Mitteldeutsche Flughäfen schreiben erstmals wieder schwarze Zahlen
04.05.2026 - 15:37:41 | boerse-global.deDie Betreibergesellschaft der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden hat 2025 einen Gewinn von 10,5 Millionen Euro erzielt – nach einem Rekordverlust von 53,5 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 8,2 Prozent auf 201,5 Millionen Euro. Damit scheint das Sanierungsprogramm der hochverschuldeten Regionalflughäfen erste Früchte zu tragen.
Das operative Ergebnis (EBITDA) verbesserte sich drastisch von 6,5 auf 27,1 Millionen Euro – eine Marge von 13,5 Prozent. Vorstandschef Götz Ahmelmann spricht von einem „erfolgreichen Start der Wende“, warnt aber zugleich: „Der wirtschaftliche Heilungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“ Die Sanierung hatte zuvor eine Finanzierungslücke von 145 Millionen Euro gerissen, die nur durch Notfallhilfen der Anteilseigner und Banken geschlossen werden konnte.
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Zweigeteilte Entwicklung: Starke Fracht, schwache Passagiere
Leipzig/Halle bleibt mit rund 1,4 Millionen Tonnen Fracht Deutschlands zweitgrößtes Luftfrachtdrehkreuz – ein leichtes Plus von 0,4 Prozent. Der Standort ist zentraler Europa-Hub für DHL und wird von über 45 Frachtfluggesellschaften angeflogen.
Ganz anders sieht es im Passagiergeschäft aus: Die Zahl der Fluggäste sank 2025 um 2,6 Prozent auf rund 3,01 Millionen – mehr als 1,2 Millionen weniger als vor der Corona-Krise 2019. Besonders Leipzig/Halle verlor 3,7 Prozent auf 2,12 Millionen Reisende, vor allem wegen gestrichener Touristenverbindungen nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Dresden hingegen legte dank mehr Mittelmeer- und Türkei-Flügen leicht um 0,5 Prozent auf 886.578 Passagiere zu.
Branchenkenner führen die schwache Erholung auf hohe Standortkosten in Deutschland zurück – etwa Luftverkehrssteuer und Sicherheitsgebühren. Viele Airlines verlagern ihre Kapazitäten ins günstigere Ausland.
Sanierung auf Kosten der Belegschaft
Das „Zukunftskonzept“ der Flughafen-Gruppe sieht tiefe Einschnitte vor. Anfang 2026 einigte sich das Management mit der Gewerkschaft ver.di auf einen 15-monatigen Tarifvertrag ohne lineare Gehaltserhöhungen. Stattdessen gibt es leistungsabhängige Einmalzahlungen. Bis Ende 2026 sollen zudem rund 160 Stellen gestrichen werden – vor allem in der Verwaltung.
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Eine Studie des Köln-Instituts für Wirtschaftsforschung (IW Köln) vom Januar 2026 unterstreicht dennoch die strategische Bedeutung der Airports: Sie generieren demnach eine Bruttowertschöpfung von rund 4,6 Milliarden Euro und sichern über 52.000 Arbeitsplätze in der Region. Die Steuereinnahmen durch die Flughäfen belaufen sich auf jährlich 875 Millionen Euro – weit mehr als die öffentlichen Zuschüsse.
Ausstieg aus der Staatsfinanzierung bis 2030
Auf Basis dieser Zahlen haben Sachsen und Sachsen-Anhalt einen verbindlichen Fahrplan für den schrittweisen Rückzug aus der Defizitfinanzierung vereinbart. Die Ausgleichszahlungen für hoheitliche Aufgaben sinken von 37 Millionen Euro (2026) auf 28 Millionen Euro (2027) und sollen bis 2030 auf null fallen.
Sachsens Finanzminister Christian Piwarz zeigt sich zuversichtlich, mahnt aber: „Die Flughäfen müssen langfristig vollständig eigenfinanziert arbeiten können.“
Zukunft bleibt unsicher
Luftfahrtexperte Hartmut Fricke von der TU Dresden warnt vor übertriebenem Optimismus: „Der Gewinn ist kein einmaliger Buchungseffekt, aber die Branche bleibt volatil.“ Das Frachtgeschäft als wirtschaftlicher Motor reagiere empfindlich auf globale Konjunkturschwankungen. Zudem leide das Passagiergeschäft unter der Konkurrenz größerer Drehkreuze und steigender Infrastrukturkosten.
Für 2026 peilt das Management einen ausgeglichenen Betriebshaushalt an – als Vorbereitung auf den Ausstieg aus der formellen Sanierungsphase. Neue Einnahmequellen sollen durch die kommerzielle Entwicklung ungenutzter Flächen rund um die Flughäfen erschlossen werden. Ob sich das regionale Passagiergeschäft – besonders in Dresden – langfristig trägt, bleibt jedoch offen. Diese Frage wird die Anteilseigner bei den Verhandlungen über den Finanzierungszeitraum 2027 bis 2030 intensiv beschäftigen.
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