Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU und Bund straffen Regeln deutlich
11.06.2026 - 16:57:34 | boerse-global.de
Europäische Union und Bundesregierung reagieren damit auf den wachsenden Druck aus der Wirtschaft.
Neuer Praxisbeirat nimmt Arbeit auf
Deutschland bekommt einen verkleinerten Sustainable-Finance-Praxisbeirat. Das Gremium umfasst nur noch 20 Mitglieder – halb so viele wie sein Vorgänger. Ziel sind praxisnahe Vorschläge zur Regulierungsvereinfachung.
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Finanzminister Klingbeil und Umweltminister Schneider beriefen unter anderem Silke Stremlau, Gerald Podobnik von der Deutschen Bank und Bettina Storck von der Commerzbank. „Sustainable Finance muss zum strategischen Erfolgsfaktor werden", betonten die Minister am gestrigen Dienstag. Privates Kapital soll stärker für die Transformation mobilisiert werden.
Berichte werden kürzer – Schätzungen bleiben Standard
Eine aktuelle KPMG-Studie zeigt: Die Berichterstattung nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) etabliert sich. Die Analyse von 40 Nachhaltigkeitsberichten der Saison 2025/26 aus Österreich belegt einen klaren Trend zur Straffung.
Der durchschnittliche Umfang sank von 168 auf 143 Seiten. Doch die Datenlage bleibt schwierig: 95 Prozent der untersuchten Unternehmen nutzen Schätzungen für ihre Angaben. Zentrale Themen sind Klimawandel, Personal und Unternehmensführung.
EU plant Erleichterungen für Mittelstand
Die EU-Kommission arbeitet an einem neuen freiwilligen Standard für Firmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern. Der Entwurf ersetzt den bisherigen VSME-Ansatz und wurde bereits von 66 auf 29 Seiten gestrafft.
Ein sogenannter „Value-Chain-Cap" soll verhindern, dass Großkonzerne von ihren kleineren Partnern Daten über diesen Standard hinaus verlangen. Parallel dazu veröffentlichte die Science Based Targets initiative (SBTi) Version 2 ihres Corporate Net-Zero Standard. Langfristziele sind nicht mehr zwingend, stattdessen rücken Fünfjahreszyklen mit jährlichem Reporting in den Fokus. Ab 2035 wird der Kauf von CO2-Entfernungszertifikaten für einen Teil der Restemissionen Pflicht.
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Gericht stoppt irreführende Klimaversprechen
Das Landgericht Köln erließ ein Versäumnisurteil gegen Bayer. Der Konzern hatte mit Netto-Null-Emissionszielen bis 2050 geworben – ohne konkrete Maßnahmen zu benennen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte geklagt.
Während die Justiz die Werbeversprechen korrigiert, investiert die Industrie in echte Emissionsminderung. Aurubis weihte in Hamburg eine Abluftanlagenerweiterung ein. Die 115 Millionen Euro teure Anlage soll diffuse Emissionen um bis zu 80 Prozent senken. Auch Julius Meinl meldet Fortschritte: Seit Ende 2025 bezieht das Unternehmen ausschließlich verantwortungsvoll ausgewählten Kaffee für seine Röstereien in Wien und Vicenza und senkte die Emissionen pro Röstvorgang technologisch deutlich.
