Murkraftwerk Laufnitzdorf: 65 Millionen Euro für den sicheren Neustart
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachmedien und zuständige Behörden rücken die notwendigen Sicherheitsprüfungen sowie die Sorgfaltspflichten bei der Wiederinbetriebnahme technischer Anlagen verstärkt in den Mittelpunkt. Ob nach gravierenden Störfällen oder im Rahmen planmäßiger Modernisierungs- und Wartungsintervalle: Das Wiederhochfahren von Produktions- und Infrastrukturanlagen stellt Betreiber vor komplexe technische, organisatorische und rechtliche Herausforderungen.
Lehren aus Störfällen und Grenzen technischer Sicherheit
Die Wiederinbetriebnahme der Sondermüllverbrennungsanlage der Currenta in Leverkusen-Bürrig, die vor fünf Jahren durch eine schwere Explosion mit Folgebrand beschädigt worden war, wurde durch den Gutachter Prof. Dr. Christian Jochum gutachterlich begleitet.
Im Zentrum der fachlichen Aufarbeitung standen die Lehren aus dem Ereignis, die Grenzen technischer Sicherheitskonzepte sowie das Zusammenspiel von Vertrauen und regulatorischen Vorschriften.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund, die als Zentralstelle für die Verfolgung von Umweltkriminalität in Nordrhein-Westfalen zuständig ist, veröffentlichte vor wenigen Wochen ihre detaillierten Erkenntnisse zur Ursache des Unglücks.
Behördliche Kontrollen und rechtliche Prüfpflichten
Nicht nur verfahrenstechnische Großanlagen unterliegen strengen Auflagen vor und während des Betriebs. Auch kleinere gewerbliche und private Installationen verlangen geregelte Kontrollschritte.
Das Landratsamt Reutlingen wies darauf hin, dass Tankanlagen für Heizöl, Diesel, Benzin oder Altöl je nach Lagervolumen, Aufstellungsart und Lage in Schutz- oder Überschwemmungsgebieten einmalig oder wiederkehrend durch anerkannte Sachverständigenorganisationen geprüft werden müssen.
Grundlage hierfür bildet die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen. Das Versäumnis dieser gesetzlichen Prüfpflichten stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.
Wer sich mit der rechtssicheren Dokumentation von Prüfpflichten befasst, findet in diesen praxiserprobten Vorlagen eine wertvolle Unterstützung für den Arbeitsalltag. Die kostenlosen Checklisten helfen Sicherheitsfachkräften dabei, Gefährdungsbeurteilungen schnell und behördenkonform zu erstellen. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen
Modernisierung und kontrollierter Wiederanlauf in der Praxis
Dass Wiederinbetriebnahmen nach umfangreichen Ertüchtigungen auch unter zeitlichem Druck sicher umgesetzt werden können, zeigen Beispiele aus der Energie- und Fertigungsindustrie. Das Energieunternehmen VERBUND nahm das Murkraftwerk Laufnitzdorf in Frohnleiten nach einer Investition von 65 Millionen Euro in die Modernisierung des 95 Jahre alten Standorts wieder in Betrieb.
Die Anlage, deren Revitalisierung im Herbst 2024 begann, erzielte durch neue Turbinen und Generatoren im Krafthaus sowie den Einbau zweier je 120 Tonnen schwerer Wehrwalzen an der Wehranlage Mixnitz eine Leistungssteigerung von über 30 Prozent.
Im Automobilsektor modernisierte der Anlagenbauer Dürr während des dreiwöchigen Sommerumbaus die Halle 9 im Volkswagen-Werk Wolfsburg. Das Projekt umfasste unter anderem drei thermische Abluftreinigungsanlagen mit bis zu 18 Tonnen schweren Aggregaten sowie Decklackstationen.
Zeitweise arbeiteten über 150 Personen im Schichtbetrieb auf engem Raum. Durch die Einhaltung standardisierter Abläufe erfolgten die technische Abnahme und der Wiederanlauf vorzeitig und ohne Arbeitsunfälle.
Neben der technischen Abnahme ist die rechtssichere Unterweisung der Mitarbeiter an modernisierten Maschinen eine zentrale Pflicht für jeden Betrieb. Diese kostenlose Word-Vorlage unterstützt Sicherheitsbeauftragte dabei, individuelle Betriebsanweisungen in wenigen Minuten rechtssicher zu finalisieren. Rechtssichere Betriebsanweisung für Maschinen in wenigen Minuten erstellen
Erweiterte Anforderungen an Betriebsprozesse und Cybersicherheit
Zunehmend erweitert sich der Begriff der Anlagensicherheit über rein mechanische und verfahrenstechnische Schutzmaßnahmen hinaus. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlichte eine Sicherheitsempfehlung zur Gefährdung durch internetverbundene OT-Systeme, die sich an Betreiber industrieller Anlagen richtet.
BSI-Präsidentin Claudia Plattner forderte darin die konsequente Trennung operativer Steuerungen vom öffentlichen Internet, um unbefugte Fernzugriffe auf kritische Steuerungsprozesse zu unterbinden.
Für Störungen vor und während des Anlagenbetriebs empfiehlt das Unternehmen Garlway ein strukturiertes Verfahren bei Geräteanomalien. Der Ablauf umfasst den sofortigen Stopp samt Sicherung über Lockout/Tagout, eine fundierte Ursachendiagnose, die Instandsetzung nach Spezifikation sowie eine lückenlose Dokumentation, um Risiken vor der erneuten Betriebsfreigabe wirksam zu minimieren.
