Nachhaltigkeitsregeln, EU-Richtlinie

Nachhaltigkeitsregeln: EU-Richtlinie EmpCo wird ab 27. September bindend

01.07.2026 - 18:28:57 | boerse-global.de

Unternehmen müssen ihre Prüfprozesse umstellen. KI-gestützte Audits und verschärfte Gesetze wie in Frankreich treiben den Wandel voran.

Interne Kontrollen: KI-Audits und neue Regulierungen im Fokus
Nachhaltigkeitsregeln - Abstrakte Darstellung von Datenfluss und Netzwerken mit leuchtenden Knoten und Linien, die komplexe Audits und Überwachung symbolisieren. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Unternehmen müssen weg von reinen Stichproben – und hin zu erkenntnisorientierten Prüfungen.

Im Kern geht es darum, den tatsächlichen Einfluss von Maßnahmen auf den Unternehmenserfolg zu messen. Gleichzeitig wachsen die Sorgfaltspflichten. Wer heute nicht nachweisen kann, dass seine Kontrollen wirken, gerät schnell unter Druck.

IT-Audit als „Intelligenz-Plattform“

Branchenexperten fordern einen grundlegenden Wandel im IT-Audit. Maggie Tricot, Leiterin der internen Revision bei Bull, plädiert dafür, Audits als zentrale Intelligenz-Plattformen zu positionieren. Die entscheidende Frage: Sind installierte Kontrollen tatsächlich wirksam?

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie hilft, Abweichungen in Echtzeit zu identifizieren. Kontinuierliches Monitoring ersetzt zunehmend die klassische Stichprobe.

Auch sicherheitsrelevante OT-Systeme stehen im Fokus. Die aktuelle Fassung der technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 1115-1) definiert sechs Kernmaßnahmen. Dazu gehören Segmentierung, Zugriffskontrolle und ein kontinuierliches Notfallmanagement.

Frankreich verbietet Ultra Fast Fashion

Besonders deutlich wird der Druck in der Textilbranche. Frankreich verabschiedete zum 30. Juni 2026 ein Gesetz gegen Ultra Fast Fashion. Es sieht Werbeverbote und einen Produktionsmalus für Unternehmen vor, die extrem hohe Stückzahlen auf den Markt bringen.

Der Hintergrund: Ein erheblicher Teil der getesteten Produkte entspricht gängigen Normen nicht. Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe im Frühjahr belegten massive Grenzwertüberschreitungen bei Schadstoffen – etwa bei Weichmachern und PFAS. Betroffen war der Anbieter Shein.

Anzeige

Die zunehmende Regulierung erfordert von Unternehmen präzise Kenntnisse über ihre Lieferketten und Compliance-Pflichten. Dieser kostenlose Download mit Checkliste zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die gesetzlichen Sorgfaltspflichten ohne unnötigen Aufwand erfüllen und compliant bleiben. EU-Entwaldungsverordnung: So erfüllen Sie Ihre Sorgfaltspflichten ohne Aufwand

Die Branche reagiert. Das U.S. Cotton Trust Protocol setzt seit Mai 2026 auf forensische Isotopenanalysen. Damit soll die Herkunft von Baumwolle physisch abgesichert werden. Lieferkettennachweise werden so belastbarer.

Mittelstand kämpft mit Nachhaltigkeitsregulierung

Die Umsetzung komplexer Sorgfaltspflichten überfordert viele Unternehmen. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt: Knapp die Hälfte der Firmenkunden ist bei der Erhebung von Nachhaltigkeitsdaten überfordert.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe kritisiert die zunehmend datengetriebene Regulierung. Sie schaffe hohe bürokratische Hürden. Gefordert wird eine wirkungsorientierte Bewertung mit vereinfachten Standards.

Anzeige

Experten warnen davor, dass neue Verordnungen viele Unternehmen unvorbereitet überraschen und zu rechtlichen Risiken führen können. Ein Gratis-Report und eine praktische Checkliste helfen Ihnen dabei, Compliance-Risiken schnell zu erkennen und proaktiv zu vermeiden. Experten-Checkliste zur EU-Verordnung jetzt kostenlos herunterladen

Parallel laufen die Vorbereitungen auf neue Transparenzregeln. Die EU-Richtlinie EmpCo wird ab dem 27. September 2026 verbindlich. Sie soll Verbraucher für den ökologischen Wandel stärken.

Dienstleister wie ClimatePartner bieten bereits Zertifizierungsprogramme an. Unabhängige Prüfstellen wie die DEKRA sollen Klimaschutzangaben kontrollieren. Ziel: eine rechtssichere Kommunikation ökologischer Leistungen.

Fortschritte bei der Entwaldungsverordnung

Auch bei der EU-Entwaldungsverordnung zeichnen sich Erfolge ab. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Umwelthilfe belegt: Die Mehrheit der befragten Unternehmen bewertet die Regeln positiv.

Allerdings bestehen weiterhin Defizite. Einige Handelsunternehmen prüfen ihre Lieferketten nicht systematisch genug. Hier bleibt Nachbesserungsbedarf – sonst drohen empfindliche Strafen.

de | wirtschaft | 69669026 |