Netzausbau-Gesetz, Stromleitungs-Projekte

Netzausbau-Gesetz 21/ 6128: 45 neue Stromleitungs-Projekte geplant

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschlands Netzausbau steht vor Herausforderungen: Erdkabel-Ausnahmen sorgen für Kritik, SuedLink verzögert sich bis 2028, Strombedarf steigt massiv.

Netzausbau Deutschland: Erdkabel-Streit und SuedLink-Verzögerung
Hochspannungsmast in einer weitläufigen Landschaft bei Tageslicht Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Ausbau der deutschen Strominfrastruktur steht vor signifikanten regulatorischen und technischen Herausforderungen. Im Zentrum der aktuellen Fachdebatte steht das Zweite Gesetz zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes (Drucksache 21/6128). Während die Bundesregierung durch gesetzliche Anpassungen eine Beschleunigung der Verfahren anstrebt, warnen Branchenvertreter vor neuen Verzögerungen durch geplante Ausnahmeregelungen.

Der Gesetzentwurf 21/6128 und die Kritik der Netzbetreiber

Der vorliegende Gesetzentwurf sieht eine umfassende Erweiterung des Netzausbaus vor. Insgesamt umfasst das Papier 45 neue Vorhaben sowie 13 Änderungen an bestehenden Projekten. Für 58 Vorhaben wird zudem ein vordringlicher Bedarf festgestellt. Ein wesentlicher Streitpunkt innerhalb der Branche sind jedoch die vorgesehenen Ausnahmen bei der Erdverkabelung.

Netzbetreiber lehnen diese Erdkabel-Ausnahmen ab. Sie führen an, dass solche Abweichungen von etablierten Standards die Genehmigungsverfahren nicht beschleunigen, sondern um Jahre verlängern könnten. Die Komplexität in der Planung und die notwendige Neubewertung bereits fortgeschrittener Trassenabschnitte würden dem angestrebten Ziel einer zügigen Umsetzung entgegenwirken.

Unterstützung für eine straffere Planung kommt auch vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). Der Verband fordert eine einheitliche Trassenplanung mit klaren Kriterien. Insbesondere die Bildung von sogenannten Mischtrassen, bei denen sich Erdkabel- und Freileitungsabschnitte abwechseln, wird abgelehnt, da dies die technische und rechtliche Umsetzung erschwere.

Politische Neuausrichtung und finanzielle Akzeptanzmodelle

Parallel zu den gesetzlichen Beratungen deutet sich ein Kurswechsel in der Bundespolitik an. Bundesenergieministerin Reiche kündigte an, künftig wieder verstärkt auf oberirdische Leitungen zu setzen. Dies markiert eine Abkehr von der bisherigen Priorisierung der teureren Erdverkabelung, die ursprünglich zur Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz eingeführt worden war.

Um die Akzeptanz für die kostengünstigeren Freileitungen zu erhöhen, schlägt der LEE neue Entschädigungsmodelle vor. Statt einer einmaligen Zahlung von 40.000 Euro wird eine jährliche Akzeptanzabgabe gefordert. Diese sollte sich über einen Zeitraum von 20 Jahren auf 25.000 bis 35.000 Euro belaufen. Solche Modelle sollen sicherstellen, dass betroffene Kommunen und Anwohner langfristig von der Infrastruktur profitieren.

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SuedLink als Referenzprojekt für technische Milestones

Wie zeitintensiv und technisch anspruchsvoll der unterirdische Leitungsausbau ist, zeigt das Großprojekt SuedLink. Am 17. August 2026 wurde mit dem symbolischen Durchschlag des ElbX-Tunnels ein bedeutender Meilenstein erreicht.

Der 5,2 Kilometer lange Tunnel unterquert die Elbe in einer Tiefe von bis zu 40 Metern. Der Tunnelvortrieb für das Bauwerk mit einem Innendurchmesser von vier Metern dauerte von Februar 2025 bis Juni 2026; dabei wurden 24.000 Tübbinge verbaut und 8,5 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt.

Trotz dieses technischen Erfolgs verdeutlicht SuedLink die wirtschaftlichen und zeitlichen Risiken großer Erdkabelprojekte:
* Zeitplan: Die Inbetriebnahme wird nun für Ende 2028 erwartet – sechs Jahre später als ursprünglich geplant.

Der Kabeleinzug soll Ende 2027 beginnen.
* Kosten: Die Baukosten belaufen sich auf etwa 10 Milliarden Euro, die über die Netzentgelte finanziert werden.
* Kapazität: Die 700 Kilometer lange Verbindung ist für eine Spannung von 524 kV bzw. 525 kV ausgelegt und soll eine Leistung von insgesamt 4 GW (2 GW je Leitung) übertragen.

Wirtschaftliche Implikationen und Energiebedarf

Die Finanzierung des Netzausbaus bleibt eine zentrale Belastung für die Stromverbraucher, auch wenn staatliche Zuschüsse kurzfristig für Entlastung sorgen. Für das Jahr 2026 wurde das Übertragungsnetzentgelt auf 2,86 ct/kWh festgesetzt, nach 6,65 ct/kWh im Jahr 2025. Diese Senkung war durch einen Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro möglich. Für das Jahr 2027 ist nach aktuellem Stand ein geringerer Zuschuss von 5,5 Milliarden Euro geplant.

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Kritiker äußern unterdessen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit von Projekten wie SuedLink und verweisen auf die hohen Kosten für die Endverbraucher. Dem halten Befürworter wie Günther entgegen, dass SuedLink die Netze entlastet und die kostspielige Abregelung von Windstrom verringert. Meyer betonte zudem, dass die Verbindung langfristig dazu beitragen werde, die Energiekosten zu senken.

Die Dringlichkeit des Netzausbaus wird durch die Prognosen zum Strombedarf untermauert. Schätzungen gehen davon aus, dass der Bedarf bis zum Jahr 2030 auf 600 bis 700 TWh ansteigen wird. Bis zum Jahr 2037 wird sogar ein Bedarf von einer Billion kWh prognostiziert, was den massiven Ausbau der Übertragungskapazitäten zur Absicherung der Versorgungssicherheit unumgänglich macht.

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