Galeria Insolvenz, Insolvenzgeld

Galeria-Insolvenzgeld: Beschäftigte können auf Auszahlung hoffen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem erneuten Insolvenzantrag von Galeria warten rund 83.000 Beschäftigte auf die Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit zum Insolvenzgeld. Ein juristischer Ansatz könnte die Auszahlung trotz der früheren Insolvenz ermöglichen.

  • Galeria betreibt 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Galeria betreibt 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Das letzte Quartal des Jahres ist im Einzelhandel traditionell besonders wichtig. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Das letzte Quartal des Jahres ist im Einzelhandel traditionell besonders wichtig. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Galeria betreibt 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Das letzte Quartal des Jahres ist im Einzelhandel traditionell besonders wichtig. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Nach dem erneuten Insolvenzantrag von Galeria könnte das Insolvenzgeld für die Beschäftigten trotz der Insolvenz von 2024 gezahlt werden.

Entscheidung der Arbeitsagentur steht aus

Die rund 83.000 Beschäftigten warten auf die Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit. Viele Insolvenzrechtsexperten hatten zunächst bezweifelt, dass die Leistung erneut gezahlt werden kann, weil Galeria sich wegen des früheren Verfahrens weiterhin in der Planüberwachung befindet.

Nach dpa-Informationen könnten die Aussichten besser sein als zunächst erwartet. Zwar existiert die 2024 insolvent gewordene Galeria Karstadt Kaufhof GmbH noch. Die Geschäftstätigkeit wurde jedoch auf die Galeria S.à r.l. & Co. KG übertragen, die laut gerichtlichen Registereinträgen nicht in der Planüberwachung steht.

Juristische Bewertung bleibt entscheidend

Der Insolvenzexperte Manfred Hunkemöller hält eine Zahlung für möglich, wenn ein Arbeitgeberwechsel stattgefunden habe und die übrigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Der Bonner Rechtsprofessor Gregor Thüsing verweist dagegen darauf, dass die bloße Existenz einer anderen juristischen Person nicht ausreiche.

Entscheidend sei, ob ein neues Insolvenzereignis vorliege und die neue Gesellschaft insolvenzgeldrechtlich tatsächlich als anderer Arbeitgeber gelte. Das Bundessozialgericht biete dafür Ansatzpunkte: Bei einem Arbeitgeberwechsel während eines Sanierungsverfahrens könne ein anderes Insolvenzereignis gerechtfertigt sein.

Vorfinanzierung über eine Bank geplant

Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus hat nach dpa-Informationen Insolvenzgeld beantragt. Die Leistung soll über eine Bank vorfinanziert und dadurch schneller ausgezahlt werden. Die monatliche Lohnsumme der Beschäftigten beträgt dem Vernehmen nach knapp 25 Millionen Euro.

Finanzielle Probleme vor dem Weihnachtsgeschäft

Galeria war bereits im Frühjahr unter finanziellen Druck geraten. Vermieter berichteten von ausbleibenden Mietzahlungen, während die Geschäftsführung auf Liquiditätsschwankungen verwies. Im Juni erhielt die Warenhauskette eine mit Waren abgesicherte Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro vom US-Investor Gordon Brothers.

Zwischen Eigentümern und Geschäftsführung gab es nach dpa-Informationen seit längerem Differenzen über die Neuausrichtung. Miteigentümer Bernd Beetz kritisierte den Insolvenzantrag öffentlich als vermeidbar. Den Verantwortlichen werden unter anderem zu langsame Veränderungen und zu geringe Investitionen in den Filialen vorgeworfen.

Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze

In mehreren Häusern sind Rolltreppen, Fahrstühle und Lüftungsanlagen defekt. Zugleich setzen die Beschäftigten auf das traditionell umsatzstarke letzte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft. Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld seien die Umsätze und die Kundenfrequenz vielerorts trotz des Insolvenzantrags ordentlich.

