Netzentgelte 2027: Strom und Gas werden teurer
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRegionale Unterschiede prägen Energiekosten
- Verivox erwartet 2027 bundesweit 1,9 Prozent höhere Stromnetzentgelte.
- Ein Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden zahlt rechnerisch rund 8 Euro mehr brutto.
- Für 20.000 Kilowattstunden Gas veranschlagt das Portal rund 19 Euro zusätzliche Netzkosten im Jahr.
Netzentgelte steigen 2027 bei Strom und Gas
Private Haushalte müssen im kommenden Jahr mit leicht steigenden Netzentgelten für Strom und Gas rechnen. Das ergibt eine Verivox-Berechnung auf Grundlage bislang veröffentlichter Daten der Verteilnetzbetreiber, wobei die regionale Entwicklung stark auseinandergeht.
Stromnetzgebühren legen im Schnitt zu
Die Stromnetzentgelte steigen demnach zum Jahreswechsel bundesweit durchschnittlich um 1,9 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspricht das rechnerisch rund 8 Euro brutto zusätzlich.
Als einen Grund nennt Verivox die Kürzung des jährlichen Bundeszuschusses zu den Übertragungsnetzkosten um knapp eine Milliarde Euro auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr 2027. Die Kosten der Übertragungsnetzbetreiber werden über die nachgelagerten Netzebenen letztlich in den Netzentgelten der Stromkunden berücksichtigt.
Hamburg besonders stark betroffen
Die regionalen Unterschiede sind laut Verivox erheblich. In den alten Bundesländern steigen die Stromnetzentgelte durchschnittlich um 10 Euro, in den neuen Bundesländern sinken sie im Mittel um 3 Euro; am stärksten legen die Netzgebühren demnach in Hamburg zu.
Die Höhe hängt auch von den Kosten für Ausbau und Betrieb der regionalen Stromnetze ab. Seit 2025 werden zudem Regionen entlastet, in denen besonders viel Wind- und Solarstrom erzeugt wird.
Gasnetzentgelte steigen um rund drei Prozent
Bei Gas rechnet Verivox 2027 bundesweit mit einem Anstieg der Netzentgelte um rund 3 Prozent. Für eine Familie im Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch ergeben sich daraus rechnerisch rund 19 Euro brutto Mehrkosten im Jahr.
Überdurchschnittliche Anstiege erwartet das Portal in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. In Sachsen und Thüringen sollen die Gasnetzentgelte leicht sinken.
Großhandelspreise beeinflussen Gasrechnung stärker
Für die Entwicklung der Gaspreise insgesamt dürften laut Verivox vor allem die seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegenen Großhandelspreise ausschlaggebend sein. Die höheren Netzgebühren hätten im Vergleich dazu einen geringeren Einfluss auf die Heizkosten.
Das Portal erwartet zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, wenn Gasversorger gestiegene Beschaffungskosten weitergeben. Je nach aktuellem Tarif könnten sie zwischen 10 und 20 Prozent liegen.
Netzentgelte sind regulierte Bestandteile der Energiepreise und werden von den Netzbetreibern für Betrieb, Wartung und Ausbau der Strom- und Gasnetze erhoben. Ihre Höhe unterscheidet sich regional, weil Netzdichte, Ausbauaufwand, Verbrauch und die Verteilung der Kosten zwischen den Netzebenen variieren.
Beim Strom fällt die angekündigte durchschnittliche Veränderung vergleichsweise moderat aus. Für Haushalte ist sie dennoch relevant, weil die Netzentgelte direkt in die Rechnung einfließen und regionale Unterschiede den Durchschnitt deutlich über- oder unterschreiten können. Die Entlastung von Regionen mit hoher Wind- und Solarstromproduktion zielt darauf, besonders belastete Netze gerechter zu berücksichtigen.
Gaspreise bleiben der größere Unsicherheitsfaktor
Bei Gas dürfte die Entwicklung der Beschaffungskosten die Netzentgeltänderung deutlich überlagern. Die von Verivox erwarteten Preisaufschläge bei Tarifen hängen deshalb vor allem davon ab, wie Versorger ihre höheren Einkaufskosten weitergeben. Haushalte mit auslaufenden Verträgen oder hohem Verbrauch sind davon besonders betroffen.
Für Verbraucher bedeutet die Prognose, dass der Jahreswechsel nicht allein anhand des Netzentgelts beurteilt werden sollte. Entscheidend sind der konkrete Wohnort, der bestehende Tarif, der Verbrauch und die Entwicklung der Großhandelspreise. Ein Vergleich vor dem Jahreswechsel kann deshalb größere Auswirkungen haben als die bundesweiten Durchschnittswerte.
