zuverlässigkeit dieser lebenswichtigen Systeme in den letzten Jahren spürbar verschlechtert. Im Vergleich zu Erhebungen aus dem Jahr 2022 bedeutet dies einen Zuwachs der Mängelquote um 9 Prozentpunkte.
Diese Defizite wiegen schwer, da die betroffenen Gebäudetypen im Falle eines weitreichenden Stromausfalls auf eine lückenlose Eigenversorgung angewiesen sind. In Kliniken hängt die Aufrechterhaltung intensivmedizinischer Leistungen direkt an der Funktionalität dieser Anlagen.
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Auch in Hochhäusern oder großen Verkaufsstätten wie Supermärkten ist die Notstromversorgung essenziell, um Evakuierungen zu ermöglichen und Sicherheitseinrichtungen wie Brandmeldeanlagen oder Notbeleuchtungen aktiv zu halten.
Bedrohung durch hybride Angriffe und Cyberkriminalität
Der Modernisierungsbedarf wird nicht nur durch den physischen Zustand der Anlagen begründet, sondern auch durch die veränderte Sicherheitslage. Hybride Angriffe, die sowohl physische Sabotage als auch digitale Attacken kombinieren können, zielen vermehrt auf die Stabilität der Energieinfrastruktur ab. In diesem Zusammenhang verweist der TÜV-Verband darauf, dass bereits 15 Prozent der Unternehmen von Cyberangriffen betroffen waren.
Die Vernetzung technischer Anlagen im Zuge der Digitalisierung bietet zwar Effizienzvorteile, vergrößert jedoch gleichzeitig die Angriffsfläche für kriminelle Akteure oder staatliche Akteure im Rahmen hybrider Auseinandersetzungen.
Wenn die reguläre Stromzufuhr durch eine solche Intervention unterbrochen wird, stellen die Notstromsysteme die letzte Verteidigungslinie dar. Sind diese jedoch aufgrund von Wartungsmängeln oder veralteter Technik nicht einsatzbereit, drohen kritische Versorgungslücken.
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Notwendigkeit technischer Nachbesserungen
Der Verband sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Betreibern der betroffenen Immobilien. Die Modernisierung solle sicherstellen, dass die Systeme nicht nur gegen einfache Stromausfälle, sondern auch gegen gezielte Manipulationen und komplexe Störszenarien gewappnet sind.
Die Experten des TÜV-Verbandes betonen, dass eine robuste Notstromversorgung in Sonderbauten ein unverzichtbarer Teil der nationalen Resilienzstrategie sei. Angesichts der gestiegenen Mängelquote und der volatilen globalen Sicherheitslage sei ein bloßes Abwarten für die Betreiber von Krankenhäusern und anderen kritischen Einrichtungen nicht länger vertretbar.
