Modebranche ab 19. Juli: Neue EU-Regeln für Nachhaltigkeit und Transparenz
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 22:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ab dem 19. Juli 2026 gelten für die europäische Modeindustrie weitreichende neue Verpflichtungen zur Nachhaltigkeit. Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) und die neue Ökodesign-Verordnung (ESPR) treten in Kraft. Ziel der EU-Maßnahmen: mehr Transparenz und Umweltschutz entlang globaler Lieferketten.
Digitaler Produktpass und Vernichtungsverbot
Ein zentrales Element ist der digitale Produktpass. Er liefert künftig detaillierte Informationen über Herkunft, Materialzusammensetzung und Reparierbarkeit von Kleidungsstücken. Parallel dazu gilt ein striktes Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe – zunächst für große Unternehmen. Nur in Ausnahmefällen darf Neuware noch entsorgt werden, etwa wenn Spenden scheitern oder eine Aufbereitung wirtschaftlich unzumutbar ist.
Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Branchenvertreterin Stephanie Essack vom Modehaus Ramelow beschreibt die Stimmung im Handel angesichts der neuen Hürden als zwiespältig. Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine Verschärfung der Ausnahmeregelungen – das Vernichtungsverbot müsse effektiver durchgesetzt werden.
Lieferkettengesetz: Koalition uneins
Die neuen Regeln ergänzen das EU-Lieferkettengesetz. Um dessen Ausgestaltung wird in Deutschland weiter gerungen. Nachdem das EU-Parlament im Dezember 2025 für eine abgeschwächte Version stimmte, bleiben die Fronten in der Bundesregierung verhärtet. Kanzler Merz fordert eine vollständige Aufhebung des Gesetzes. Finanzminister Klingbeil sprach sich bereits Mitte 2025 für die europäischen Standards aus.
Das Gesetz soll schrittweise kommen – zunächst nur für eine begrenzte Zahl sehr großer Unternehmen. Ziel: Unternehmen für Menschenrechtsverstöße und Umweltvergehen bei Zulieferern haftbar machen.
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Menschenrechte: Kritik an EU-Abkommen
Wie schwer die Durchsetzung von Standards ist, zeigt die Kritik am EU-Migrationsabkommen mit Tunesien. 46 Organisationen, darunter Human Rights Watch, mahnen die EU-Kommission. Trotz 105 Millionen Euro für den Grenzschutz (2023) werden tunesischen Sicherheitskräften schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen – Folter und kollektive Abschiebungen.
In Deutschland diskutiert man über Standards in Rückkehrzentren außerhalb der EU. Der Europarat fordert strikte menschenrechtliche Vorgaben. Mit 7.300 Rückführungen im ersten Quartal 2026 führt Deutschland die europäische Abschiebungsstatistik an.
Fairer Handel wächst – trotz Hürden
Der Markt für nachhaltige Produkte zeigt positive Tendenz. 2025 stieg der Umsatz mit fair gehandelten Waren in Deutschland auf 2,7 Milliarden Euro – ein Plus von 4,7 Prozent. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen bei 33 Euro. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 129 Euro, in Österreich 88 Euro. Das Forum Fairer Handel fordert anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums besseren Schutz der Standards und eine Begrenzung der Marktmacht großer Konzerne.
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Auch die Finanzierung nachhaltiger Immobilien rückt in den Fokus. Am 28. Juli 2026 findet in Frankfurt ein Workshop der Initiative ENGAGE for ESG statt. Über 80 Institute nutzen bereits die bereitgestellten Vorlagen zur EU-Taxonomie. Eine kostenlose Testphase des Portals läuft noch bis Jahresende.
Im Agrarsektor verschärfen sich die Auseinandersetzungen um EU-Vorgaben. Die Aurelia-Stiftung legte Beschwerde beim UN-Compliance-Ausschuss gegen die neue EU-Gentechnik-Verordnung ein. Seit Ende Juni 2026 entfallen Risikoprüfungen und Kennzeichnungspflichten für viele gentechnisch veränderte Pflanzen.
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