Nahverkehr: 60.000 Fahrer scheiden bis 2041 aus dem Dienst
06.07.2026 - 10:18:36 | boerse-global.de
Eine neue Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) zeigt: Bis 2041 scheiden mehr als 60.000 Fahrer aus dem Dienst aus. Gleichzeitig steigt der Bedarf an neuen Mitarbeitern.
Jeder zweite Fahrer ist über 55
Besonders brisant: Rund 40 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer sind bereits 55 Jahre oder älter. Sie stehen kurz vor dem Renteneintritt. Allein bis Ende des Jahrzehnts gehen jährlich etwa 6.000 Fahrer altersbedingt in den Ruhestand.
Die Folge: Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, braucht die Branche bis 2030 rund 20 Prozent mehr Personal als heute. Schon jetzt sind die Auswirkungen spürbar. Die Berliner BVG etwa fährt ihr Angebot wegen Personalmangels weiterhin in reduziertem Umfang.
Konjunkturflaute als kurze Verschnaufpause
Eine aktuelle Entwicklung verschafft den Unternehmen etwas Luft. „Die schwächere Konjunktur dämpft momentan den Druck auf dem Arbeitsmarkt", sagt Harald Wortmann, Präsident des Branchenverbandes VDV. Eine dauerhafte Lösung sei das aber nicht.
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Die Branche setzt deshalb auf Technik. Autonome Busse sollen helfen, die Personallücken zu schließen. Experten raten zudem zu flexiblen Arbeitszeitmodellen. So ließen sich ältere Beschäftigte länger im Unternehmen halten – mitsamt ihrem Erfahrungswissen.
4,6 Millionen Fachkräfte gehen in Rente
Der Nahverkehr ist kein Einzelfall. Die Kofa-Studie prognostiziert: In den nächsten zehn bis 15 Jahren gehen insgesamt rund 4,6 Millionen Fachkräfte in Rente. Über 3,6 Millionen davon arbeiten in Berufen, in denen schon heute Fachkräftemangel herrscht.
Besonders dramatisch ist die Lage im Güterkraftverkehr. Rund 200.000 Lkw-Fahrer scheiden in den nächsten 15 Jahren aus. Auch das Baugewerbe leidet: Im Hochbau sind 41 Prozent der Spezialisten mindestens 55 Jahre alt. Über 1.200 offene Stellen bleiben dort unbesetzt.
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Mehr Geld für Schiene – aber mit Haken
Die Bundesregierung plant parallel milliardenschwere Investitionen in die Schieneninfrastruktur. Ein aktueller Kabinettsentwurf sieht vor, die Mittel für Neu- und Ausbau von 1,8 auf 2,2 Milliarden Euro zu erhöhen. Das Geld soll unter anderem aus dem Verteidigungsetat kommen.
Doch es gibt auch Kürzungen. So sollen die Mittel für das bestehende Netz auf 15 Milliarden Euro gedeckelt werden. Auch die Digitalisierung wird zurückgefahren. Und die Trassenpreisförderung für den Güterverkehr sinkt von 345 auf 200 Millionen Euro. Das könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zusätzlich schwächen.
