Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission plant Abschaffung für 1,1 Millionen

29.06.2026 - 19:35:38 | boerse-global.de

Die geplante Reform der Minijobs spaltet Wirtschaft und Gewerkschaften. Branchen warnen vor massiven Folgen für Betriebe.

Minijob-Reform: Rentenkommission löst heftige Kontroversen aus
Minijob-Reform - Eine unscharfe Darstellung von gestapelten deutschen Zeitungen und einem Taschenrechner auf einem Schreibtisch, mit einer Person im Hintergrund. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Gewerkschaften die Pläne feiern, warnen Branchenverbände vor einem Kahlschlag im Mittelstand.

Gastronomie und Landwirtschaft schlagen Alarm

Besonders deutlich fällt die Kritik aus der Dienstleistungsbranche und dem Agrarsektor aus. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) teilte heute mit, dass in der Gastronomie rund 1,1 Millionen Menschen auf Minijob-Basis arbeiten – etwa die Hälfte des gesamten Personals. Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke kündigte an, gegen eine Begrenzung dieser Beschäftigungsform kämpfen zu wollen.

Auch die Landwirtschaft sieht ihre Arbeitsabläufe bedroht. Beim Deutschen Bauerntag in Freiburg verabschiedeten die Vertreter gestern die sogenannte Freiburger Erklärung. Bauernpräsident Joachim Rukwied warnte vor einer Abschaffung der Minijobs: Die Betriebe seien zur Bewältigung saisonaler Spitzen auf flexible Aushilfen angewiesen.

Medienbranche fürchtet Zustellstopp

Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) äußerte sich heute ebenfalls besorgt. Verbandsvorsitzender Alexander Lenders bezeichnete die geplante Abschaffung des Sonderstatus für geringfügige Beschäftigung als „faktisches Ende des Minijobs durch die Hintertür“. Dies gefährde die flächendeckende Pressezustellung.

Branchenexperten zufolge sind viele Betriebe im Handwerk, Einzelhandel und Schaustellergewerbe auf Minijobber angewiesen – oft arbeiten diese zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung. Ein Wegfall könnte zu Umsatzeinbußen und mehr Schwarzarbeit führen, da saisonale Arbeitsspitzen anders kaum abzufangen seien.

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Gewerkschaften sehen Chance gegen Altersarmut

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) legte heute einen eigenen Rentenplan vor. Wie die Rentenkommission fordert er ein Ende der Sozialversicherungsfreiheit bei Minijobs. Ziel: das Rentenniveau auf 50 bis 53 Prozent anheben.

Unterstützung kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Chef Guido Zeitler betonte, Minijobs würden prekäre Arbeitsverhältnisse und Altersarmut zementieren. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bezeichnete das aktuelle System als Subventionierung bestimmter Branchen und Sackgasse für Zweitverdienende.

Die Rentenkommission schlägt vor, den Minijob-Status künftig nur noch für Schüler zu erhalten. Studenten sollen ausgenommen werden.

Reformdebatte vor schwieriger Wirtschaftslage

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund einer angespannten Konjunktur statt. Laut Berichten des Bundeswirtschaftsministeriums stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026, während die Insolvenzzahlen im Frühjahr leicht anstiegen.

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Parallel werden weitere Modelle zur Stabilisierung des Rentensystems diskutiert. Eine Analyse des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) vom vergangenen Samstag deutete an: Eine Anhebung der Regelaltersgrenze auf 70 Jahre könnte das BIP um bis zu 106 Milliarden Euro jährlich steigern – sofern die gesundheitlichen Voraussetzungen stimmen.

Innerhalb der Rentenkommission wird zudem über eine Erwerbstätigenversicherung beraten. Rentenexperte Peter Bofinger warnte gestern allerdings vor der Integration von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. Das würde den öffentlichen Sektor über Jahrzehnte massiv doppelt belasten.

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