Für eine Fortführung muss Galeria nach gut zwei Jahren erneut neue Gesellschafter finden. Ohne eine solche Lösung dürfte das Unternehmen nach dpa-Informationen nicht weitergeführt werden.

Wiederholte Sanierungen ohne dauerhafte Stabilität

Galeria steht nach den Insolvenzen von 2020, 2022 und 2024 erneut vor einem Verfahren. In den früheren Sanierungsrunden wurden zahlreiche Standorte geschlossen und Verbindlichkeiten reduziert. Die aktuelle Lage zeigt, dass kurzfristige Entlastungen allein die strukturellen Probleme des Warenhausgeschäfts nicht gelöst haben.

Der stationäre Einzelhandel steht unter Druck: Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten, hohe Mieten und große Verkaufsflächen belasten das klassische Warenhausmodell. Galeria betreibt nach den vorangegangenen Einschnitten noch 83 Filialen. Im Juli wurden 33 Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft; damit verbindet sich für viele Beschäftigte und Städte die Frage, welche Häuser langfristig tragfähig sind.

Bedeutung für Beschäftigte und Innenstädte

Die Entscheidung über das Insolvenzgeld ist für die Beschäftigten kurzfristig entscheidend, weil es die Zahlung von Löhnen in der Insolvenzphase absichern kann. Nach dpa-Informationen belaufen sich die monatlichen Gehälter auf knapp 25 Millionen Euro. Eine Vorfinanzierung über eine Bank könnte die Auszahlung beschleunigen, falls die Bundesagentur für Arbeit dem Antrag zustimmt.

Für die Innenstädte geht es zugleich um mehr als einzelne Arbeitsplätze. Warenhäuser dienen häufig als Frequenzbringer für benachbarte Geschäfte und die Gastronomie. Schließungen könnten deshalb lokale Handelslagen schwächen; zugleich eröffnen leer werdende Großimmobilien Möglichkeiten für Mischnutzungen mit Handel, Dienstleistungen, Bildung, Gastronomie und Wohnen.

Entscheidung unter hohem Zeitdruck

Galeria muss nun parallel die laufenden Geschäfte stabilisieren, die Finanzierung sichern und neue Gesellschafter finden. Das Weihnachtsgeschäft ist traditionell besonders wichtig für den Einzelhandel. Ob höhere Umsätze ausreichen, hängt jedoch davon ab, ob das Unternehmen zusätzlich ein tragfähiges Standort- und Sortimentskonzept vorlegen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: Diese sechs Filialen in Niedersachsen sind betroffen“ (07.10.2026)

Der Bericht bestätige den erneuten Insolvenzantrag und stelle die Folgen für 672 Beschäftigte in Niedersachsen und Bremen heraus. Er lege den Schwerpunkt auf regionale Reaktionen, die Bedeutung der Warenhäuser für Innenstädte und mögliche Nachnutzungen; die Frage des Insolvenzgeldes bleibe auch dort offen.

FOCUS online: „Experten zu 4. Galeria-Insolvenz: ‚Es wird Zeit von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln‘ – 12.000 Mitarbeiter bangen“ (06.10.2026)

Der Artikel ordne die vierte Insolvenz als Folge wiederkehrender Schwächen bei Geschäftsmodell, Führung und Investitionen ein. Er betone, Schuldenschnitte, Insolvenzgeld und neue Kredite verschafften lediglich kurzfristige Entlastung, während eine Fortführung mit weniger Standorten möglich bleibe; die aktuelle Entscheidung über das Insolvenzgeld behandle er nicht im gleichen Detail.

Beide Berichte bestätigten die erneute Insolvenz und die Unsicherheit für die Beschäftigten. Während der NDR die regionalen Folgen und Innenstadtentwicklung hervorhebe, konzentriere sich FOCUS online stärker auf die langfristige Sanierungs- und Wettbewerbsfähigkeit; offen bleibe insbesondere, welche Standorte und welche Unternehmensstruktur Bestand haben würden.

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