Nachrichtenlose Konten: Grüne wollen 4,2 Mrd. Euro für Soziales nutzen
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat eine Initiative gestartet, um ungenutzte Vermögenswerte auf inaktiven Bankkonten für gesellschaftliche Zwecke zugänglich zu machen. Wie aus Medienberichten vom 12. September 2026 hervorgeht, sieht ein entsprechender Antrag im Bundestag vor, Guthaben auf sogenannten nachrichtenlosen Konten systematisch zu erfassen und in soziale Projekte fließen zu lassen.
Definition und Handhabung nachrichtenloser Vermögenswerte
Der Vorstoß der Grünen zielt auf Guthaben, Sparbücher und Wertpapierdepots ab, bei denen über einen längeren Zeitraum kein Kontakt mehr zwischen den Bankinstituten und den Eigentümern besteht. In dem Antrag wird konkret definiert, ab wann ein Konto als nachrichtenlos eingestuft werden soll.
Demnach gilt ein Konto nach zehn Jahren ohne Kundenkontakt als nachnachrichtenlos. In Fällen, in denen ein Todesfall nachgewiesen wurde, jedoch keine Erbberechtigten ausfindig gemacht werden konnten, verkürzt sich diese Frist auf drei Jahre.
Die Kreditinstitute sollen laut dem Konzept dazu verpflichtet werden, entsprechende Konten an eine zentrale Stelle zu melden. Damit soll Transparenz über die Höhe der tatsächlich verfügbaren, aber nicht abgerufenen Vermögenswerte geschaffen werden.
Finanzielle Dimensionen und Schutz der Eigentümerrechte
Nach Einschätzung der Grünen liegen derzeit mehrere Milliarden Euro ungenutzt auf deutschen Konten. Diese Schätzung deckt sich mit einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums, das das Volumen der nachrichtenlosen Konten auf bis zu 4,2 Milliarden Euro beziffert.
Das vorgeschlagene Modell sieht vor, dass die Gelder in einen speziellen Fonds übertragen werden. Katharina Beck von den Grünen betonte in diesem Zusammenhang, dass die Mobilisierung dieser Mittel erfolgen solle, ohne den staatlichen Haushalt zusätzlich zu belasten.
Während politische Initiativen die Erfassung ungenutzter Konten planen, rückt das Thema der staatlichen Kontrolle über Ersparnisse generell stärker in den Fokus. Dieser kostenlose Report deckt auf, welche weiteren Informationen über private Vermögen künftig zentral gesammelt werden könnten. Diese EU-Pläne für Ihr Erspartes bleiben oft unbemerkt
Trotz der Überführung in einen Fonds sollen die rechtlichen Ansprüche der ursprünglichen Eigentümer oder deren Erben gewahrt bleiben. Das Vermögen im Fonds sowie die individuellen Rückforderungsansprüche blieben erhalten, sodass Betroffene ihr Geld im Falle einer späteren Meldung vollständig zurückerhalten würden. Eine dauerhafte Enteignung sei damit ausdrücklich nicht vorgesehen.
Internationaler Vergleich und gesellschaftliche Akzeptanz
Deutschland gilt derzeit als der einzige Staat innerhalb der G7-Gruppe, der über keine gesetzliche Regelung für den Umgang mit nachrichtenlosem Vermögen verfügt. In anderen Ländern sind vergleichbare Modelle bereits etabliert. So unterhält Großbritannien beispielsweise seit dem Jahr 2008 einen Sozialfonds, der durch vergessene Kontoguthaben gespeist wird und gleichzeitig eine Rückzahlungsgarantie für rechtmäßige Eigentümer bietet.
Wer sich mit der langfristigen Sicherung seines Kapitals befasst, sollte auch die zunehmende Erfassung von Vermögenswerten im Blick behalten. Ein aktueller Ratgeber liefert einen klaren 5-Schritte-Plan, um Erspartes rechtzeitig und wirksam vor weitreichenden Kontrollen abzusichern. So schützen Sie Ihr Vermögen vor dem EU-Register
Die Initiative stößt in der Bevölkerung offenbar auf breite Zustimmung. Eine forsa-Umfrage unter 1.622 Befragten, die im Auftrag der SOS-Kinderdörfer im Februar 2026 durchgeführt wurde, verdeutlicht das öffentliche Interesse an einer Neuregelung. Laut den Ergebnissen sprachen sich 86 Prozent der Teilnehmer dafür aus, nachrichtenlose Vermögen in einem unabhängigen Sozialfonds zu bündeln.
Lediglich 2 Prozent der Befragten befürworteten einen Verbleib der Gelder bei den Banken, während 8 Prozent eine Übernahme durch den Staat präferierten. Die Zustimmung zu einem Sozialfonds lag dabei über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg stabil zwischen 80 und 92 Prozent.
