Minijobs: 800.000 Einzelhandelsmitarbeiter gefährdet durch Reform
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 14:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Branchenverbände starten eine Initiative gegen die geplanten Reformen der Minijobs – und innerhalb der Union zeichnet sich ein politischer Konflikt ab.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat Mitte Juli einen Brandbrief an die Regierung geschickt. Grund sind Pläne der Alterssicherungskommission, den Sonderstatus von Minijobs weitgehend abzuschaffen. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth betont die Unverzichtbarkeit des Modells für die Branche. Derzeit liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro pro Monat.
Was sich ändern soll
Die Reformvorschläge sehen vor: Minijobs sollen künftig voll in die Rentenversicherung einzahlen. Statt des aktuellen Pauschalsteuersatzes von 2 Prozent könnten dann 5 Prozent fällig werden. Einen Fortbestand des Sonderstatus planen die Experten nur noch für Schüler. Eine Umsetzung ist frühestens 2027 vorgesehen.
Der Handelsverband Bayern (HBE) schließt sich der Kritik an. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Puff warnt vor einer deutlichen Verteuerung der Arbeitsverhältnisse. Die Flexibilität der Unternehmen dürfe nicht gefährdet werden. Reformbefürworter argumentieren dagegen: Die Einbeziehung in die Sozialsysteme verbessere die soziale Absicherung der Beschäftigten langfristig.
800.000 Minijobber im Einzelhandel
Die Zahlen zeigen die Dimension. Nach HDE-Angaben arbeiten rund 800.000 Minijobber im deutschen Einzelhandel. Eine Umfrage unter 600 Unternehmen verdeutlicht die angespannte Lage: 42 Prozent der Händler bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, 69 Prozent meldeten gesunkene Gewinne. Für 2026 prognostiziert der Verband dennoch ein nominales Umsatzplus von 2 Prozent auf 697,4 Milliarden Euro.
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Auch andere Branchen schlagen Alarm. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BVDA) warnt: Die Reform könnte die Zustellung kostenloser Wochenzeitungen gefährden. Laut BVDA-Vorstand Alexander Lenders hängen zahlreiche Zustelljobs von der Flexibilität des Minijob-Modells ab. Negative Folgen werden auch für Gastronomie und private Haushalte befürchtet.
Streit in der Union
Die geplante Reform sorgt für Spannungen innerhalb der Unionsparteien. Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas unterstützen das Paket. CSU-Chef Markus Söder spricht sich dagegen für den Erhalt der Minijobs aus. Das stößt beim CDU-Arbeitnehmerflügel auf scharfe Kritik. Dessen Vorsitzender Radtke bezeichnet Söders Kurs als widersprüchlich zum Rentenpaket und wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten eine unsoziale Haltung vor.
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Warnstreiks am Samstag
Parallel zur politischen Debatte belasten Tarifkonflikte den Einzelhandel. Für den heutigen Samstag hat Ver.di zu Warnstreiks in Hessen aufgerufen. Betroffen sind Standorte in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Südhessen. Die Gewerkschaft fordert 250 Euro mehr Lohn sowie 150 Euro mehr für Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Verhandlungen gelten als festgefahren.
Und noch ein Thema bewegt die Branche: die Ladenöffnungszeiten. Wirtschaftsvertreter fordern eine Liberalisierung der Sonntagsöffnung. Die SPD in Mainz lehnt das mit Verweis auf den kulturellen Wert des arbeitsfreien Sonntags ab. Eine Lockerung ist für Bäckereien ab 2027 geplant – sie dürften dann bis zu acht Stunden öffnen.
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