Nachhaltigkeitsberichterstattung, Pflichtangaben

Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU senkt Pflichtangaben um über 60%

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 22:47 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission will die Berichtspflichten um über 60 Prozent reduzieren und so die Kosten für Unternehmen senken.

EU plant drastische Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichte
Abstrakte Darstellung von Zahnrädern und leuchtenden Datenpunkten, die vereinfachte Berichterstattung und reduzierte Bürokratie symbolisieren. Im Hintergrund ein aufwärts gerichtetes Diagramm. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Berichtskosten sollen um mehr als 30 Prozent sinken.

Konkret plant die EU, die Zahl der Pflichtangaben um über 60 Prozent zu reduzieren. Bezogen auf alle Datenpunkte sind es sogar mehr als 70 Prozent. Für kleine und mittlere Unternehmen ist ein freiwilliger Standard vorgesehen.

Holger Schwannecke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt den Schritt. Er spricht von einer notwendigen Entlastung für den Mittelstand.

Unternehmen zeigen mehr soziales Engagement

Trotz wachsendem gesellschaftlichem Druck engagieren sich Firmen stärker. Der Bericht „State of Corporate Purpose 2026“ zeigt: Die Spendenbereitschaft stieg um acht Punkte. Für 2025 wird das weltweite Spendenvolumen auf rund 2,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Fast 1,87 Millionen Mitarbeiter leisteten im vergangenen Jahr rund 24 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit. 94 Prozent der CEOs unterstützen entsprechende Programme. Allerdings verändert sich die Zielrichtung: Die Förderung von Minderheiten-Organisationen sank von 62 auf 36 Prozent.

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Künstliche Intelligenz spielt bei Nachhaltigkeitsstrategien noch keine große Rolle. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen haben KI fest in der Planung verankert.

Konkrete Erfolge in der Praxis

Mehrere Unternehmen legten kürzlich ihre Nachhaltigkeitsberichte für 2025 vor. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) bauten ihre Photovoltaik-Leistung um 6,8 Megawatt-Peak aus. Ihre Wasserstoffbusflotte wuchs auf 52 Fahrzeuge. Über 1.250 Mitarbeiter investierten mehr als 1,5 Millionen Euro in lokale Erneuerbare-Energien-Projekte.

Coca-Cola HBC Österreich meldet eine Pfandsammelquote von 81,5 Prozent – über dem eigenen Ziel. Der Standort Edelstal läuft bereits seit Jahren komplett mit Ökostrom.

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Im Bausektor setzt Haas Fertigbau auf den EMPCO-Standard für Umweltkennzahlen. Das Unternehmen plant für 2026 einen Gruppenumsatz von rund 225 Millionen Euro.

Geekvape steigerte die Zahl neuer Zertifizierungen um über 38 Prozent auf mehr als 9.600. Das Unternehmen führt mittlerweile ein Compliance-Risikoverzeichnis für über 80 Länder.

Strengere Regeln für Stimmrechtsberater

Während die EU die Berichtsstandards lockert, plant die Schweiz das Gegenteil. Der Bundesrat will Stimmrechtsberater wie ISS und Glass Lewis stärker regulieren. Diese Dienstleister beeinflussen einen erheblichen Teil der Stimmen bei Hauptversammlungen – ISS rund 23 Prozent, Glass Lewis etwa 14 Prozent.

Künftig sollen sie potenzielle Interessenkonflikte offenlegen müssen. Die Vernehmlassung dazu läuft bis September.

Parallel dazu steht die Autoindustrie vor einem Umbruch. Volkswagen-Chef Oliver Blume kündigte die umfassendste Neuausrichtung der Konzerngeschichte an. Die Modellpalette soll halbiert werden, die Zahl der Ausstattungsvarianten um drei Viertel sinken. Mögliche Werksschließungen in Hannover, Emden oder Zwickau sowie ein substanzieller Stellenabbau stehen im Raum.

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