Minijobs vor dem Aus: 6,8 Millionen Beschäftigte betroffen
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle OECD-Bericht „Employment Outlook 2026“. Deutschland verzeichnet dagegen ein leichtes Plus – und diskutiert gleichzeitig über eine Reform von Minijobs und sozialer Absicherung.
Neun Länder mit realen Verlusten
Zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem ersten Quartal 2026 sanken die Reallöhne in 9 von 27 untersuchten europäischen Ländern. Besonders hart traf es Italien mit minus 6,1 Prozent, Tschechien mit minus 5,8 Prozent und Schweden mit minus 4,8 Prozent. Im gesamten Euroraum lag der durchschnittliche Rückgang bei 1,8 Prozent.
Einige Staaten legten dagegen kräftig zu. Litauen führte die Eurozone mit plus 14,8 Prozent an. Außerhalb des Währungsraums stiegen die Reallöhne in Ungarn um 29,8 Prozent und in Polen um 16,5 Prozent. Die Türkei verzeichnete ein Plus von 78,6 Prozent – allerdings von einem sehr niedrigen Basisniveau aus.
Deutschland kam auf eine leichte Steigerung von 0,9 Prozent, Frankreich stagnierte bei 0,1 Prozent. Die Erhebungen liefen vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise infolge der militärischen Konflikte zwischen den USA, Israel und dem Iran.
Mindestlohn steigt – trotzdem brauchen viele Hilfe
Seit Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 13,90 Euro pro Stunde. Zwei weitere Stufen auf 14,60 Euro sind bereits beschlossen – basierend auf einem Kabinettsbeschluss vom Oktober 2025 und einer Empfehlung der Mindestlohnkommission.
Dennoch beziehen rund 80.000 Vollzeitbeschäftigte ergänzende Leistungen. Seit dem 1. Juli 2026 firmieren diese unter dem Namen Grundsicherungsgeld. Zwei Drittel dieser sogenannten Aufstocker leben in Haushalten mit Kindern. Für sie gibt es einen Kinderzuschlag von bis zu 297 Euro pro Kind. Die Freibeträge bei der Anrechnung des Erwerbseinkommens sind bei Bruttolöhnen über 1.200 Euro beziehungsweise 1.500 Euro gedeckelt – auf maximal 348 Euro für Alleinstehende und 378 Euro für Personen mit Kindern.
Minijobs vor dem Aus?
Die geringfügige Beschäftigung steht vor einem grundlegenden Umbau. Eine Expertenkommission zur Alterssicherung empfiehlt, den Sonderstatus für Minijobs im Steuer- und Sozialrecht weitgehend abzuschaffen. Ausnahmen soll es nur für Schüler geben. Der Vorschlag sieht vor, Minijobber ohne Befreiungsmöglichkeit in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.
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Im ersten Quartal 2026 waren bundesweit rund 6,8 Millionen Menschen geringfügig beschäftigt. Rund 79 Prozent von ihnen zahlten keine eigenen Rentenbeiträge. Flankierend plant Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eine Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von derzeit 31 Prozent auf rund 39 Prozent.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kritisiert zudem, dass Minijobs Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit mindern. Besonders betroffen von möglichen Änderungen wären Handel, Handwerk und Gastgewerbe. Laut Branchenverband DEHOGA ist im Gastgewerbe jeder zweite Beschäftigte auf Minijob-Basis tätig.
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Ost-West-Angleichung im Baugewerbe
Ein historiches Meilenstein: Im deutschen Bauhauptgewerbe sind die Tariflöhne in Ost und West nach mehr als 35 Jahren vollständig angeglichen. Die Gewerkschaft IG BAU sieht darin einen Erfolg nach jahrelangen Arbeitskämpfen. Betriebsräte berichten von ersten Rückkehrern – Fachkräfte, die wegen der angeglichenen Bedingungen wieder in die östlichen Bundesländer ziehen.
Doch die allgemeine Lohnlücke bleibt. Laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) liegt sie bei Vollzeitbeschäftigten ohne Tarifbindung weiterhin bei über 17 Prozent.
Vietnam plant kräftige Mindestlohn-Anhebung
International zeichnet sich eine deutliche Anpassung ab: Der Nationale Lohnrat Vietnams hat vorgeschlagen, den regionalen Mindestlohn ab Januar 2027 um durchschnittlich 7,8 Prozent anzuheben. Die neuen Sätze sollen je nach Region zwischen 4,04 Millionen und 5,7 Millionen VND pro Monat liegen. Hoang Quang Phong, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer VCCI, betont die Notwendigkeit begleitender Produktivitätssteigerungen.
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