Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission schafft Sonderstatus ab

30.06.2026 - 07:20:37 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht für Minijobber, um Altersarmut zu bekämpfen.

Rentenkommission plant Ende des Minijob-Sonderstatus
Minijob-Reform - Eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Arbeitsumgebungen, unscharf im Hintergrund, symbolisiert die Debatte um Minijobs und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Rentenkommission hat Ende Juni 2026 tiefgreifende Änderungen vorgeschlagen. Kern der Empfehlung: Die Abschaffung des Sonderstatus für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse.

Befürworter versprechen sich davon einen besseren Schutz vor Altersarmut. Wirtschaftsverbände warnen dagegen vor massiven Jobverlusten und einer Zunahme von Schwarzarbeit.

Das Opt-out-Modell soll fallen

Die Alterssicherungskommission will die Möglichkeit zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht abschaffen. Bisher nutzen rund 80 Prozent der Minijobber dieses sogenannte Opt-out-Verfahren. Künftig sollen nur noch Schüler von der Regelung ausgenommen sein.

Ziel des Vorstoßes: Auch Geringverdiener sollen Rentenansprüche aufbauen können. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann unterstützte diesen Kurs am 28. Juni 2026. „Auch Personen in Minijobs müssen für ihr Alter vorsorgen“, betonte er. Ab dem 1. Juli soll zudem eine einmalige Rücknahme bestehender Befreiungen möglich sein.

Handel und Gastronomie schlagen Alarm

Die Pläne stoßen bei Arbeitgebervertretern auf heftigen Widerstand. Der Handelsverband Deutschland (HDE) bezeichnete sie am 29. Juni als „gefährlichen Irrweg“. Hunderttausende Arbeitsplätze im Einzelhandel könnten wegfallen. Allein in dieser Branche sind rund 800.000 Minijobber tätig.

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Auch der Gaststättenverband Dehoga warnte vor einer Katastrophe. Im Gastgewerbe arbeiten etwa 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte. Bei der aktuellen Verdienstgrenze von 603 Euro monatlich würden künftig rund 130 Euro Abzüge für die Arbeitnehmer anfallen.

Experte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) merkte an, dass Minijobs in ihrer jetzigen Form oft als Subvention für Niedriglöhne fungieren. Die Zollgewerkschaft befürchtet zudem, dass höhere Belastungen den Anreiz zur Schwarzarbeit erhöhen könnten.

Auch Medienlogistik und Privathaushalte betroffen

Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) sieht die flächendeckende Zeitungsversorgung gefährdet. Die Zustellung an rund 40 Millionen Haushalte wird kleinteilig organisiert und oft über Minijobs abgewickelt. Der Verband forderte Ende Juni Übergangsregelungen oder branchenspezifische Ausnahmen.

Insgesamt wären von der Reform etwa 6,5 Millionen gewerbliche Minijobber betroffen, plus 250.000 Beschäftigte in Privathaushalten. Ein Großteil der Betroffenen – rund 56 Prozent – sind Frauen. Zudem nutzen etwa 1,3 Millionen Rentner Minijobs als Zuverdienst.

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Politische Fronten sind gespalten

Die Empfehlungen fallen in eine Zeit wirtschaftlicher Stagnation. Laut Berichten des Bundeswirtschaftsministeriums stabilisierte sich die Industrie im Frühjahr zwar auf niedrigem Niveau, die Einzelhandelsumsätze waren zuletzt aber rückläufig.

Innerhalb der Politik zeigt sich ein uneinheitliches Bild. SPD, Grüne und Linke plädieren tendenziell für eine Abschaffung des Sonderstatus. Die Union ist in der Frage gespalten: Die Junge Union befürwortet die Einbeziehung in die Rentenversicherung, andere Teile der Partei und die bayerische Staatsregierung lehnen die Pläne ab.

Weitere Reformschritte in der Diskussion

Zusätzlich zur Minijob-Reform diskutiert die Kommission weitere Maßnahmen. Dazu gehören eine Kapitalrente mit Beiträgen von je einem Prozent durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auch eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67,5 Jahre bis 2041 steht im Raum.

Die Einbeziehung von Selbstständigen und Vorständen in die Versicherungspflicht sowie Kürzungen bei Beamtenpensionen sind ebenfalls Teil der Debatte. Am 30. Juni forderten linke SPD-Abgeordnete zudem, soziale Kürzungen zu vermeiden und stattdessen Vermögensabgaben für sehr hohe Vermögen zu prüfen.

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