Nordkirche, Kirchenmitgliedschaft

Nordkirche: Kirchenmitgliedschaft für rund 100.000 Beschäftigte gelockert

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Synode begrenzt die Kirchenzugehörigkeit auf bestimmte Funktionen und ersetzt ab 2027 die Landesbischöfin durch ein Dreierkollegium.

Nordkirche lockert Mitgliedschaftspflicht und reformiert ihre Leitung
Innenraum einer modernen, schlichten Kirche mit Holzbänken und großen Fenstern bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Landessynode der Nordkirche hat im Rahmen ihrer Tagung in Lübeck-Travemünde weitreichende Änderungen für das kirchliche Arbeitsrecht und die Leitungsstruktur beschlossen. Wie aus Berichten vom 26. September 2026 hervorgeht, entfällt künftig die pauschale Verpflichtung zur Kirchenmitgliedschaft für einen Großteil der rund 100.000 Mitarbeiter von Kirche und Diakonie in Norddeutschland.

Neuausrichtung der Beschäftigungsvoraussetzungen

Der Beschluss sieht vor, dass die Kirchenmitgliedschaft künftig nur noch für sogenannte Schlüsselrollen zwingend erforderlich ist. Dazu zählen Positionen, in denen Mitarbeiter predigen, Seelsorge leisten oder kirchlichen Unterricht erteilen, wie etwa Pastoren, Kirchenmusiker oder Gemeindepädagogen.

In anderen Bereichen, insbesondere in Kindertagesstätten, Krankenhäusern und der Verwaltung, wird die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche von einer zwingenden Voraussetzung zu einer „Soll“-Bestimmung herabgestuft.

Demnach ist der Nachweis der Kirchenzugehörigkeit in Pflegeberufen oder im Kita-Alltag künftig weniger entscheidend, sofern keine besondere Verantwortung für das evangelische Profil der Einrichtung besteht. Lediglich für Leitungspositionen in Kindertagesstätten oder für Küster bleibt die Mitgliedschaft als Soll-Vorschrift bestehen. Damit entfallen pauschale Ausschlussgründe für konfessionslose Bewerber.

Hintergrund dieser Entscheidung sind verschiedene Gerichtsentscheidungen zur Kirchenmitgliedschaft als Einstellungsvoraussetzung. Ein wesentlicher Bezugspunkt ist der sogenannte „Fall Egenberger“ aus dem Jahr 2012. Eine konfessionslose Bewerberin hatte damals gegen die Ablehnung ihrer Bewerbung geklagt, woraufhin das Verfahren bis vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) geführt wurde.

Zwar ging die Kirche aus dem Verfahren als Sieger hervor, sie ist jedoch seither dazu verpflichtet, die Notwendigkeit einer Kirchenzugehörigkeit im Einzelfall überprüfbar zu begründen.

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Kritik von Gewerkschaften und strukturelle Reformen

Die Gewerkschaft ver.di äußerte Kritik an der Neuregelung. Die Arbeitnehmervertreter bemängeln laut einem Bericht vom 26. September 2026, dass der vorliegende Entwurf den Arbeitgebern zu viel Spielraum lasse.

Neben den arbeitsrechtlichen Anpassungen beschloss die Landessynode, an der 156 Kirchenvertreter teilnahmen, eine tiefgreifende Reform der Führungsspitze. Ab dem Jahr 2027 wird das Amt der Landesbischöfin abgeschafft; eine entsprechende Vorlage wurde mit lediglich fünf Gegenstimmen angenommen.

Die Leitung der Nordkirche soll stattdessen kollegial durch drei Sprengelbischöfe ausgeübt werden, welche die Regionen Schleswig und Holstein, Hamburg und Lübeck sowie Mecklenburg und Pommern repräsentieren. Die amtierende Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt wird Ende 2027 in den vorzeitigen Ruhestand treten, eine Neubesetzung des Amtes findet nicht statt.

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Digitalisierung und gesellschaftspolitischer Kontext

Weitere Beschlüsse der Synode betreffen die internen Demokratieprozesse. Wahlen zum Kirchengemeinderat sollen künftig digital oder per Briefwahl durchgeführt werden. Bei den vergangenen Wahlen lag die Beteiligung lediglich bei 8,9 Prozent. Zudem wurde das Wahlalter auf 16 Jahre festgesetzt. In größeren Gemeinden soll künftig jedes zehnte Mitglied der Gremien jünger als 27 Jahre sein.

Am Rande der Synode äußerte sich Bischof Tilman Jeremias zudem zur politischen Lage in Mecklenburg-Vorpommern. Er bezeichnete ein AfD-Wahlergebnis von 38,2 Prozent als erschreckend und wies darauf hin, dass statistisch jedes dritte evangelische Gemeindeglied die AfD gewählt habe.

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