München, Olympiadorf

München darf sich bewerben: Olympiadorf für bis zu 16.000 Menschen geplant

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DOSB bestimmte München zum deutschen Bewerber; die IOC-Entscheidung über den Austragungsort fällt 2029.

München darf sich für Olympische Sommerspiele 2036 bis 2044 bewerben
Ein weitläufiges städtebauliches Entwicklungsgebiet in München bei Dämmerung mit vorbereiteten Bauflächen und neuen Verkehrsachsen. Illustration mit AI erstellt.

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden hat entschieden, dass sich die bayerische Landeshauptstadt München für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben darf.

München setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit 91 zu 50 Stimmen gegen die gemeinsame Initiative aus Köln und der Region Rhein-Ruhr durch. Das Wahlergebnis verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Seite von DOSB-Präsident Thomas Weikert.

Insgesamt waren 141 Stimmen wahlberechtigt, darunter 126 Stimmen der 42 olympischen Spitzenverbände, zehn Stimmen des DOSB-Präsidiums sowie persönliche Mitglieder mit jeweils einer Stimme. Die persönlichen Mitglieder Leon Goretzka, Anna Schaffelhuber und Elena Gilles hatten ihre Teilnahme abgesagt.

In der vorangegangenen DOSB-Evaluierung erreichte München 87,03 Punkte und lag damit vor Köln/Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten. Berlin hatte zuvor 74,64 Punkte erzielt, die Bewerbung jedoch nach der dortigen Abgeordnetenhauswahl zurückgezogen.

Großprojekte für Wohnungsbau und Nahverkehr

Die Bewerbung ist eng mit weitreichenden städtebaulichen und infrastrukturellen Maßnahmen verknüpft. Als städtebauliches Kernprojekt ist ein neues Olympiadorf im Münchner Nordosten bei Daglfing vorgesehen, das Wohnraum für bis zu 16.000 Athleten und Betreuer bieten soll. Das Konzept sieht vor, dass 90 Prozent der Sportstätten in einem Radius von unter 30 Kilometern um das Dorf liegen.

Zur Anbindung sind umfangreiche Projekte im öffentlichen Personennahverkehr geplant. Dazu zählen eine Verlängerung der U-Bahn-Linie U4 zum Olympiadorf, der Neubau der U-Bahn-Linie U9 mit fünf neuen Stationen – darunter an der Theresienwiese – sowie der S-Bahn-Nordring. Ebenfalls vorgesehen sind der viergleisige Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen sowie eine eigene Trasse auf der Schiene für den olympischen Verkehr.

Neben den Neuinvestitionen soll der Olympiapark von 1972 erneut als Herzstück dienen. Geplant ist zudem die Weiternutzung früherer Wettkampfstätten wie der Ruderregattaanlage in Oberschleißheim und der Reitanlage in Riem.

Sanierungsbedarf besteht an der Reitanlage Riem, der Ruderregattastrecke Oberschleißheim, dem Grünwalder Stadion, der Olympiaschwimmhalle und dem Dantebad; das Dach des Olympiastadions soll saniert sein. Bis auf Fußballspiele in Stuttgart und Segelwettbewerbe in Kiel sollen alle weiteren Wettkämpfe innerhalb Bayerns stattfinden.

Kosten, Finanzierungszusagen und Reaktionen

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause kalkuliert im Falle eines Zuschlags durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Gesamtkosten von 10 Milliarden Euro. Davon entfallen nach seinen Angaben jeweils 5 Milliarden Euro auf Event-Kosten und Infrastrukturmaßnahmen.

Anzeige

Die DOSB-Mitgliederversammlung hat München als deutschen Bewerber für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bestätigt — verbunden mit einem geplanten Olympiadorf für bis zu 16.000 Menschen bei Daglfing und milliardenschweren ÖPNV-Projekten. Wer im Münchner Nordosten investiert ist, sollte die Standort- und Finanzierungsfragen früh einordnen. Kostenlosen Standort-Report jetzt anfordern

Krause forderte zudem beschleunigte Planungsverfahren und bezeichnete das Votum als riesige Chance, während Bürgermeisterin Verena Dietl eine transparente Planung und Finanzierung zusicherte.

Unterstützung kommt von Bund und Land. Ministerpräsident Markus Söder betonte, dass der Freistaat und der Bund die finanziellen Lasten mittragen würden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gab eine entsprechende Zusage der Bundesregierung und erklärte, Deutschland wolle und könne sich Olympische Spiele leisten.

Rückendeckung signalisierte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Vertreter von Verbänden wie dem Bündnis PRO Olympia, dem Bayerischen Landes-Sportverband, der vbw und der BIHK äußerten sich ebenfalls erfreut über den Zuschlag.

Kritik äußerten hingegen Kommunalpolitiker wie Anne Hübner von der SPD und Stefan Jagel von den Linken, die fehlende Mittel für Soziales, Kultur und die Wohnungsförderung bemängelten. Die Linke München bezeichnete das Vorhaben als verfehlt und warnte vor steigenden Lebenshaltungskosten sowie neuen Schulden. Einwände kamen zudem vom Bündnis NOlympia sowie dem Bund Naturschutz.

Weiterer Zeitplan im internationalen Wettbewerb

Für München folgt der Beschluss auf ein lokales Bürgervotum vom 26. Oktober 2025, bei dem sich eine Mehrheit von 66,42 Prozent für die Pläne ausgesprochen hatte. Zuvor war eine Bewerbung für die Winterspiele 2022 im Jahr 2013 am Bürgervotum gescheitert. Deutschland verzeichnete seit den Spielen 1972 insgesamt sieben erfolglose Bewerbungen.

Anzeige

Kritiker warnen vor steigenden Lebenshaltungskosten und neuen Schulden, während Bund und Freistaat die Finanzierung mittragen wollen — die IOC-Vergabe fällt erst 2029. Für Eigentümer und Investoren im Münchner Nordosten lohnt der nüchterne Blick auf die Risikoseite: Was, wenn die Bewerbung scheitert? Risiko-Report Olympia-Finanzierung sichern

Die erste Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die strategischen Verhandlungen mit dem IOC laufen bis Ende 2028, bevor das IOC im Sommer 2029 über die Vergabe entscheidet.

Zu den internationalen Konkurrenten zählen unter anderem Ahmedabad, Doha, Istanbul, Budapest, Santiago de Chile und Madrid; zudem liegen Signale aus London vor. Diskutiert wird auf internationaler Ebene auch eine Doppelvergabe für 2036 und 2040.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70187094 |