Bio-Produkte, Dämpfer

Nach einem Dämpfer 2022 greifen die Menschen in Deutschland wieder verstärkt zu Bio-Produkten.

13.02.2024 - 16:30:23

Bio-Produkte sind wieder stärker gefragt. Am stärksten profitieren davon Discounter. Doch auch hier stoßen Kundinnen und Kunden auf höhere Preise.

Ob beim Griff ins Milchregal, bei Eiern oder Gemüse - Bio-Lebensmittel sind bei den Menschen in Deutschland wieder stärker gefragt. Für biologisch hergestellte Produkte gaben Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr 16,1 Milliarden Euro aus. Das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mitteilte. 2022 war der Umsatz mit Bio-Produkten angesichts der hohen Inflation und der gedämpften Kauflaune der Bürger noch gesunken. Nun komme die Branche wieder aus der Krise, bilanzierte die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres in Nürnberg.

Auf der weltgrößten Naturkostmesse Biofach - parallel veranstaltet mit der Naturkosmetikmesse Vivaness - verbreitete der Branchenverband Optimismus. So legten die Bio-Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel 2023 laut BÖLW um 7,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro zu. Im Bio-Fachhandel betrug der Umsatz 3,2 Milliarden Euro, bei Reformhäusern, in Hofläden und im Online-Handel wurden 2,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Im Einzelhandel entfiel der größte Anteil der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln (40 Prozent) auf Discounter. Bio-Läden und Bio-Supermärkte konnten ihre Umsätze 2023 demnach nur leicht steigern. Zu schaffen machte ihnen die weiter hohe Inflation und im Fachhandel sehr preissensible Kundinnen und Kunden. 

Mit einem Abflachen der Inflation verzeichnete aber auch der Bio-Fachhandel 2023 wieder steigende Umsätze, wie der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) jüngst bestätigte. Mit 3,83 Milliarden Euro lag der Umsatz der reinen Bio-Läden 2023 rund 0,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahlen des BNN umfassen die Umsätze aller Bio-Märkte und aller Supermärkte mit reinem Bio-Angebot.

Getragen wird das Umsatzwachstum beim Blick auf die gesamte Bio-Branche nach Angaben des BÖLW vor allem von gestiegenen Preisen und einer stabilen Verkaufsmenge. Auch Marktanalystin Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sieht die gestiegenen Preise als Hauptgrund für das Umsatzwachstum im Bio-Bereich. Im Schnitt wurden Bio-Lebensmittel im vergangenen Jahr um fünf Prozent teurer, bei Lebensmitteln generell betrug der Preisanstieg neun Prozent. Zugleich fiel das Umsatzwachstum bei konventionellen Lebensmitteln geringer aus als der Anstieg der Preise, beobachtete Analystin Schaack.

Auch der Konsumgüter-Experte David Georgi vom Marktforscher NIQ bestätigte diesen Trend: «Bio-Lebensmittel waren auf den ersten Blick bisher überraschend resilient, was den Inflationseinfluss angeht.» Auf den zweiten Blick zeigten sich allerdings die Auswirkung des Sparzwangs auf die Konsumenten. Innerhalb der Bio-Lebensmittel seien fast ausschließlich die Eigenmarken gewachsen, teilte Georgi mit. In wachsenden Bio-Sortimenten und einer teils großen Preis-Lücke zwischen Discount und Fachhandel sieht der Experte «massive Risikofaktoren».

Der Branchenverband BÖLW verkündete unterdessen einen weiteren Anstieg der Bio-Anbaufläche in Deutschland. Im Umfang von mehr als 300 Fußballfeldern habe die ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche im vergangenen Jahr zugenommen und betrage nun rund 1,94 Millionen Hektar. Damit werden mittlerweile knapp 12 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland ökologisch bewirtschaftet.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist ein Anteil der Bio-Landwirtschaft von 30 Prozent an allen Flächen bis 2030. Laut Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) kommt es für mehr Bio außerdem darauf an, dass mehr Höfe mitmachen. Ihre Zahl blieb 2023 mit rund 36 500 und einem Anteil von 14,3 Prozent aller Betriebe aber weitgehend gleich.

Dass auf dem Markt mit Bio-Produkten noch Luft nach oben ist, zeigt auch ein Blick in Deutschlands Nachbarländer. Lag der Pro-Kopf-Umsatz mit Bio-Produkten 2022 hierzulande bei 184 Euro, gaben die Österreicherinnen und Österreicher 287 Euro aus. Und in der Schweiz betrug der Wert zuletzt umgerechnet 441 Euro.

@ dpa.de