Mittelstand-Krise, Investitionen

Mittelstand-Krise: Investitionen auf Tiefstand seit 1995

Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 08:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das staatliche Qualifizierungsgeld verfehlt sein Ziel: Nur wenige Hundert Beschäftigte nutzten die Förderung, während Millionen ungenutzt blieben.

Qualifizierungsgeld: Kaum genutzt, hohe Budgets unberührt
Ein ungenutzter Werkzeugkasten auf einem staubigen Fabrikboden, im Hintergrund verschwommene Industriemaschinen, symbolisiert ungenutzte Weiterbildungsförderung. Illustration mit AI erstellt.

Von April 2024 bis Dezember 2025 haben weniger als 400 Beschäftigte die Förderung beantragt.

Dabei stand allein 2024 ein Budget von 200 Millionen Euro bereit. Ausgegeben wurden davon gerade einmal 108.035 Euro. 2025 stiegen die Ausgaben leicht auf 442.408 Euro – ein Bruchteil der verfügbaren Mittel.

Streit um Sinn und Zukunft der Förderung

Die Reaktionen im politischen Berlin fallen unterschiedlich aus. Das Arbeitsministerium sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Vertreter der Grünen fordern dagegen eine praxistauglichere Weiterentwicklung.

Besonders deutlich wird die Kritik aus dem Handwerk. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hält das Qualifizierungsgeld für kleine Betriebe für irrelevant – und regt eine Abschaffung an.

Mittelstand bremst bei Investitionen

Die Zurückhaltung bei der Weiterbildung ist kein Einzelfall. Laut einer Untersuchung der DZ Bank von Mitte Juli planen nur noch 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen Investitionen für die kommenden sechs Monate. Das ist der niedrigste Wert seit 1995.

Hauptgründe: Hohe Energiekosten (67 Prozent) und gestiegene Rohstoffpreise (57 Prozent).

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Deutsche Firmen fühlen sich bei KI abgehängt

Besonders brisant ist die Lage bei Künstlicher Intelligenz. Einer KPMG-Studie zufolge fühlen sich 89 Prozent der deutschen Unternehmen unzureichend auf den KI-Einsatz vorbereitet.

Eine DIHK-Umfrage bestätigt den Befund: Zwar nutzen bereits 35 Prozent der Firmen KI-Anwendungen. Doch fast ein Drittel sieht mangelnde Akzeptanz und hohen Weiterbildungsbedarf als größte Hürden.

Industrielle Kernregionen unter Druck

In Baden-Württemberg eskaliert die Lage. Die IG Metall mobilisiert gegen Sparprogramme bei Mercedes-Benz, Porsche und Audi. Die Gewerkschaft warnt vor einem Angriff auf Tarifstandards und fordert mehr Investitionen in die Elektromobilität.

Auch anderswo wird Personal abgebaut:

  • Der Chemiekonzern Evonik plant bis 2029 weitere Stellenstreichungen in Witten und Marl – wegen hoher europäischer Energiekosten.
  • Beim Caravan-Hersteller LMC in Sassenberg wechseln zum 31. Juli 88 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft, weitere sollen Anfang 2027 folgen.
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Neue politische Steuerungsmodelle

Berlin erprobt einen anderen Weg: Seit März 2026 gibt es eine Ausbildungsplatzabgabe für Betriebe, die nicht selbst ausbilden. Mit den Einnahmen sollen zusätzliche Plätze gefördert werden. Das Ziel von 2.000 Stellen ist mit 1.344 erreichten Plätzen aber noch nicht erreicht.

Auf Bundesebene sieht ein Koalitionspapier vom Juli steuerliche Anreize für mehr Mobilität vor. Die Steuerlast auf Abfindungen soll künftig gestaffelt werden: Je schneller ein Arbeitnehmer eine neue Stelle findet, desto geringer die Abgaben. Zudem plant die Regierung, die sachgrundlose Befristung bis Ende 2030 auf bis zu 48 Monate zu verlängern – mehr Flexibilität für Unternehmen in der Transformation.

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