Künstliche Intelligenz, Arbeitswelt

Neue IW-Studie: 29 Prozent nutzen Schatten-KI im Job

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:44 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: In deutschen Unternehmen nutzt fast jeder dritte Beschäftigte nicht autorisierte KI-Programme im Job, besonders Jüngere und Führungskräfte. Experten raten dazu, KI-Anwendungen gezielt zu regulieren, statt sie pauschal zu beschränken.

IW-Studie: 29 Prozent nutzen nicht-autorisierte KI im Job
Büros (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

In deutschen Unternehmen nutzt fast jeder dritte Beschäftigte beruflich Künstliche Intelligenz, die zuvor nicht offiziell vom Arbeitgeber autorisiert wurde. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) liegt der Anteil dieser sogenannten Schatten-KI bei 29,1 Prozent.

Studie basiert auf Befragung von 5.000 Beschäftigten

Die Erhebung stützt sich auf die Selbsteinschätzungen von 5.000 Beschäftigten, deren Angaben im März und April dieses Jahres erhoben wurden. Über die Ergebnisse berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das IW. Demnach erreicht KI die Arbeitswelt nach Einschätzung des Instituts schneller, als viele Betriebe sie organisatorisch erfassen und regeln können.

Jüngere und Führungskräfte nutzen Schatten-KI besonders häufig

Besonders ausgeprägt ist der Einsatz nicht autorisierter KI-Programme bei Beschäftigten unter 30 Jahren: In dieser Gruppe gaben 38,4 Prozent an, entsprechende Anwendungen im Job zu nutzen. Unter Führungskräften lag der Anteil bei 34,6 Prozent. Damit greifen gerade jüngere Mitarbeiter und Vorgesetzte überdurchschnittlich häufig auf Werkzeuge zurück, die nicht offiziell im Unternehmen eingeführt wurden.

Kleinere Unternehmen stärker betroffen als Großbetriebe

Ein weiteres Ergebnis der IW-Studie: In kleineren Firmen kommen Schatten-KI-Anwendungen anteilig bei mehr Mitarbeitern zum Einsatz als in großen Unternehmen. In Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten lag der Anteil bei 33,5 Prozent, in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bei 25,5 Prozent. Die Forscher sehen darin Hinweise darauf, dass vor allem kleinere Unternehmen zwar auf KI-Vorteile setzen, aber häufig noch keine klar geregelten Systeme und Prozesse etabliert haben.

Datenschutz und rechtliche Unsicherheit bremsen offizielle Einführung

Bereits frühere Umfragen des Branchenverbands Bitkom hatten ergeben, dass besonders Datenschutzbedenken die Freigabe neuer Programme in Unternehmen verzögern. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten und die Sorge um den Schutz von Firmengeheimnissen, die in vielen Betrieben eine zögerliche Haltung gegenüber neuen KI-Anwendungen fördern. Vor diesem Hintergrund weichen Beschäftigte häufig auf frei zugängliche, nicht ausdrücklich freigegebene Tools aus.

IW wirbt für autorisierte KI-Programme

Nach Einschätzung der IW-Experten sind restriktive Verbote gegenüber KI-Anwendungen nicht der geeignete Weg. Das Institut plädiert dafür, KI-Programme formal einzuführen und damit unternehmensintern zu autorisieren. Autorisierte Anwendungen gäben den Firmen mehr Kontrolle über Einsatz und Datensicherheit. Laut Studie werden offiziell eingeführte Programme zudem fast doppelt so häufig regelmäßig genutzt wie Schatten-KI, wenn sie den Beschäftigten zur Verfügung stehen.

Die IW-Studie zur sogenannten Schatten-KI zeigt, dass generative KI in deutschen Unternehmen längst zum Arbeitsalltag gehört – häufig an offiziellen Prozessen vorbei. Beschäftigte greifen offenbar dann zu nicht autorisierten Tools, wenn sie einen konkreten Produktivitätsgewinn sehen, während Unternehmen mit Datenschutz, IT-Sicherheit und offenen Rechtsfragen ringen.

Regulatorischer und technischer Rahmen

Mit dem EU-KI-Gesetz, das stufenweise in Kraft tritt, verschärfen sich die Anforderungen an Transparenz, Datensicherheit und Haftung beim Einsatz von KI-Systemen. Unternehmen müssen künftig genauer dokumentieren, welche Anwendungen zu welchem Zweck eingesetzt werden und wie Risiken adressiert werden. Parallel wächst die öffentliche Debatte über KI-Risiken, etwa über Fehlverhalten großer Modelle und mögliche Abweichungen von Nutzerinteressen, was den Druck auf verantwortliche Unternehmensleitungen weiter erhöht.

Spannungsfeld zwischen Innovation und Kontrolle

Die hohe Nutzung von Schatten-KI vor allem in jüngeren Belegschaften und bei Führungskräften verweist auf ein Spannungsfeld: Viele Beschäftigte wollen neue Werkzeuge unmittelbar nutzen, um effizienter zu arbeiten, während Unternehmensleitungen zunächst Sicherheits- und Compliance-Fragen klären. In kleineren Firmen fehlen häufig Ressourcen für umfassende Prüfprozesse, gleichzeitig besteht dort ein hohes Bedürfnis, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das IW plädiert für den Weg über autorisierte Programme, weil sie sowohl eine höhere Nutzung als auch mehr Kontrolle ermöglichen.

Bedeutung für Beschäftigte und Betriebe

Für Beschäftigte bedeutet die Studie, dass sich der Umgang mit KI im Job professionalisieren dürfte: Schulungen, klare Richtlinien und definierte Tools werden wichtiger. Für Betriebe geht es darum, Schatten-KI in organisierte Bahnen zu lenken: durch verbindliche Freigabeprozesse, technische Schutzmechanismen und eine offene Kommunikation darüber, was erlaubt ist und was nicht. Wer hier zügig handelt, kann sowohl Risiken begrenzen als auch die Produktivitätspotenziale der Technologie gezielter heben.

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