Minijob-Streit: Rentenkommission vs. Koalition um 6,8 Millionen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rentenkommission will Minijobs in die Sozialversicherung einbeziehen – doch die Koalition plant einen anderen Weg. Ein Streit mit Sprengkraft.
Die große Sozialabgaben-Frage
Rund 6,8 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten geringfügig. Bisher sind sie weitgehend von der Sozialversicherungspflicht befreit. Die Rentenkommission schlägt nun vor, diesen Sonderstatus abzuschaffen. Künftig sollen alle Minijobber in die Rentenversicherung einzahlen müssen – ohne Ausnahme.
Aktuelle Zahlen zeigen die Tragweite: Im ersten Quartal 2026 waren lediglich 20,9 Prozent der Minijobber rentenversicherungspflichtig. Das könnte sich bald ändern. Die Kommission sieht in der jetzigen Regelung ein Risiko für die Alterssicherung.
Koalition geht eigenen Weg
Das Reformpaket „Aufschwung und Beschäftigung“ von CDU/CSU und SPD zeichnet ein anderes Bild. Am 2. Juli 2026 stellten die Koalitionspartner 34 Maßnahmen vor – die Minijobs bleiben darin erhalten. Allerdings plant die Regierung eine Erhöhung des Pauschalsteuersatzes von 2 auf 5 Prozent.
Angesichts der geplanten Reformen und der neuen Minijob-Grenze ab Januar 2026 stehen viele Arbeitgeber vor rechtlichen Herausforderungen. Mit dieser kostenlosen Mustervorlage erstellen Sie in wenigen Minuten einen rechtssicheren Arbeitsvertrag für Ihre Aushilfskräfte. Kostenlose Mustervorlage für Minijob-Arbeitsverträge sichern
Vertreter der Union betonten mehrfach: Das Instrument der Minijobs solle grundsätzlich bestehen bleiben. Ein klarer Widerspruch zur Rentenkommission.
Wer würde eine Abschaffung treffen?
Vor allem der Dienstleistungssektor. In Baden-Württemberg waren Mitte 2025 knapp 1,24 Millionen Menschen geringfügig beschäftigt – rund 60 Prozent davon Frauen. Ganze 84 Prozent dieser Stellen entfallen auf Dienstleistungen: der Handel mit über 191.000 Minijobs, das Gastgewerbe mit über 172.000.
Verbände schlagen Alarm
Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt vor drastischen Folgen. In der Gastronomie stamme vielerorts die Hälfte des Personals aus Minijobbern. Ohne sie drohten Einschränkungen bei den Öffnungszeiten – bis hin zu Betriebsschließungen im ländlichen Raum.
Neben den Minijob-Regelungen sorgt auch die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung für Unsicherheit in vielen Betrieben. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen fertige Stundenzettel und alle wichtigen Infos zu Pausen- und Ruhezeiten für eine gesetzeskonforme Umsetzung. Gratis E-Book zur Arbeitszeiterfassung herunterladen
Auch der Handelsverband fordert den Erhalt oder ein adäquates Ersatzinstrument. Viele Minijobber – etwa Studierende oder Rentner – könnten oder wollten nicht in Vollzeit wechseln. Zudem diene der Minijob oft als Einstieg in die Ausbildung. Bei einigen großen Handelsunternehmen kommen bis zu zwei Drittel der Auszubildenden aus dem Pool der Aushilfskräfte.
Die Gewerkschaften Verdi und NGG sehen das anders. Sie begrüßen eine stärkere Absicherung. Minijobs erhöhten das Risiko von Altersarmut. In Krisenzeiten wie der Pandemie hatten Beschäftigte zudem keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.
Weitere Änderungen im Arbeitsrecht
Das Koalitionspaket enthält noch mehr. Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen soll bis Ende 2030 auf bis zu 48 Monate bei maximal sechs Verlängerungen ausgeweitet werden. Ab Januar 2027 entfällt zudem das Schriftformerfordernis für Befristungen.
Verschärfungen gibt es im Gesundheitsmanagement: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Geplant ist eine Vorlagepflicht für ärztliche Atteste ab dem ersten Krankheitstag sowie strengere Sanktionen für Mediziner. Die Tarifparteien haben nun bis Oktober 2026 Zeit, eigene Vorschläge für Branchenlösungen zu erarbeiten.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
