Nachhaltigkeitsberichte: KMU sparen mit Software bis zu 75 Prozent
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung massiv unter Druck. Das EU-Omnibus-Paket entlastet viele zwar formal von Berichtspflichten – doch Banken, Investoren und Auftraggeber fordern die Daten weiterhin ein. Neue Softwarelösungen und der freiwillige VSME-Standard sollen den Verwaltungsaufwand nun deutlich senken.
ESG-Software spart bis zu 75 Prozent Aufwand
Spezialisierte Software reduziert den Verwaltungsaufwand für Nachhaltigkeitsberichte um bis zu 75 Prozent. Das zeigen aktuelle Marktbeobachtungen. Die digitalen Werkzeuge erfassen und bereiten Daten gemäß dem VSME-Standard (Voluntary Small and Medium-Sized Enterprises) auf – und sparen so Zeit und Kosten.
Auch künstliche Intelligenz hält Einzug in die Berichterstattung. Ein neues Analyse-Tool etwa verkürzt die Vorbereitungszeit für Berichte nach den GRI-Standards (Global Reporting Initiative) um schätzungsweise 60 Prozent. Es gleicht vorhandene Unternehmensdokumente automatisch mit regulatorischen Anforderungen ab. Die abschließende Prüfung und Freigabe bleibt jedoch in der Verantwortung der Unternehmen.
VSME-Standard: Freiwilliger Rahmen für KMU
Der von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) entwickelte VSME-Standard richtet sich an Unternehmen, die nicht unter die strenge CSRD-Pflicht fallen. Er strukturiert die freiwillige ESG-Berichterstattung und unterscheidet nach Unternehmensgrößen:
- Kleinstunternehmen: Bilanzsumme unter 450.000 Euro, weniger als 10 Mitarbeiter
- Kleine Unternehmen: Bilanzsumme unter 5 Millionen Euro, weniger als 50 Mitarbeiter
- Mittelgroße Unternehmen: Bilanzsumme unter 25 Millionen Euro, weniger als 250 Mitarbeiter
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Obwohl die Pflicht formal entfällt, verlangen Finanzinstitute und Großkunden zunehmend Nachhaltigkeitsdaten. Ein strukturierter Bericht nach etablierten Standards kann die Kreditwürdigkeit verbessern und die Position als Zulieferer sichern. Die Esslinger AG etwa will bereits für das Geschäftsjahr 2025 einen ersten VSME-Bericht veröffentlichen.
Neue Regeln für Verpackungen und Nicht-EU-Konzerne
Ab August 2026 müssen Unternehmen die Konformität ihrer Verpackungen mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) nachweisen. Vorgaben betreffen Stoffbeschränkungen, technische Dokumentation und Recyclingfähigkeit. Prüfinstitute und Softwareanbieter verknüpfen dafür Laboranalytik mit digitalem Compliance-Management.
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Auch für Nicht-EU-Konzerne wird es strenger: Die EFRAG veröffentlichte am 23. Juli 2026 den Entwurf ESRS-40a. Unternehmen mit über 450 Millionen Euro EU-Umsatz müssen künftig Nachhaltigkeitsberichte vorlegen. Die Konsultation läuft bis zum 31. Oktober 2026, erste Berichte werden für 2029 erwartet. Experten schätzen, dass bis zu 800 Konzerne betroffen sein könnten – die meisten mit Sitz in den USA, Großbritannien, Japan oder der Schweiz.
Industrie setzt auf CO?-Daten und Produktpässe
Die Praxis zeigt: Immer mehr Betriebe erfassen ihren ökologischen Fußabdruck detailliert. Kaiserkraft aus der Takkt-Gruppe hat für rund 60.000 Produkte – etwa 90 Prozent des Portfolios – Product Carbon Footprint (PCF) Daten integriert. Die Berechnungen folgen dem GHG Protocol und der Norm ISO 14067.
Andere setzen auf digitale Produktpässe: Die Grabher Group erhielt eine Zertifizierung für ihre technischen Vliese auf Basis des EU Digital Product Passport. Parallel investieren Unternehmen in die Dekarbonisierung. Beko meldete für 2025 erhebliche Einsparungen bei Energie und Wasser – der Anteil erneuerbarer Energien stieg auf über 63 Prozent. Bis Ende 2026 will der Hersteller 17 Smart Factories betreiben.
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