Deutschland, Iran

Blaues Auge oder Einbruch? Der Krieg trifft die Wirtschaft

11.03.2026 - 12:14:13 | dpa.de

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die ohnehin lahmende deutsche Wirtschaft. Macht der Iran-Krieg den mit vielen Milliarden erkauften Aufschwung zunichte? Ökonomen haben noch Hoffnung.

  • Mit dem Anstieg des Ölpreises drohen negative Folgen für die deutsche Wirtschaft (Archivbild) - Foto: Nic Coury/AP/dpa
    Mit dem Anstieg des Ölpreises drohen negative Folgen für die deutsche Wirtschaft (Archivbild) - Foto: Nic Coury/AP/dpa
  • Der deutsche Außenhandel mit dem Iran spielt keine große Rolle (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
    Der deutsche Außenhandel mit dem Iran spielt keine große Rolle (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
  • Die Straße von Hormus - ein Nadelöhr des Welthandels - ist faktisch blockiert (Archivbild) - Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa
    Die Straße von Hormus - ein Nadelöhr des Welthandels - ist faktisch blockiert (Archivbild) - Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa
  • An den Tankstellen hat der Krieg längst Deutschland erreicht (Archivbild) - Foto: Katharina Kausche/dpa
    An den Tankstellen hat der Krieg längst Deutschland erreicht (Archivbild) - Foto: Katharina Kausche/dpa
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Rasanter Anstieg der Ölpreise, gestörter Luftverkehr, faktische Blockade der Straße von Hormus: Der Iran-Krieg hat längst Folgen für die Wirtschaft. Doch wie stark trifft er die ohnehin angeschlagene Konjunktur in Deutschland? Und kann er den erhofften, mit riesigen Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur gestützten Aufschwung zunichtemachen? Hier gehen die Einschätzungen von Ökonomen auseinander.

Recht zuversichtlich ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Ihm zufolge dürfte der Iran-Krieg die Erholung der deutschen Wirtschaft nur leicht belasten. Unter der Annahme, dass der stärkste Energiepreisschub bereits vorbei ist und die Öl? und Gaspreise im zweiten Quartal abebben, dürften sie das Wachstum lediglich um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpfen.

 «Insgesamt wird die Erholung der deutschen Wirtschaft damit zwar gebremst, aber nicht gestoppt», schreibt das DIW. Das wahrscheinliche Szenario sei, dass die Energiepreise nicht dauerhaft steigen, sagte Präsident Marcel Fratzscher. 2026 werde die deutsche Wirtschaft trotzdem um 1,0 Prozent zulegen und 2027 um 1,4 Prozent.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft dürfte sich festigen, meint Geraldine Dany-Knedlik, die die Konjunkturprognosen beim DIW verantwortet. Die Schwachstellen blieben aber der Außenhandel und die exportstarke Industrie, wo teures Öl Branchen wie Chemie, Transport und Maschinenbau belaste.

Insgesamt falle der Anstieg der Öl- und Gaspreise aber deutlich geringer aus als während der Energiekrise 2022 und 2023 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, erklärt das DIW. «Deutschland ist heute weniger von fossiler Energie aus der Golfregion abhängig als damals von Gas und Öl aus Russland.» 

Ölschock für Verbraucher und Industrie?

Vor allem der Stillstand des Schiffverkehrs in der Straße von Hormus, durch den sonst ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert wird, macht Ökonomen Sorgen. Am Montag waren die Preise für Brent-Rohöl auf fast 120 Dollar je Fass gestiegen, bevor die Preise wieder nachgaben. Der Gaspreis an den Börsen hat sich laut DIW fast verdoppelt. 

«Wenn der Weltwirtschaft dauerhaft 20 Prozent der Kapazitäten bei Öl und Gas fehlen, wäre das heftig», sagte der neue «Wirtschaftsweise» Gabriel Felbermayr dem «Handelsblatt». Das sei der schlimmste anzunehmende Fall. Für jede zehn Dollar, die sich ein Ölfass verteure, werde das Wachstum in Industriestaaten um zehn Prozent geschmälert. 

Autofahrer spüren den Krieg längst an den Tankstellen, wo die Benzin- und Dieselpreise über zwei Euro je Liter geklettert sind. Auch könnten die Lebensmittelpreise aus Sicht von Handelsforschern wieder stärker anziehen. Steigende Preise wiederum könnten den privaten Konsum als Säule der deutschen Wirtschaft belasten.

«Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr»

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat simuliert, dass höhere Ölpreise hierzulande zweistellige Milliardenschäden anrichten könnten. Klettere der Ölpreise auf 100 Dollar pro Barrel (159 Liter), beliefen sich die Verluste beim Bruttoinlandsprodukt auf 0,3 Prozent dieses Jahr und 0,6 Prozent 2027. Bei einem erwarteten Wachstum von rund einem Prozent dieses Jahr wäre das schon schmerzhaft. So macht sich teureres Öl etwa bei Warentransport bemerkbar, was die Exportnation Deutschland besonders trifft.

Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr führten schon zu längeren Transportzeiten und höheren Kosten, sagte der Präsident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura. Noch sähen die Unternehmen keine gravierenden direkten Folgen des Iran-Kriegs, doch Einschränkungen zentraler Handelsrouten beobachte man mit Sorge.

Immerhin: Der deutsche Handel mit dem Iran spielt nur eine untergeordnete Rolle. 2025 gingen deutsche Exporte im Wert von nur knapp einer Milliarde Euro in das Land, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Damit stand Iran auf Platz 72 in der Rangfolge der deutschen Handelspartner. 

Hoher Ölpreis könnte Wachstum halbieren

Wie stark die Eskalation im Nahen Osten die deutsche Wirtschaft trifft, hängt wesentlich davon ab, wie lange die Ölpreise hoch bleiben. Ein Krieg über wenige Wochen hätte laut Ökonomen nur begrenzte Folgen. «Bliebe der Ölpreis wider Erwarten mehrere Monate über der Marke von 100 Dollar, könnte sich das bisher für Deutschland prognostizierte Wirtschaftswachstum fast halbieren», sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Auch das DIW hat ein Negativszenario durchgerechnet, in dem der Iran-Krieg weiter eskaliert und die Energiepreise um gut die Hälfte binnen zwei Quartalen anziehen. Hier müsse die Europäische Zentralbank die Leitzinsen erhöhen, was die Konjunktur bremse, sagte Präsident Fratzscher. Unter dem Strich würde dann die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozentpunkte zum Basisszenario sinken.

Dazu kommt die Psychologie. Denn in einer Welt voller Krisen kommt mit dem Iran-Krieg der nächste Unsicherheitsfaktor dazu - neben dem Zollstreit mit den USA. Über der deutschen Wirtschaft hänge der Nahost-Krieg wie ein Damoklesschwert, sagt Ökonom Krämer.

 

 

 

 

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