NKR-Bericht: Bürokratieabbau entlastet Unternehmen bislang nur auf dem Papier
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) hat am 8. Oktober 2026 in seinem vorgelegten Jahresbericht deutliche Kritik an den bisherigen Maßnahmen zum Bürokratieabbau geübt. Demnach existiere die spürbare Entlastung von Unternehmen von bürokratischen Vorgaben bislang weitgehend nur auf dem Papier. Der Rat mahnte an, dass ambitionierte Beschlüsse allein nicht ausreichten und es stattdessen einer konsequenten praktischen Umsetzung bedürfe.
NKR-Chef Lutz Goebel bemängelte in diesem Zusammenhang eine unzureichende ressortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Bundesregierung. Um die Reformen wirksam voranzutreiben, seien die Rückendeckung des Kanzlers und eine effektive Steuerung durch das Bundeskanzleramt unerlässlich.
Goebel erklärte, dass mehr als die Hälfte der eigentlichen Entlastung der Wirtschaft durch neue Bürokratie wieder aufgezehrt werde, da nicht alle Ministerien an einem Strang zögen.
Gemischte Bilanz bei Erfüllungsaufwand und Kosten
In seiner Gesamteinschätzung lobte das Gremium zwar die bestehenden Pläne zur Staatsmodernisierung, pochte jedoch auf deren Umsetzung. Im Berichtszeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 sank der jährliche Erfüllungsaufwand für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung auf 6,8 Mrd. Euro, was den niedrigsten Stand seit 2020 markiert. Allerdings entfallen laut NKR rund 7,7 Mrd. Euro jährlich rein auf vermiedene künftige Wärmepumpenkosten.
Gleichzeitig stiegen die bürokratischen Belastungen in anderen Teilbereichen weiter an: Für Formulare und Berichte erhöhten sich die Bürokratiekosten im selben Berichtszeitraum um rund 1,3 Mrd. Euro. Insgesamt waren die Bürokratiekosten laut NKR bis Juli 2026 seit Beginn der Legislaturperiode um 1,2 Mrd. Euro angewachsen.
Regierungsziele und Zeitpläne für Reformgesetze
Bereits am Vortag hatte das Bundeskabinett eine Zwischenbilanz zur Modernisierungsagenda gezogen. Digitalminister Karsten Wildberger legte dazu einen Zwischenbericht vor. Dieser weist bei den Bürokratiekosten der Wirtschaft bislang Einsparungen von rund 232 Mio. Euro aus, während das Ziel bis 2029 bei einer Reduktion um rund 16 Mrd. Euro beziehungsweise 25 Prozent liegt. Beim Erfüllungsaufwand meldet die Regierung hingegen bereits mehr als 10 Mrd. Euro jährliche Entlastung, womit das Etappenziel erreicht sei.
Geplant ist unter anderem, die Berichtspflichten für Betriebe um 30 Prozent zu verringern. Wildberger stellte den Zeitplan für ein entsprechendes Berichtsentlastungsgesetz vor: Eckpunkte sollen Ende 2026 in einem weiteren Entlastungskabinett beschlossen werden.
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Ein formeller Gesetzentwurf wird frühestens im Sommer 2027 erwartet, sodass konkrete Pflichten voraussichtlich erst 2028 wegfallen dürften. Bund und Länder vereinbarten zudem mehr als 200 Bürokratieabbau-Punkte.
Von 23 zentralen Hebelprojekten des Bundes sind bislang fünf abgeschlossen; von rund 80 weiteren Maßnahmen befinden sich 62 in der Umsetzung, sieben sind abgeschlossen und elf in Vorbereitung.
Vorgesehen sind unter anderem digitale Verfahren bei Wohnsitzanmeldung, Unternehmensgründung und Gewerbeanmeldung sowie ein antragsloses Kindergeld ab 2027 in zwei Stufen. Reagiert eine Behörde nicht rechtzeitig, soll künftig eine Genehmigungsfiktion greifen.
Wirtschaftsverbände drängen auf Beschleunigung
Aus der Praxis kommt derweil anhaltender Druck. Gitta Connemann verwies darauf, dass jedes Unternehmen durchschnittlich 200 Behördenkontakte pro Jahr bewältigen müsse. Spitzenverbände der Wirtschaft pochen daher auf spürbare Fortschritte im Betriebsalltag.
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Der BDI, der Digitalverband Bitkom sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verlangen sichtbare Erleichterungen. Bitkom fordert, Unternehmensgründungen bundesweit innerhalb von 24 Stunden zu ermöglichen und bewährte Anwendungen künstlicher Intelligenz flächendeckend in Verwaltungen einzusetzen.
ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke mahnte an, dass Ankündigungen konsequent umgesetzt werden müssten. Er kritisierte, dass Entlastungen wie die Abschaffung der Bonpflicht oder des Sonntagsbackverbots entgegen den Verabredungen im Koalitionsvertrag nicht vollständig realisiert wurden. Handwerksbetriebe bräuchten schnellere Verfahren und spürbar weniger Dokumentationspflichten.
