MINT-Fachkräftemangel, Stellen

MINT-Fachkräftemangel: 369.400 Stellen offen – Frauenpotenzial im Fokus

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die VDI-Erhebung zeigt Karrierebarrieren auf und benennt flexible Führung, Mentoring und gezielte Förderung als Ansatzpunkte.
Ein moderner, minimalistischer Raum mit klaren architektonischen Linien und hellem Tageslicht auf einem Betonboden. Illustration mit AI erstellt.

Im März 2026 waren in Deutschland rund 369.400 MINT-Stellen unbesetzt. Vor diesem Hintergrund rückt das Potenzial von Frauen in technischen Berufsfeldern zunehmend in den Fokus.

Die Studie „Frauen in MINT-Berufen – Potenziale entfalten, Innovationskraft stärken“, die im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) entstand, untersucht Hemmnisse sowie Handlungsansätze. Die Untersuchung basiert auf vier Workshops, einer Online-Befragung mit 1.274 Teilnehmenden sowie einem Expertengremium auf der Hannover Messe.

Sorge um Innovationskraft und Karrierehindernisse

Die Dringlichkeit struktureller Veränderungen spiegelt sich in der Wahrnehmung der Befragten wider: 86 Prozent bewerten das Tempo bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien in Deutschland als eher oder gar nicht ausreichend. Dies deckt sich mit internationalen Erhebungen; so fiel Deutschland im Global Innovation Index der WIPO 2025 aus den Top Ten auf Rang 11 zurück.

Als zentrale Herausforderung im Berufsalltag sehen 84 Prozent der Befragten die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen, während 62 Prozent eine erschwerte Karriereentwicklung wahrnehmen. Um Vorurteilen im Unternehmensalltag entgegenzuwirken, bezeichnen 44 Prozent Anti-Bias-Trainings als wichtigste Einzelmaßnahme.

Flexible Arbeitsmodelle und geteilte Führung

Ein wesentlicher Hebel für mehr Chancengleichheit liegt in der Flexibilisierung der Arbeitsorganisation. Laut der VDI-Erhebung stufen 61 Prozent Topsharing als wichtigen Weg ein, um Verantwortungspositionen neu zu gestalten. Das Interesse an Modellen geteilter Verantwortung ist groß: Von 486 befragten Frauen ohne Leitungsfunktion gaben 48 Prozent an, eine Führungsposition anzustreben, wenn diese in Teilzeit ausgeübt werden kann.

Zudem zählen 43 Prozent der Teilnehmenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu den vier dringlichsten Handlungsfeldern. Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2023 zeigen, dass 93,8 Prozent der Betriebe Teilzeitmodelle und rund 70 Prozent mobiles Arbeiten anbieten.

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Gleichzeitig verzichten jedoch drei von zehn Beschäftigten mit Blick auf Vorgesetzte oder Kollegen auf familienfreundliche Angebote, und 36 Prozent befürchten dadurch berufliche Nachteile.

Dass Jobsharing in der Praxis funktionieren kann, zeigt das Industrieunternehmen Drägerwerk: Dort kehrte eine Führungskraft nach anderthalb Jahren Elternzeit in Teilzeit zurück und teilt sich seither die Leitung des kaufmännischen Innendienstes mit 130 Beschäftigten im Tandem mit einer Kollegin.

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Programme zur Nachwuchssicherung und Vernetzung

Neben betrieblichen Modellen gewinnen praxisorientierte Netzwerke an Bedeutung. Die Siemens AG kombiniert Ausbildungsangebote wie den bundesweiten Girls'Day mit Mentoring-Initiativen wie CyberMentor, der Partnerschaft bei der Praktikumsoffensive #empowerGirl sowie internen Führungstrainings im Programm „Women Empowerment bei Siemens“.

Auch Bildungseinrichtungen verstärken ihre Initiativen. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt bot im vergangenen Programmjahr im Rahmen des bayerischen Mentoring-Programms 47 Tandems für Studentinnen technischer Fächer an.

Grenzüberschreitende Ansätze wie das Projekt STREAM IT unter dem Dach von Horizont Europe belegen ebenfalls den Nutzen gezielter Förderung: In dessen Talentprogramm sank der Anteil der Schülerinnen, die sich eine MINT-Laufbahn nicht zutrauten, von 35 Prozent auf 26,1 Prozent. Angesichts Hunderttausender offener Stellen bleibt der Abbau bestehender Barrieren ein entscheidender Faktor für die Fachkräftesicherung.

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