Minijobs, Pauschalsteuer

Minijobs: Pauschalsteuer steigt ab Januar 2027 auf fünf Prozent

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nebenjobs erreichen Rekordniveau: Fast elf Prozent jobben zusätzlich. Die Koalition plant höhere Abgaben, eine Abschaffung lehnt die Mehrheit ab.

Rekord bei Mehrfachbeschäftigung: Fast 11 Prozent der Erwerbstätigen haben Nebenjob
Eine Person arbeitet abends an einem Laptop, während im Hintergrund ein Arbeitskittel auf einem Stuhl hängt, was den Wechsel zwischen Hauptberuf und Nebenjob symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in Deutschland hat einen neuen Rekord erreicht. Aktuelle Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen: Fast elf Prozent der Erwerbstätigen jobben neben ihrer Haupttätigkeit – doppelt so viele wie noch 2005.

Vom Überlebenskampf zur Herzensangelegenheit?

Der Grund für den Nebenjob hat sich grundlegend gewandelt. Während 2017 nur 33 Prozent der Befragten Spaß an der Zusatztätigkeit angaben, waren es 2023 bereits 46 Prozent. Trotzdem bleibt der finanzielle Druck real: Ein Drittel nutzt den Zuverdienst zur Aufbesserung der Finanzen, jeder Sechste ist sogar direkt auf den Zweitjob angewiesen.

Besonders deutlich zeigt sich der Trend im Ortenaukreis. Dort stieg die Zahl der Nebenjob-Minijobber seit 2015 um 34,4 Prozent auf 25.428 Personen. Zum Vergleich: In Wuppertal sind aktuell rund 31.700 Menschen geringfügig beschäftigt.

Wo die Nebenjobs stecken

Der Dienstleistungssektor dominiert klar. Im Ortenaukreis entfallen 8.991 Minijobs auf das Gastgewerbe, 8.577 auf den Handel. Bundesweit zeigen Schätzungen der Rentenkommission ein ähnliches Bild: Kfz-Werkstätten und Autohäuser beschäftigen rund 1,05 Millionen Minijobber, das Gastgewerbe 950.000. Insgesamt sind etwa sieben Millionen Menschen in diesem Modell tätig.

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Streit um die Zukunft des Minijobs

Die Koalition will das Modell erhalten – aber teurer machen. Ab Januar 2027 soll die Pauschalsteuer für Arbeitgeber von zwei auf fünf Prozent steigen, der Krankenversicherungsbeitrag für gewerbliche Minijobs von 13 auf 17,5 Prozent. Für die 6,8 Millionen betroffenen Beschäftigten soll das Nettoentgelt stabil bleiben.

Der Handelsverband Deutschland läuft Sturm gegen die Pläne – immerhin hängen rund 800.000 Minijobber im Einzelhandel an dem Modell. Eine Expertenkommission zur Rente geht sogar noch weiter und empfiehlt die faktische Abschaffung. Sie verspricht sich davon Mehreinnahmen von 4,5 Milliarden Euro.

Die Entscheidung ist vertagt, eine Klärung soll der Herbst 2026 bringen. Die Bevölkerung hat dazu eine klare Meinung: Laut einer Insa-Umfrage sprechen sich 61 Prozent gegen eine Abschaffung aus.

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Was Minijobber wissen müssen

Die Verdienstgrenze liegt weiterhin bei 603 Euro monatlich. Wer mehrere Nebenjobs hat, wird bei der zweiten Tätigkeit nach Steuerklasse VI abgerechnet. Immerhin: Seit dem 1. Juli 2026 ist die Rückkehr in die gesetzliche Rentenversicherung für Minijobber erleichtert worden. Gewerkschaften fordern darüber hinaus eine bessere soziale Absicherung für den Sektor.

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