Nahverkehr, Hannover

Nahverkehr Hannover: KAV und Verdi einigen sich auf Schiedsverfahren

04.06.2026 - 12:22:16 | boerse-global.de

Nach sechs gescheiterten Verhandlungsrunden setzen KAV und Verdi auf unabhängige Schlichter. Kernforderung ist eine Arbeitszeitverkürzung.

Nahverkehr Hannover: KAV und Verdi einigen sich auf Schiedsverfahren - Bild: über boerse-global.de
Nahverkehr Hannover: KAV und Verdi einigen sich auf Schiedsverfahren - Bild: über boerse-global.de

Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf ein Schiedsverfahren geeinigt, um den festgefahrenen Konflikt zu lösen.

Nach sechs Verhandlungsrunden ohne Ergebnis setzen beide Seiten nun auf zwei unabhängige Schlichter. Sie sollen einen Kompromiss finden, der die seit Monaten schwelende Auseinandersetzung beendet. Zuvor hatte es immer wieder Warnstreiks gegeben, die den öffentlichen Nahverkehr in Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, Göttingen und Osnabrück lahmlegten.

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Worum es im Kern geht

Im Zentrum der Verhandlungen stehen Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Beschäftigten. Verdi fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit, um die Beschäftigten zu entlasten. Hinzu kommen Forderungen nach mehr Urlaubstagen und höheren Zuschlägen für Schichtarbeit und besondere Dienste.

Der KAV hatte zuletzt ein Angebot vorgelegt, das einen zusätzlichen Urlaubstag ab 2027 vorsieht. Zudem sollen zwei bestehende freie Tage in offizielle Urlaubstage umgewandelt werden – das würde den Jahresurlaub auf 33 Tage erhöhen. Doch dieses Angebot reichte nicht aus, um eine Einigung zu erzielen.

Warnstreiks auch in anderen Branchen

Der Tarifkonflikt im Nahverkehr ist kein Einzelfall. Parallel dazu hat Verdi für heute und morgen zu bundesweiten Warnstreiks im Einzelhandel und Großhandel aufgerufen. Große Kundgebungen sind in Kiel, Berlin und Bochum geplant. Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. In den Regionalverhandlungen für Berlin und Brandenburg hatten die Arbeitgeber Anfang der Woche ein abgestuftes Angebot vorgelegt – mit einer sechsmonatigen Nullrunde zu Beginn.

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Technische Pannen erschweren den Bahnverkehr

Neben den Arbeitskämpfen sorgte am heutigen Donnerstag auch ein technischer Defekt für massive Behinderungen im Bahnverkehr. Eine Oberleitungsstörung am Bahnhof Karl-Wiechert-Allee in Hannover legte den Fernverkehr lahm. Ein beschädigter ICE-Stromabnehmer war die Ursache. Betroffen waren Verbindungen nach Berlin, Amsterdam, Frankfurt und Dresden. Die Reparaturen sollten den ganzen Tag über andauern.

Münchner Verkehrsbetriebe unter Druck

Während Niedersachsen auf eine Schlichtung setzt, kämpfen andere Verkehrsbetriebe mit finanziellen Engpässen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) muss nach eigenen Angaben ein Finanzloch von 14 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2027 stopfen. Geplant sind unter anderem eine deutliche Umstrukturierung des City-Busnetzes und Taktverdichtungen bei bestimmten Straßenbahnlinien. Der Stadtrat soll am 29. Juli darüber entscheiden, die Umsetzung ist für Mitte Dezember 2026 vorgesehen.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Der deutsche Nahverkehr steht unter Druck – durch Arbeitskämpfe, marode Infrastruktur und knappe Kassen. Die Pünktlichkeitsquote der Deutschen Bahn im Fernverkehr lag im Mai 2026 bei gerade einmal 61,3 Prozent. Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht.

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